Ein Mädchen sitzt an einem Arbeitsauftrag neben ihrem Laptop.
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Matura 2021: Die große Unsicherheit

in SOZIALES von

Die Corona-Pandemie hat den Schulalltag von Oberstufenschüler*innen komplett durcheinandergebracht. Zwei angehende Maturant*innen aus dem Annenviertel berichten.

7.30 Uhr aufstehen, anziehen, Zähne putzen und um 8.00 beginnt der Online-Unterricht. So schaut ein Morgen bei Viktoria Schriebl, eine der Klassensprecher*innen einer Maturaklasse der HLW Schrödinger, aus. „Es ist ein Auf und Ab. In manchen Wochen läuft alles wie am Schnürchen und in anderen Wochen ist es einfach pure Überforderung“, erzählt Schriebl. In den letzten Monaten habe sich viel in den Schulen und deren Umgang mit der Coronapandemie getan. Schriebl vermerkt positiv, dass das Arbeitspensum, das im Frühjahr von vielen Lehrer*innen falsch eingeschätzt wurde, jetzt angenehmer sei.

Auch der Grazer Moritz Lotschak, Maturant und Schulsprecher des ORG der Grazer Schulschwestern, erzählt von den vielen Arbeiten, die im Zuge des Distance-Learnings von den Maturant*innen verlangt werden: „Wir haben unseren Online-Unterricht und zusätzlich bekommen wir einen Arbeitsauftrag. Das ist in manchen Fächern wirklich übertrieben. Der Arbeitsaufwand ist während der Distance-Learning-Phase auf jeden Fall größer als zur normalen Schulzeit.“

Lotschak und Schriebl sagen allerdings, dass die Lehrpersonen beider Schulen sehr um den Austausch mit den Maturant*innen bemüht seien. Man merke, laut Schriebl, dass das Wohl der Schüler*innen für viele Lehrer*innen Priorität habe. Denn auch für die Lehrenden ist das Distance-Learning nicht leicht. Es fordert einige Adaptionen. Herbert Peklar, Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politische Bildung bei den Schulschwestern, erzählt, dass für ihn die größte Herausforderung darin bestehe, nicht in direkter Interaktion mit seinen Schüler*innen sein zu können.

Das Problem mit der Technik

Doch nicht nur der Online-Unterricht und der fehlende persönliche Kontakt stellen Probleme dar. Auch die unzureichende technische Ausstattung und schlechte Internetanbindung mancher Maturant*innen erschwere das Distance-Learning. „Manche kämpfen mit einer schlechten Internetverbindung, andere haben ältere Computer, die zum Beispiel bei komplizierten Rechenvorgängen in Mathematik sehr langsam sind oder diese gar nicht durchführen können“, meint Lotschak. 

Auch in der HLW Schrödinger kommt es manchmal zu technikbedingten Schwierigkeiten, zum Beispiel wenn sich der Bildschirm nicht teilen lässt oder sich die Software „aufhängt”. Das sei natürlich ein Problem, das von der Schule unabhängig ist, dennoch verschwende es wertvolle Minuten im Unterricht, meint Schriebl. Größtenteils kennen sich die Lehrpersonen nach den vielen Monaten Distance-Learning schon gut mit der Technik aus. Auch Peklar erzählt davon, dass sich sein technisches Know-How massiv verbessert habe.

Arbeitsaufträge stapeln sich neben einem Mathematik-Programm am Tablet.
Das Problemfach Mathematik stellt für viele Maturant*innen heuer ein noch größeres Problem dar; viele haben nicht das technische Equipment um komplizierte Rechnungen durchführen zu können – Foto: Marie Essert

Die geschenkte Matura und die unsichere Zukunft

Trotz der großen Herausforderungen, mit denen die Maturant*innen konfrontiert sind, gibt es einige Personen, die der Meinung sind, dass die Matura durch die Corona-Umstände leichter wäre und sie dadurch entwertet werden würde. Das Ausfallen der ansonsten verpflichtenden Präsentation der Vorwissenschaftlichen Arbeit und Diplomarbeit und das Miteinbeziehen der Zeugnisnoten in das (Berufs-)Reifeprüfungszeugnis sind nur zwei der Erleichterungen. Auch Peklar ist der Meinung, dass gewisse Maturant*innen durch die neuen Verordnungen „leichter zur Matura gekommen sind und kommen werden, als dies zuvor der Fall war”. Von einer Entwertung der (Berufs-)Reifeprüfung spricht der langjährige Lehrer nicht. 

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sagt zur Matura in einem Interview mit der Kronen Zeitung (29.12.2020): „Die meisten Maturanten werden, so wie diejenigen in den Jahren davor, eine Hochschule besuchen. Ich bin ein wirklicher Gegner davon, zu sagen, das ist alles verloren und bringt eine Stigmatisierung fürs ganze Leben.“ Auch die von der Annenpost befragten Maturant*innen sind nicht der Meinung, dass ihre oder die abgelegte (Berufs-)Reifeprüfung ihrer Vorgänger*innen 2020 weniger wert sei. „Die Behauptung, dass es die Klassen 2020 und 2021 viel einfacher haben, stimmt einfach nicht. Wir haben fast ein Jahr mit Distance-Learning, Corona-Maßnahmen und konstanter Unsicherheit zu kämpfen gehabt. Das nagt an den Nerven“, sagt Lotschak.

Die Unsicherheit spiegelt sich auch in den Wünschen der Maturant*innen wider: Denn was sich Schriebl und Lotschak von der Regierung erhoffen, ist eine eindeutigere Kommunikation. „Ich weiß zwar, dass in Zeiten wie diesen nichts sicher ist, aber es würde viel Unsicherheit nehmen, wenn klarer kommuniziert werden würde, was geplant ist und welche Möglichkeiten die Zukunft bringen könnte“, sagt Schriebl.

Trotz der prekären Umstände, werden alle Befragten etwas Positives aus dieser schwierigen Zeit mitnehmen können. Die Maturant*innen schätzen Schule und Präsenzunterricht nun mehr. Dazu sagt Schriebl: „Jeder Tag, an dem ich mit meinen Klassenkollegen und -kolleginnen in der Schule sitzen darf, ist etwas Besonderes.“ 

 

Titelbild: Die Maturant*innen müssen derzeit unzählige Aufgaben an ihrem Computer bearbeiten – Foto: Viktoria Schriebl

Sarkastische Grazer Studentin mit Interesse an (fast) allem. Reagiert allergisch auf Ignoranz. Kann gut Zeitpläne erstellen, exzessiv Kaffee trinken und Sätze tausend mal umschreiben.

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