„Ein normales Leben möchte ich nicht leben“

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Sam Askari ist leidenschaftlicher Rapper. Unter dem Pseudonym Samiko verfolgt der 17-Jährige den Traum, mit seiner Musik berühmt zu werden. Durch eine Förderung von proAct erhofft er sich, seinem Ziel näher zu kommen.

Autorinnen: Julia Glajncer und Maya Fandl

Aufgeregtes Stimmengewirr. Die Letzten schreiten zur Wahlkabine. Gespannt warten die Jugendlichen auf das Ergebnis: ProAct 2026 neigt sich seinem Höhepunkt zu. 21 Projekte, die von Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren ins Leben gerufen wurden, werden an diesem Tag erstmals im Orpheum der Öffentlichkeit präsentiert. Das Ziel: eine Förderung von 5.000€ aus dem Grazer Jugendbudget. Zum 15-jährigen Jubiläum der Veranstaltung standen in diesem Jahr ganze 45.000€ für die Umsetzung der Projekte zur Verfügung. Ganz nach dem Motto „von Jugendlichen für Jugendliche sind an diesem Tag nur junge Menschen bis 21 berechtigt, für ihre beiden Lieblingsprojekte eine Stimme abzugeben.

Drei Minuten Anspannung

Fünf Tage in der Natur ausgesetzt, Getränke auf Rädern oder doch lieber ein Kultururlaub in Antalya? Vom Sozialexperiment bis hin zu Musikalben waren an diesem Nachmittag die verschiedensten Projekte vertreten. Innerhalb von drei Minuten sollten die Jugendlichen ihre Ideen dem Publikum vorstellen und das im Rampenlicht auf der Bühne im Orpheum – begleitet von tosendem Applaus und Jubelschreien ihrer Freund:innen. Für die Jugendstadträtin Claudia Unger ist proAct von großer Bedeutung: „Dass junge Menschen in Graz gehört werden, ist ganz wichtig!

Eine Gruppe Jugendlicher steht auf einer Bühne, im Hintergrund und auf den Seiten sind Poster mit dem Schriftzug „proAct" zu sehen.
Die stolzen Gewinner von proAct 2026 auf der Bühne des Orpheums. – Foto: Julia Glajncer

Persischer Eminem

Einer der stolzen Gewinner:innen des Tages ist Sam Askari aka Samiko. Für den Annenviertler Rapper war die Teilnahme an proAct 2026 von großer Bedeutung. Mit der Förderung erhofft er sich, sein nächstes Rap-Album zu finanzieren. Dafür hat er es sich zum Ziel gesetzt, monatlich ein Musikvideo zu veröffentlichen. Der persische Eminem, wie er sich selbst nennt, hat schon früh sein Talent erkannt. „Mit zwölf Jahren habe ich einen Song auf Persisch geschrieben und meinem Vater vorgerappt. Er dachte, er sei von einem bekannten Rapper, erzählt der 17-Jährige stolz. Heute rappt Samiko auf 3 Sprachen: Persisch, Deutsch und Englisch. Eines ist für ihn klar: Ein normales Leben möchte er nicht leben. Samiko wird einmal ein bekannter Rapper.

Im Sommer 2023 kam Sam mit seiner Familie vom Iran nach Österreich. Der Ortswechsel hielt ihn nicht davon ab, seine Musikkarriere zu verfolgen. Selbst ein Schicksalsschlag – Sam ist eines der Opfer des Amoklaufs am BORG Dreierschützengasse – hält ihn nicht auf, weiter seiner Leidenschaft nachzugehen. Über den 10. Juni möchte er an diesem Tag aus persönlichen Gründen nicht reden. 

Samiko sitzt neben einem Fenster, der Blick gesenkt. Ihm gegenüber sieht man die Interviewerin der Annenpost von hinten mit einem Laptop am Schoß.
Wir treffen Samiko in einem Café zum Gespräch. – Foto: Julia Glajncer

Sam oder doch Samiko

Was haben ein fiktiver Fußballklub und sein Künstlername gemeinsam? Das erzählt uns Samiko im Gespräch. Im Alter von 8 Jahren stand er vor der Herausforderung, online in einer Fußball-App einen Team-Namen auszuwählen. Ganz intuitiv hing er kurzerhand die Buchstaben „iko an „Sam“ an und schon war Samiko geboren. Samiko ist mehr als nur ein Pseudonym, es ist eine seiner zwei Persönlichkeiten. Der Rapper erzählt: „Sam bin ich, wenn ich alleine oder mit guten Freunden bin. Doch zumeist lebt er als Samiko – mutig und selbstsicher. Der 17-Jährige hat nie darüber nachgedacht, wie andere über ihn denken. Wenn ich anfange zu rappen, ist mir egal, wie viele Leute vor mir stehen, schildert Samiko. 

Der junge Rapper beschreibt seinen größten Traum mit einer Szene aus dem Film Bohemian Rhapsody. Ein ausverkauftes Stadion, Leute, bewegt von seiner Musik, und ein Publikum, das seine Lieder auswendig kann. Dass nie jede:r zu seinen Liedern mitsingen kann, ist ihm bewusst, aber der persische Rap zeichnet ihn aus. Seine Begabung liegt nicht nur im Rappen, sondern auch im Texten seiner Lieder. Samiko schreibt nicht auf Krampf, die Worte kommen von ganz allein. Wenn ihn der Flow packt, wird ein Song innerhalb von 30 Minuten geschrieben. Meistens passiert das spätabends – er kommt nach Hause und die Worte sind einfach da. 



Titelbild: Samiko auf der Bühne bei einem Auftritt in Graz. – @andrei.frame auf Instagram

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