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Projekt Alltagsheld:innen: Die Superkraft in uns allen

in SOZIALES von

Nina ist alleinerziehende Mutter, Nik ist seit seinem Motorradunfall querschnittsgelähmt und Elif arbeitet als Sozialpädagogin gegen Gewalt an Migrantinnen. Eine Begegnung mit besonderen Menschen, von denen man viel lernen kann.

von Hanna-Sophie Wacik und Laura Kerschbaumer

„Meine Superkraft ist es, dass ich mit Herz und Blut bei der Arbeit bin und dadurch vielen Frauen aus der Gewalt helfen kann“, sagt Elif. Sie ist als diplomierte Sozial- und Berufspädagogin bei der Caritas tätig. 2011 hat sie das Projekt DIVAN mitbegründet, eine Frauenberatungsstelle, welche Migrantinnen betreut, die mit Gewalt und Zwangsheirat konfrontiert sind. Aufgrund ihrer türkischen Herkunft berät sie Frauen in ihrer Muttersprache.

Stress bestimmt einen Großteil ihres Alltags, da sie neben Beratungen auch mehrere Krisenfälle betreut, bei denen sie Frauen auf deren Weg aus akuten Gewaltsituationen begleitet. Ihre Arbeit setzt daher hohe Flexibilität voraus, aber auch Ruhe in solchen Situationen. „Ich bin froh, dass ich einen Beitrag dazu leisten darf, dass in dieser Welt, in diesem Moment, für diesen Menschen etwas Negatives zu einem positiven Wendepunkt kommt.“

Eine Frau mit einem Spruch über Gewalt
Im Büro von Elif hängen Bilder mit Sprüchen zum Thema Gewalt – Foto: Laura Kerschbaumer

 

Elif ist eine von vier Personen, die Studierende des Studiengangs „Soziale Arbeit” der FH Joanneum zu „Alltagsheld:innen” erklärt haben. Gemeinsam mit dem Verein „Inklusion durch Kreativität” wollen sie dadurch Bewusstsein für die verborgenen Fähigkeiten und Potenziale der unterschiedlichsten Menschen schaffen und mittels emotionaler Geschichten darauf aufmerksam machen, wie wir uns als Gesellschaft für diese Fähigkeiten noch ein bisschen besser öffnen können.

„In uns allen stecken Superheld:innen. Auch wenn wir von außen alle normal ausschauen, finde ich, dass jede:r eine besondere Kraft hat. Eine Kraft, die hilft, schwierige Herausforderungen zu meistern. Held:innen gibt es nicht nur im Film”, so Karen Meixner, Obfrau des Vereins „Inklusion durch Kreativität”, der das Projekt auch finanziert. Die Geschichten, die die Studierenden recherchieren, werden auf den sozialen Medien des Vereins und in einer Ausstellung Ende Februar im Auditorium des Joanneumsviertels präsentiert.

„Mit diesem Projekt bekommen wir nicht nur einen theoretischen Einblick in das Berufsfeld der Sozialarbeit, sondern vor allem einen praktischen.”, so Clara Ruch, eine der 6 Student:innen, die das Projekt organisieren.

Studierende als Helden auf buntem Hintergrund
Die Projektgruppe – Foto: Clara Ruch

Selbst ist die Frau

Auch Nina ist eine der Held:innen, die in dieser Ausstellung Einblicke in ihren Alltag gibt. „Meine Superkraft ist, dass ich aus dem Nichts ziemlich schnell etwas machen kann. Ich bin sehr lösungsorientiert”, erzählt sie. Die 39-Jährige arbeitet Vollzeit, was es ihr teilweise erschwert, genug Zeit für ihre beiden Kinder, den Haushalt und sich selbst zu finden. „Eine meiner Alltagshürden ist, dass ich mich nicht zerreißen kann”, so Nina. Außerdem stehe man als Alleinerzieherin häufiger vor finanziellen Problemen.

Trotz mancher Schwierigkeit hat sie eine Welt für sich geschaffen, in der sie sich nicht von ihrem Umfeld ausgegrenzt fühlt, sondern inkludiert ist. Dafür ist ein soziales Netzwerk sehr wichtig. Trotzdem stellt sie fest, dass es Menschen gibt, die Hilfe von Organisationen wie dem Verein „Inklusion durch Kreativität” angewiesen sind. Sie will anderen Müttern den Tipp mitgeben, sich trotz all dem Stress immer wieder Zeit für sich selbst zu nehmen.

Nik on Wings

„Meine Superkraft ist es, aus etwas Negativem immer etwas Positives zu machen“, sagt schließlich Nik, der seit seinem Motorradunfall querschnittsgelähmt ist. Für den gebürtigen Grazer war es immer wichtig, dass man das macht, woran man glaubt und worauf man Lust hat. Deshalb lautet seine Devise: „Nie verzagen und immer positiv bleiben.” Hürden seien nur im Kopf, die es zu durchbrechen gilt. Der 52-Jährige hat vor einigen Jahren das Singen für sich entdeckt. Er teilt dies auch auf Facebook unter dem Künstlernamen „Nik on Wings”, wo er inzwischen 12.000 Follower begeistert. Musik hat ihm schon seit seiner Kindheit immer Kraft gegeben. Nik kann aufgrund seiner Invaliditätspension seine Tage so gestalten, wie er möchte.

„Inklusion geschieht bereits auf vielen Ebenen, doch noch nicht überall ist es ganz angekommen. Im Baugesetz ist es zwar verankert, dass Diskriminierung nicht mehr passieren darf, aber nur selten wird überprüft, ob bei einem Bau eines neuen Geschäfts wirklich eine Rampe eingebaut wird oder nicht.”

Ziel des Projekts

Mit dem Projekt solle eine Bewusstseinskampagne geschaffen werden, bei der diese Held:innen zelebriert werden, so Meixner. Die Geschichten dieser Menschen werden auf den sozialen Medien des Vereins „Inklusion durch Kreativität”, wie Instagram und Facebook, präsentiert. Die Vernissage am 20. Februar 2023 im Auditorium des Joanneumsviertels verkörpert den Abschluss des Projekts, bei dem die Alltagsheld:innen mit Porträts und selbstgemachten Fotos aus ihrem Alltag nochmals vorgestellt werden.

 

Titelbild: Nik beim Fotoshooting – Foto: Laura Kerschbaumer

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