Architektin Bettina Zepp
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Neues Begegnungszentrum im „Neuen Bezirk“

in SOZIALES von

Seit vergangenem Juli wartet das Jugendfreizeitzentrum Eggenlend in einer Container-Übergangslösung auf ein neues Zuhause. Im Zuge eines Architekturwettbewerbs fiel die Entscheidung für ein neues Gebäude, geplant von der Architektin Bettina Zepp.

Ein flaches Gebäude, der gläserne Eingang lässt ins Innere blicken. Daneben die begrünte Fassade. Kinder, Jugendliche und Eltern spazieren vorbei. So ist es zumindest auf dem Computer-Rendering des neuen Jugendfreizeitzentrums (JUFZ)  Eggenlend gezeichnet: ein Idyll in der Starhemberggasse 32. Dorthin musste das Eggenlend, eines der 13 Jugendfreizeitzentren der Stadt Graz, auf Grund des Baus der Smart-City vor knapp einem Jahr übersiedeln und bietet seither in einem Container Raum für Jugendliche aus den Bezirken Eggenberg und Lend. Im Dezember fiel dann im Rahmen eines Architekturwettbewerbs einstimmig der Beschluss, das Projekt der Grazer Architektin Bettina Zepp zu verwirklichen.

Das Eggenlend solle bis Ende 2023 fertig gebaut sein, sagt Zepp im Gespräch. Die Architektin, die ihr Ein-Frau-Büro in Graz führt, wird bis zur Fertigstellung an dem Projekt beteiligt sein. „Wenn ich das Glück habe, zu einem Wettbewerb geladen zu werden, dann stecke ich alles Herzblut rein, was nur geht.“ Neben dem JUFZ in Eggenberg hat sie auch schon die Pläne für das Jugendzentrum im Grünanger entworfen und beim Wettbewerb für das JUFZ Echo den zweiten Platz erreicht. Aber auch für die Architektur des “Mobilen Pavillons” der Steiermark Schau im Vorjahr war sie maßgeblich verantwortlich.

Wie ein Sudoku-Rätsel

Das Herz des neuen Jugendfreizeitzentrums wird ein großes Café mit einer Bar. Dies war nur eine der vielen Vorgaben, die Architektin Bettina Zepp bei der Gestaltung beachten musste. Auch getrennte Eingänge wurden gewünscht, da in dem neuen Gebäude neben dem Jugendzentrum und einer Fahrradwerkstatt auch das Eltern-Beratungs-Zentrum „Family+“ seinen Platz finden wird. Die Eltern und Teenager sollen sich dabei nicht voneinander gestört fühlen, so die Architektin. Im Gebäude werden die beiden Einrichtungen jedoch verbunden bleiben.

„Es war irrsinnig schwer für mich, diese unterschiedlichen Anforderungen im Grundriss zu lösen“, sagt Zepp. Die komplexe Planung sei wie ein Sudoku-Rätsel gewesen, beschreibt sie  die Arbeit. Eine Besonderheit des Entwurfs stellt auch das sogenannte Butterfly-Dach dar: Dabei wird das Dach über die Diagonale aufgeklappt, wie Flügel, um so mehr Licht in den Innenraum zu bekommen. Zusätzlich gewinnt man an Raumhöhe. „Um den Riesenraum aufzufalten, und nicht einfach einen Deckel drauf zu setzen. Das stelle ich mir einfach spannender vor.“

Visualisierung des neuen Gebäudes des Jugendzentrums Eggenlend
Umgeben von Grün – so soll das neue Gebäude des JUFZ Eggenlend aussehen – Visualisierung: Paul Frick, Bildermehr

Das neue Eggenlend wird inmitten eines öffentlichen Parks liegen, welcher zeitgleich geplant und errichtet wird. Eine weitere Schwierigkeit stellte dabei die Anforderung einer öffentlichen Toilette dar, die sowohl vom Park als auch vom JUFZ aus zugänglich sein sollte. Diese laut Plan nur von außen zugängliche WC-Anlage sieht die Leiterin des Jugendzentrums Christina Moschitz jedoch kritisch. Sie befürchte, ein permanentes Auf- und Zugehen der Türe störe und würde es schwierig machen, die Jugendlichen zu beaufsichtigen. Sie hätte sich bei der Planung noch mehr Einbeziehung der Jugendlichen und Angestellten gewünscht, wie sie im Gespräch erklärt.

Aktive Angebote

„Grundsätzlich waren wir beim Planungsprozess der Innenräume dabei. Also bei dem Raum- und Funktionsprogramm, welche Räume wir gerne hätten und wie groß diese sein sollen“, erzählt Moschitz. Diese Wünsche wurden bei der Planung auch berücksichtigt. So wird es im neuen Zuhause, wie schon im Container, einen eigenen Raum nur für Mädchen geben. Christina Moschitz betont die Bedeutung solcher Angebote für junge Frauen. „Weil das ganze Viertel sehr männlich besetzt ist und das quasi territoriale Ansprüche mit sich bringt, ist es total wichtig, einen Rückzugsbereich zu bieten.“ Neben diesem Schwerpunkt sind auch Gewaltprävention, feministische Mädchenarbeit oder Antidiskriminierungsarbeit aktuelle Themen des JUFZ. „Der neue Standort wird in Zukunft zudem einen Sportschwerpunkt haben“, sagt Moschitz. Mit dem neuen Aktivraum, in dem Sportgeräte zur Verfügung stehen werden, und den Sportflächen im Park werden die jungen Leute zu mehr Bewegung motiviert. Die Freude bei den jungen Erwachsenen auf das neue Gebäude sei groß, bestätigt Moschitz: „Sie finden das cool und fragen, wann es soweit ist.“

Das JUFZ bietet den jungen Leuten Raum sich zu treffen, gemeinsam zu Kochen, Musik zu hören oder an veranstalteten Turnieren und Workshops teilzunehmen. In den nächsten Jahren erwartet die Leiterin einen Zuwachs an Teenagern in den Stadtteilen Eggenberg und Lend durch den Bau der Smart-City. „Allein in der Siedlung hinter uns wohnen um die 400 Kinder. In vier Jahren sind das dann Jugendliche.“ Man müsse schauen, ob der zur Verfügung stehende Platz im Jugendzentrum dann noch genügend Raum für alle bieten könne. Momentan verbringen um die 20 bis teils 50 Jugendliche ihre Freizeit im Eggenlend. Dabei muss das JUFZ jetzt noch mit der Übergangslösung auskommen, bis zur Fertigstellung des neuen Baus bleibt der Container für die Jugendlichen geöffnet.

 

Titelbild: Die Architektin Bettina Zepp mit ihrem Sieger-Plan für das Eggenlend – Foto: Sarah Trenker

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