Ein älterer Mann und eine junge Frau sitzen in einem farbenfrohen Raum vor einem buddhistischen Altar.

Spirituelle Spurensuche: Buddhismus im Viertel

Lesezeit: 2 Minuten

Am 30. Mai wird im Volksgarten Vesakh gefeiert – der höchste Feiertag im Buddhismus. Eine spirituelle Spurensuche durch das Annenviertel zeigt, wie der Glaube in Graz gelebt wird.

Autorinnen: Julia Klösch, Marie Jost

Die große Holztür in der Griesgasse wirkt unscheinbar, doch dahinter öffnet sich das Tor zur buddhistischen Welt. Gedämpftes Licht fällt in den Raum, der Geruch von Räucherstäbchen liegt in der Luft, bronzene Figuren und farbige Stoffe setzen warme Akzente.

Zwischen Meditationskissen und bunten buddhistischen Symbolen treffen wir Stella Klell. Die 28-Jährige ist mit dem Buddhismus aufgewachsen und mittlerweile selbst im Vorstand der Gemeinschaft. Ihre Eltern gründeten das buddhistische Zentrum „She Drup Ling” bereits im Jahr 1995. Es ist ein Ort für Gebete, Gespräche und Meditation. She Drup Ling orientiere sich an den Lehren des tibetischen Buddhismus, sei aber offen für verschiedene Traditionen. Es kommen viele ins Zentrum, die sich nicht ausdrücklich als Buddhist:innen verstehen. „Ihnen helfen einfach die Methoden“, so Klell.

Im Gegensatz zu anderen Weltreligionen gibt es im Buddhismus keinen zentralen Schöpfergott. Der aus dem asiatischen Raum stammende Glaube ist demnach nicht theistisch geprägt. Man nutzt die Lehren des Buddhas als Mittel, um an sich selbst zu arbeiten, nicht aus bloßem Glauben. Im Mittelpunkt steht dabei der Umgang mit dem Leiden. Der Buddhismus, erklärt Stella, sei ein Weg, den Geist zu schulen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Der Leitsatz lautet: „Tue Heilsames, meide Unheilsames, zähme deinen Geist.“

Buddhistische Community in Graz

Was im Meditationsraum in der Griesgasse klein und persönlich wirkt, ist Teil einer größeren Gemeinschaft. Laut Michael Aldrian, buddhistischer Religionslehrer und Repräsentant der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft, sind in der Steiermark rund 500 Buddhist:innen registriert. Die Zahl der Praktizierenden ist allerdings ungefähr zehnmal so hoch. „Vereinsmitglied oder gar ÖBR-Mitglied zu werden, ist für viele eine hohe Schwelle“, erklärt er. Das Interesse an der buddhistischen Lehre sei aber über die Jahre hinweg ziemlich konstant. Klell beobachtet, dass besonders jüngere Menschen ins Zentrum kommen, auf der Suche nach Orientierung oder einem Gegenpol zu einem leistungsorientierten Alltag.

Foto eines Raumes, bunte Bücher gestapelt in einem Regal, ein Tisch mit vier Sesseln
Bibliothek für buddhistische Literatur im She Drup Ling-Zentrum. ‒ Foto: Julia Klösch

Mehr als ein Wellnessprogramm

Ganz losgelöst von aktuellen Entwicklungen ist das nicht. Meditation, Achtsamkeit und Spiritualität erlebten über die letzten Jahre in den sozialen Medien einen Boom. Im Zentrum beobachtet man, dass dadurch mehr Menschen erste Berührungspunkte mit buddhistischen Praktiken finden. „Die haben allerdings meist sehr oberflächliche Eindrücke ohne Tiefgang“, meint Stella. Meditation beispielsweise werde häufig als schnelle Entspannung verstanden, in der buddhistischen Praxis sei es jedoch langfristige und anstrengende Arbeit. „Es geht um die Schulung des Geistes, nicht bloß um ein Wellnessprogramm“, ergänzt Aldrian zustimmend.

Weihnachten, Ostern und Pfingsten zugleich

Die buddhistische Praxis in Graz lebt vor allem von Begegnung und gemeinsamer Tradition. Einmal im Jahr wird dies, rund um den Friedensstupa im Volksgarten, besonders deutlich. Dort wird Vesakh zelebriert, der wichtigste Feiertag im Buddhismus. „Wir feiern quasi Weihnachten, Ostern und Pfingsten gleichzeitig: die Geburt, das Erwachen und das Verlöschen des historischen Buddha“, erklärt Stella Klell. 

Am Stupa kommen Menschen unterschiedlicher buddhistischer Strömungen zusammen. Tibetische Gruppen feiern mit Ritualen und Opfergaben, Zen-Buddhist:innen eher reduziert, thailändische Gemeinden farbenfroh mit Gesang und Prozessionen. Zwischen Gebeten, Gesprächen und gemeinsamem Essen steht vor allem eines im Mittelpunkt: das Miteinander. Willkommen sind im Volksgarten am Samstag, dem 30. Mai auch Menschen ohne religiösen Bezug.

Blick in die Zukunft

Für die Zukunft wünscht sich die Gemeinschaft mehr Sichtbarkeit und Offenheit für buddhistische Werte, jenseits schneller Trends und oberflächlicher Spiritualität. „Unsere westliche Kultur ist oft zu materialistisch, man sucht das Glück an den falschen Stellen“, sagt Klell. Im Zentrum in der Griesgasse setzt man deshalb weiterhin auf etwas, das kaum trendig wirkt: Geduld und analoges Meditieren.

 

Titelbild: Stella Klell und Michael Aldrian vor einem buddhistischen Gebetsaltar. ‒ Foto: Julia Klösch

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