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„Tauschrausch“ statt Shopping-Wahnsinn

Derzeit boomt Second-Hand wieder – da kam der Nachtflohmarkt von Julia Kathriner und Antoinette Liebe im Spektral gerade recht. Ein Nachtflohmarkt? Ja, aber kein Flohmarkt im herkömmlichen Sinn, denn Geld war nicht erwünscht. Austausch war das Motto!

Ein Schwall kalter Luft zieht herein, als die Türe aufgeht und wieder zwei neue Gäste das Spektral, das am Lendkai gelegene Projekt-Zentrum, betreten. Sie werden begrüßt von den Klängen eines Didgeridoos und einer Gitarre, begleitet von Gesang. Teelichter, gedimmtes Licht und ein Ofen schaffen ein behagliches Ambiente, das dazu einlädt auf dem zentralen Tisch zu stöbern. Dort legt jeder Besucher Kleidung, Schuhe, Bücher, CDs oder auch Pokémon-Sammelkarten ab. Im Gegenzug für seinen Beitrag kann er sich etwas anderes aussuchen.

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Auch diese Schuhe warteten beim Nachtflohmarkt auf einen neuen Besitzer…

Der „Nachtflohmarkt“, der anders als ein herkömmlicher Flohmarkt am Abend beginnt und bis in die Nacht andauert, ist das No-Budget-Projekt der Studentinnen Julia Kathriner und Antoinette Liebe. Kathriner erklärt, wie es zur Idee kam: „Wir haben uns gedacht, dass es schade ist, immer wieder Neues zu kaufen, während man die Hälfte von dem, was man im Kleiderschrank hat, gar nicht mehr anzieht.“ Da ihnen ein privater Rahmen für den Tauschabend zu klein erschien, wandten sie sich an das Spektral, das die Räumlichkeiten am 13. Oktober zur Verfügung stellte.

Anders als bei „Kleiderkreisel“ oder einem „Thriftshop“ hat Geld beim Nachtflohmarkt übrigens nichts verloren. Der Besucher entscheidet selbst, was er bereit ist, auf den Tisch zu geben und welches T-Shirt oder Buch er sich dafür im Gegenzug aussucht. Nur bei der exotischen Suppe und den dreieckigen „Booten“, speziellen dreieckigen Häppchen, die die „Mädels von IM-NU OG“ zubereitet haben, war eine freiwillige Spende gerne gesehen – schließlich wurden die Zutaten aus eigener Tasche bezahlt.

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Die Veranstalterinnen Antoinette Liebe und Julia Kathriner

Auch für Kunst wird an diesem Abend nicht mit Geld gezahlt. Kunstvolle Einzelstücke warten auf einem weiteren Tisch am Rand des Raumes auf neue Besitzer. Ein Mädchen, das dort einen „Gute-Laune-Beutel“ entdeckt hat, kann es gar nicht fassen, dass sie ihn einfach so behalten kann und bedankt sich überschwänglich bei der Dame, die die Tasche genäht hat – die freut sich, dass ihre Arbeit geschätzt wird.

Für die Veranstalterinnen ist es aber wichtig, im Rahmen der Veranstaltung nicht nur eine Gelegenheit zum Austausch von Gegenständen und Kunst zu bieten: „Die Veranstaltung soll auch eine Möglichkeit zum Netzwerken sein und einladen, miteinander zu reden“, so Kathriner.

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(Foto: Julia Kathriner)

Obwohl es schwer fällt, bei dem gedimmten Licht Farben zu definieren, schafft es eine gute Atmosphäre. Auch dass es zu wenige Sitzplätze zum Verweilen gab, störte nicht – mit so vielen Besuchern hatten die Veranstalterinnen gar nicht gerechnet. Alles in allem ein gelungener Abend mit Potenzial: Wiederholungsbedarf!

Über den Autor

Elisabeth Pranter
Schreibt, liest, bäckt, reist. Mag Fremdsprachen, alternative rock, Festivals und Krokodile.
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5 Kommentare zu "„Tauschrausch“ statt Shopping-Wahnsinn"

  1. Mich würde interessieren, wie viele Dinge am Ende übrig geblieben sind und wie damit verfahren wurde…

  2. Haben die zwei vor, so etwas zu wiederholen. Und wenn ja: Wann?

  3. Sehr gelungener Artikel! Und natürliche tolle Veranstaltung!

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