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Der Volksgarten durch die Augen von Ishkhan

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Vor mehr als vier Jahren traf sich die Annenpost mit Magdalena Kaufitsch im Volksgarten. Sie klagte über den schlechten Ruf des Parks und musste später ihren Kiosk, das “Standl” in der Volksgartenstraße, verkaufen. Heute führt dort Ishkhan Manukyan seinen Imbiss – und es geht ihm gut, sagt er. Hatte er Glück? Hat sich der Park verändert?

Der Pavillon am Rande des Volksgartens blickt in Richtung Kinkgasse, der Park erstreckt sich ruhig an seiner Rückseite. Das auf der grün-weiß gestreiften Fassade der Imbissbude angebrachte Schild trägt die Aufschrift “Veggie+” – ein Hinweis auf das vegetarische und vegane Essen, das hier verkauft wird.
Ishkhan Manukyan sitzt neben seinem Imbiss im Schatten der Sonnenschirme.

Es scheint ruhig zu sein im Volksgarten – Foto: Katharina Lugger

Seit Juni 2015 führt Ishkhan nun den “Veggie+”-Imbissstand mit seiner Frau. Sie verkaufen hier vor allem Pizzen, Hotdogs und Salate, doch ihr Menü soll in Zukunft umgestellt werden. Wie uns Ishkhan verrät, wird es dann anstelle von Pizza vorwiegend Essen vom Grill geben, natürlich trotzdem weiterhin vegan und vegetarisch.
Auf die Frage, ob sich die Situation im Volksgarten seit dem Beginn seiner Arbeit hier verbessert hätte, antwortet er mit einem klaren “Ja”. “Früher war es extrem, aber heute ist es besser. Nur nachts gibt es manchmal noch Stress.”

Vor vier Jahren sei es immer laut gewesen, ganz egal ob bei Tag oder Nacht. Drogen wurden verkauft, der Park war verdreckt und es kam immer wieder zu Streitereien, erinnert er sich. Die Polizei sei zwar regelmäßig vorbeigekommen, doch auch das habe nichts geholfen. “Es hätte Sozialarbeiter gebraucht, Menschen, die mit den Jugendlichen im Park sprechen. Man hätte ihnen sagen müssen, welche Möglichkeiten es gibt”, meint der Imbissbesitzer.

Künftig wird es hier vor allem Essen vom Grill zu kaufen geben – Foto: Katharina Lugger

Vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge, seien es gewesen, die im Volksgarten für Unruhen gesorgt hätten. “Das sind gute Leute. Mensch ist Mensch, egal welcher Herkunft. Die Straße ist es, die sie verdirbt. Sie sind so jung, mit 16 oder 18 Jahren, so beeinflussbar.”

Seiner Meinung nach habe der Staat sich zu wenig um diese Jugendlichen gekümmert. Zu wenig geredet hätte man mit ihnen, ihnen ihre Optionen unzureichend aufgezeigt. Das wäre einer der Gründe gewesen, weshalb sie im Park landeten. “Wenn man jemanden in sein Land lässt, dann muss man ihn beschützen”, sagt Ishkhan.

Doch wie sieht es heute aus?

Schon seit einem Jahr, also bereits vor der Einführung der Schutzzonen, würde es kontinuierlich sehr viel besser werden. “Viele sind nun im Gefängnis. Das hat vieles besser gemacht. Es wurde aufgeräumt, auch von der Polizei”, erzählt Ishkhan. Die Schutzzonen brauche es trotzdem, meint er, denn sie würden den Park ruhiger machen.

Ishkhan Manukhan lächelt freundlich in die Kamera.
Ishkhan führt das „Veggie+“ im Pavillon seit 4 Jahre – Foto: Katharina Lugger

Zudem sei durch die Maßnahmen die Anzahl der Dealer zurückgegangen, glaubt der Besitzer des “Veggie+”-Pavillons. Nicht nur im Volksgarten, sondern generell. Einige von ihnen hätten wohl das Land verlassen, seien abgeschoben oder inhaftiert worden, so Ishkhan. Doch besonders viele würden nun arbeiten. “Ich kenne einige, die das hinter sich gelassen haben und nun einen Job haben.”

Der Volksgarten hat sich also zu einem ruhigen Park entwickelt, in den er mit ruhigem Gewissen seine drei Kinder schicken kann. Auf seinen Geschäft hätten sich die Schutzzonen aber nicht wirklich ausgewirkt –, wenn überhaupt sogar eher negativ. Die vielen jungen Leute aus dem Park hätten früher zu seinen Kunden gezählt, doch die sind nun weggefallen.

“Die Schutzzonen gibt es erst seit Kurzem. Mal schauen, was noch passiert,” blickt Ishkhan Manukyan gespannt in die Zukunft.

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