Schreiben in Gesellschaft
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Schreib.Oase. – Schreiben in guter Gesellschaft

in SOZIALES/VIERTEL(ER)LEBEN von

In der Feuerbachgasse haben Petra Freynhofer und Stephanie Lindner einen Raum eröffnet, in dem Gleichgesinnte seit einem halben Jahr in entspannter Atmosphäre an Science-Fiction-Romanen und Masterarbeiten schreiben. Ein Besuch in einem “magischen Raum”.

Was braucht es eigentlich alles, um schreiben zu können? Klar, einen Stuhl, einen Tisch und einen funktionierenden Laptop. Aber was macht man bei einer Schreibblockade? Oder wenn man ständig gestört wird? Genau diesem Problem will die Schreib.Oase. entgegenwirken, und zwar mit einem Ort, der eigens für Schreibende geschaffen wurde.

 

Entstehung des Co-Writing-Space

„Mir ist es wichtig, dass sich die Menschen wohlfühlen, denn wenn man sich nicht wohlfühlt, kann man auch nicht gut schreiben“, meint Petra Freynhofer, Gründerin der Schreib.Oase. Die 41-jährige studierte Soziologin hat sich mit diesem Ort einen lang gehegten Traum erfüllt. Gemeinsam mit ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Stephanie Lindner eröffnete sie im Juni 2022 den ersten Co-Writing-Space für Schriftsteller:innen in Graz. Der Raum in der Feuerbachgasse 10 soll es Teilnehmer:innen ermöglichen, in gemütlicher Atmosphäre und konzentriert an eigenen Werken zu schreiben. Dabei kann man zwischen neun verschiedenen Schreibplätzen wählen. Zur Verfügung stehen gemütliche Sofas, höhenverstellbare Schreibtische oder sogar ein Laufband, um den Gedankenfluss anzuregen. Biedermeier-Stühle, Kronleuchter und alte Schreibmaschinen verschaffen dem Raum einen gewissen Vintage-Flair. Um den Schreibprozess zu erleichtern, gibt es auch große Pinnwände, Bücherregale und eine kleine Küche mit Kaffeemaschine.

 

Petra Freynhofer auf einem der neun Schreibplätze
Petra Freynhofer auf einem der neun Schreibplätze – Foto: Laura Kerschbaumer

 

Beweggründe der Teilnehmer:innen

Derzeit befindet sich der Co-Writing-Space noch in der Aufbauphase. Seit der Eröffnung im Juni haben bereits um die 15 Teilnehmer:innen den Raum genutzt, wobei die Hälfte von ihnen regelmäßig kommt. Momentan sind es vor allem Frauen, das Alter variiert. Es gibt auch Co-Writer:innen aus Irland, Neuseeland und den USA. „Die Schreib.Oase. vermittelt eine produktive Stimmung und man fühlt sich sofort wohl – es hängt ein gewisser Schreibgeist in der Luft“, sagt Jasmin Straßegger, die hier an ihrer Masterarbeit über “Translators without Borders” schreibt.

Andrea Gorsche ist neben ihrem Beruf als Marketingberaterin leidenschaftliche Autorin. Momentan schreibt sie an ihrem zweiten Roman über einen Kriminalfall in Australien und die Schreib.Oase. scheint dafür der richtige Ort für sie zu sein. „Natürlich kann man auch in jedes Kaffeehaus gehen”, findet sie, „aber da ist es laut und man wird ständig abgelenkt. Eine Bibliothek ist wieder zu leise. Hier hat man wirklich das Gefühl, in einer eigenen kleinen Oase zu sein.“

 

Mehr als nur ein Ort

Die Schreib.Oase. ist nicht nur ein Arbeitsort, sondern auch eine Community Gleichgesinnter, die gerne in Gesellschaft schreiben. Inspiration, Austausch und Weiterbildung spielen dabei eine zentrale Rolle. So bietet Petra Freynhofer regelmäßig Friendly Feedback Sessions an, bei denen mit wohlwollenden Feedbackregeln und -methoden die Texte aus Sicht der Leser:innen betrachtet und verbessert werden können. Um sich sprachlich laufend weiterbilden zu können, treten immer wieder Schreibtrainer:innen und Expert:innen auf, die ihr Wissen in der Oase teilen. Es gibt vier verschiedene Abonnements zu unterschiedlichen Preisen. Das günstigste Schreibplatzabo, das „Lunch Abo“,   kostet monatlich 54 €. Die Kosten der Workshops variieren.

Petra Freynhofer ist nicht nur Schreibtrainerin, sondern schreibt auch selbst. Ob Liebesroman oder postapokalyptische Science-Fiction, sie liebt es, neue Welten zu erfinden und sich vorzustellen, wie die Gesellschaft in der Zukunft aussehen könnte. „Ich mag es besonders, mich mit der Entwicklung von Charakteren zu beschäftigen, weil man dabei selber so viel lernt“, so Petra über ihre Leidenschaft. Auch im Dezember bietet die Schreib.Oase. wieder eine Reihe von Veranstaltungen an, wie zum Beispiel einen Reflexionsworkshop zum Jahresende.

 

Zukunftsgedanken

Die Gründerin des Co-Writing-Space findet, dass es gerade in der aktuellen Krisenzeit so einen „magischen Raum” braucht, in den man aus seinem Alltag und der oftmals gefühlten Aussichtslosigkeit entfliehen kann. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sich die Schreib.Oase. auf Dauer hält und dass sich in Graz eine starke Schreibcommunity findet, in der sich Textarbeiter:innen wechselseitig in ihrem Schreibprozess unterstützen. „Ich glaube, dass gerade in diesen schwierigen Zeiten Kreativität extrem wichtig ist. Die Lösungen für die Probleme stecken in den Menschen, und je mehr Menschen ihre Gedanken und Ideen in Worte fassen können, und sich daraus ein Diskurs ergibt, umso besser”, betont Petra.

 

Titelbild: Gemeinsame Schreibzeit in der Schreib.Oase. – Foto: Laura Kerschbaumer

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