Es ist der Künstler Monsieur Schabernack mit einigen seiner Werke im Hintergrund zu sehen. Er trägt eine schwarze Kappe und schaut nach rechts.

Monsieur Schabernack: Von Plastikhandschuhen, Goofy und KI

Lesezeit: 2 Minuten

Der Künstler Monsieur Schabernack hat sein Atelier gleich beim Lendplatz. Seine Gemälde sehen aus wie Fotos oder gar, als hätte sie eine Künstliche Intelligenz erdacht. Doch der gebürtige Wiener setzt auf Handarbeit.

In einem kleinen Atelier in der Mariahilferstraße 32 (hinter der Mützenmafia) wird Schabernack getrieben – hier malt Künstler Christoph Zeugswetter alias Monsieur Schabernack. An den Wänden hängen einige seiner Bilder, auf einem ist die Comic-Figur Betty Boop mit Haarföhn zu sehen, über ihrem Kopf schwebt ein pastellrosa Heiligenschein. Auf einem anderen Bild prangt ein rosaroter Plastikhandschuh, der einen Telefonhörer hält. Auch Quietschenten, Zündhölzer und Goofy finden sich in seinen Werken. Seinen Stil beschreibt Zeugswetter selbst als Poprealismus. Er kombiniert mit Feingefühl gemalte Ölbilder mit Graffiti-ähnlichen Elementen, so will er „dem Unsinn Raum geben“, wie er sagt. Seine Bilder werden unter anderem in der Bakerhouse Gallery Graz in der Herrgottwiesgasse ausgestellt, die sich auf urbane Kunstformen spezialisiert hat.

Von Wien bis nach Graz

Schon als Kind entdeckte Christoph Zeugswetter seine Faszination für Graffiti, erzählt er in seinem Atelier. Heute noch lässt er sich von Streetart inspirieren, außergewöhnliche Farbkombinationen sind oft Impuls für ein neues Bild. Bevor er zu Monsieur Schabernack wurde, machte Christoph Zeugswetter eine Ausbildung zum Grafikdesigner in Linz und lebte zeitweise in Salzburg und Graz. Graz sei eher eine Liebe auf den zweiten Blick gewesen, erzählt er. Ihm fiel es schwer, Anschluss zu finden, daher zog es ihn zurück nach Wien. Vor etwa einem Jahr entdeckte er dann eine Anzeige für sein heutiges Atelier, im Annenviertel fühle er sich jetzt wohl. Demnächst bezieht er mit der Illustratorin Anja Grohmann ein neues Atelier in der ehemaligen Stoffwerkstatt in der Feuerbachgasse und bleibt somit dem Viertel treu.

Künstlerisches Community-Building

Vom Grafikdesign habe er so nach und nach in die Kunst gefunden, wie er sagt: „Dadurch, dass es so step by step passiert ist, war es kein richtiger Sprung ins kalte Wasser.” Passiert sei diese Wandlung in Corona-Zeiten, da habe er mehr Zeit gehabt, sich künstlerisch zu verwirklichen. „Ich hatte ja eh nix zu tun, da hat sich das ganz gut angeboten.”

Etwas beängstigend sei der Gedanke, das ganze Einkommen über die Kunst zu erwirtschaften, aber doch. Die Abhängigkeit von Aufträgen kann einem schnell den Spaß an der ganzen Sache nehmen – doch nicht Monsieur Schabernack. Er veranstaltet wöchentlich einen Mal- und Zeichenworkshop – dieser ist offen für alle, für Einsteiger:innen wie für Fortgeschrittene. Für den Monsieur nicht nur ein kleines Zusatzeinkommen, sondern auch ein Raum fürs „community building”, wo man kreativ sein, entspannen und sich austauschen könne.

Auf dem Bild ist ein Tisch zu sehen an dem sechs Personen sitzen die Bilder malen.
Beim offenen Mal- und Zeichenworkshop ist jede:r willkommen. – Foto: Christoph Zeugswetter

Was Künstliche Intelligenz nicht ersetzen kann

Ein künstlerisches Zusammenkommen wie bei dem von Monsieur Schabernack angebotenen Workshop wird in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz immer wertvoller. Kreative Branchen wie Grafikdesign oder Songwriting geraten zunehmend unter Druck – KI macht auch vor der Kunst nicht halt. Natürlich beeinflusse Künstliche Intelligenz die Kunst, aber der Wahl-Grazer ist der Meinung, dass man mit traditioneller Handarbeit immer noch ein Alleinstellungsmerkmal aufweist. Trotzdem sieht er in KI eine gewisse Konkurrenz.

„Das Pendel schwingt immer in zwei Richtungen.”

Monsieur Schabernack vermutet, dass die Menschheit von der KI-Ästhetik irgendwann gesättigt sein wird und sich der Trend wieder in die Gegenrichtung zu menschlicher Kunst entwickeln wird. Denn als Künstler muss man auch sein Handwerk beherrschen und das ließe sich nicht von heute auf morgen aneignen. Die Versuchung, auf KI zurückzugreifen, sei besonders beim Erstellen von Vorlagen groß – es könne ja auch niemand nachvollziehen – doch Monsieur Schabernack lässt sich lieber von seinem Alltag inspirieren.

Sein Rat an angehende Künstler:innen: „Lernt trotzdem einen Job, bei dem man Geld verdienen kann. Vor drei Jahren hätte ich wahrscheinlich etwas anderes gesagt, aber eine gewisse Sicherheit ist wichtig.”

 

Titelbild: Monsieur Schabernack in seinem Atelier. – Foto: Klara Steinböck

Infobox:

Atelier Monsieur Schabernack:

Mariahilferstraße 32, 8020 Graz

Offener Mal- und Zeichenworkshop:

jeden Donnerstag von 17-20 Uhr

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