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Zu Besuch im Grazer Musik-Untergrund

in Allgemein/KULTUR von

Hubert Hierzmann und sein Verein Wakmusic mit Homebase in der Griesgasse stellen der Grazer Musikszene seit Jahren wichtige Infrastruktur zur Verfügung. Ein Besuch im Proberaum der Indie-Rocker von Velvet Wasted.

Von Benjamin Zakary

Wer den kleinen Eingang zum Proberaumzentrum „Ostbahnhof“ inmitten der Liebenauer Lagerhallen und Großhändler gefunden hat, muss als nächstes in den Untergrund steigen. Die Wände sind mit Stickern zugekleistert, die Treppen führen in einen Keller, in dem Hubert Hierzmanns Verein Wakmusic sechs Proberäume und das SisiTopStudio betreibt. Leistbare Proberäume in Graz sind rar, das Jugendzentrum Explosiv am Bahnhofgürtel stellt welche zur Verfügung – und dann gibt es eben Hubert Hierzmann, der die Grazer Musikszene, ausgehend vom Club WAKUum in der Griesgasse, mit Infrastruktur und Auftrittsmöglichkeiten versorgt.

In einem der Proberäume am Ostbahnhof arbeitet die Grazer Band „Velvet Wasted“ einmal die Woche, an neuen Songs. Die Band, die eingängigen Indie-Rock produziert und zuletzt wieder für guten Sound beim FFF-Jubiläumsstreik sorgte, besteht aus Sandro Jaklitsch, Max Gugenhan, Anthony Trost und David Majoran. Seit genau zwei Jahren arbeitet sie zusammen, nachdem sie sich zuvor in anderen Formationen oder bei Open-Mic-Events erprobt haben.

Zu wenig Raum

Der Mangel an Proberäumen ist in den Augen der Band ein großes Problem. Denn ein Proberaum sei mehr als nur ein Ort, an dem man neue Songs kreiert, meinen die Mitglieder der Band „Velvet Wasted“. Proberäume sind auch – und darin seien sie Sportplätzen oder Graffitiwänden ähnlich – Rückzugsorte für Kreative, an denen man dem Alltagsstress entkommen kann, sagt David, der Drummer der Band. Weil es wenig Angebot gebe, komme man bei der wöchentlichen Proberaum-Session unter Zugzwang, etwas zu produzieren. Zu selten gebe es die Möglichkeit, sich einfach zurückzulehnen, zu experimentieren, Neues zu schöpfen.

Genau deshalb hatte Hierzmann gemeinsam mit Freunden 2004 den Verein gegründet und einen ersten Proberaum am Areal des p.p.c. beim Lendplatz angemietet. Nachdem sich die im Kulturhaupstadtjahr 2003 gehegten Hoffnungen, das p.p.c. zum Herz einer blühenden Musik- und Kreativwirtschaftsszene auszubauen, etwas zerschlagen hatten, expandierte Wakmusic in andere Bezirke. Heute betreibt der Verein neun Räume, arbeitet an neun weiteren und ist neben dem Jugendzentrum Explosiv am Bahnhofsgürtel, das ebenfalls in neun Räumen Platz für mehr als 30 Bands bietet, der größte Anbieter der Stadt. Finanziert werden die Räume durch Fördergelder und aus eigener Tasche, sagt Hubert Hierzmann. Ziel sei es, den Betrieb so kostengünstig wie möglich zu halten.

Support für eine lebendige Szene

Für Max Gugenhan, den Sänger von Velvet Wasted macht die Diversität, der Zusammenhalt und der Community-Gedanke die Grazer Musikszene besonders. „Man hilft sich gegenseitig, tauscht sich aus und shared die Musik. Wenn jemand mal einen Gig nicht spielen kann, fragt man gleich rum, ob ihn nicht wer anderer spielen mag.“ Mit Projekten wie der Marketing-Plattform Styrian Bandsupport, dem Sunny Days Festival (29.7., Dietersdorf) oder dem härteren StoneBreak-Festival (10.9., Kulmarena) trägt  Hierzmanns Wakmusic auch auf anderer Ebene zur Stärkung dieser Community bei.

Die Grazer Indie-Band – Foto: Velvet Wasted

Unter der vorherigen Stadtregierung, eine Koalition aus ÖVP und FPÖ, habe die Band oft das Gefühl gehabt, dass ihnen keine Beachtung geschenkt wird, sagt Max im Proberaum am Ostbahnhof. Veranstaltungen würden sehr ungleich unterstützt, was den Eindruck vermittle, dass gewisse Musik- und Kulturgenres einen höheren Stellenwert für manche Politiker haben.

Was sonst fehlt

Außer an leistbaren Proberäumen fehle es in Graz außerdem an Konzertlocations mittlerer Größe, sagt der Schlagzeuger David. Der Club WakUum in der Griesgasse bietet Auftrittsmöglichkeiten vor kleinerem Publikum. Danach werde es schwierig, wenn man nicht gleich das Orpheum füllen will. Man könne sich nicht schrittweise nach oben arbeiten.

Das habe laut Hierzmann aber auch mit dem Support durch lokales Publikum zu tun. Er wünscht sich ein ähnliches Umdenken in der Musik- und Kulturszene wie beim Einkauf von Lebensmitteln, da spiele Regionalität ebenfalls eine immer wichtigere Rolle. „Der Stellenwert von lokalen Bands ist meistens etwas niedriger. „Amerikanische Undergroundband“ klingt eben deutlich interessanter als ‚Undergroundband aus Graz´.“ Lokalen Bands fehle außerdem Radio-Spielzeit, manchmal auch der “Exoten-Bonus”, um eine größere Fanbase aufzubauen. „Man darf Radio nach wie vor nicht unterschätzen. Die Bedeutung ist natürlich deutlich reduzierter als noch vor 20 Jahren. Aber trotzdem müssen die Leute auf eine Band erst einmal aufmerksam gemacht werden.“

 

 

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