Maria und Roman Baranyai stehen vor dem Dart-Automaten im Cafe M&R

Darts im Aufwind: mehr Spieler, große Hürden

Lesezeit: 3 Minuten

Am Wochenende steigen in Graz die Austrian Darts Open – das größte Darts-Event Österreichs. Seit Jahren gewinnt der Sport an Beliebtheit; gerade der Amateurbereich verzeichnet ein Rekordhoch an Spieler:innen. Dennoch gibt es strukturelle Hindernisse, die den Einstieg in den Profibereich erschweren.

Autoren: Klemens Bernhardt, Bernhard Mayer

Ausgelassene Stimmung, bunte Kostüme und lautstarke Fangesänge: Dafür ist Darts bekannt. Events der Professional Darts Corporation (PDC) ziehen jedes Jahr zahlreiche Darts-Begeisterte in die Hallen. Teil des Kalenders sind bereits zum zwölften Mal die Austrian Darts Open. In den letzten Jahren fand das Turnier unter anderem in Wiener Neustadt, Salzburg und Premstätten statt. Heuer dient erstmals die Grazer Stadthalle als Bühne für die Weltelite des Sports. Doch auch abseits des Rampenlichts ist die Begeisterung spürbar. Gerade im Hobbybereich wird deutlich, was Darts als Gemeinschaftssport ausmacht.

Lokale als Treffpunkt für Darts-Begeisterte

Seit zwei Jahren betreiben Maria und Roman Baranyai das Cafe M&R in der Augasse im Bezirk Lend. Wer das Lokal betritt, spürt sofort die Faszination für den Sport. Der Automat ist prominent neben dem Eingang platziert, Pokale und Fanartikel schmücken die Räumlichkeiten. Maria Baranyai selbst ist bereits mitten im Spiel, ihr Ehemann Roman schaut von der Theke aus interessiert zu.

Vor dem Café bewirtschafteten die beiden bereits andere Lokale, zum Beispiel in der Steyrergasse. Eines hatte für sie immer oberste Priorität: der Dartsport. Maria Baranyai spielt selbst seit ihrem 25. Lebensjahr in diversen heimischen Ligen, war sechs Jahre lang Bundesliga-Spielerin und darf sich zudem Landesmeisterin nennen. „Auf Darts bin ich durch Arbeitskollegen gekommen. Zunächst haben wir uns im Gasthaus getroffen. Dann wurde ich gefragt, ob ich in der Liga mitspielen möchte“, beschreibt sie ihren Werdegang.

Regelmäßig treffen sich im Café M&R Hobby- und Amateurspieler zum Training. Einer von ihnen ist Hansjörg Meixner, der bereits seit vielen Jahren Stammgast bei Familie Baranyai ist. Über den Sport sagt er: „Wenn man einmal Darts spielt, kann man sich das nicht mehr wegdenken.“ Oft spielt er gemeinsam mit seinem Freund Christian Schröfl, den er bereits seit der Schulzeit kennt. „Ich wohne zwar in Gleisdorf, aber wenn ich nach der Arbeit Zeit habe, komme ich gerne auf eine Partie vorbei“, meint Schröfl.

Ein Hobbyspieler spielt im Cafe M&R Darts
Hobby- und Amateurspieler:innen wie Christian Schröfl treffen sich regelmäßig, um gemeinsam Darts zu spielen. – Foto: Klemens Bernhardt

Vom Nischen- zum Trendsport

Seit mehreren Jahren gewinnt der Sport spürbar an Beliebtheit. Laut Informationen des Österreichischen Darts Verbands (ÖDV) haben sich sowohl die Anzahl der Spieler:innen als auch jene der Vereine seit der Corona-Pandemie mehr als verdoppelt. Auch bei den unter 18-Jährigen wächst das Interesse an Darts. „In den letzten Jahren ist eine stetige Verjüngung des Dartsports in Österreich zu sehen“, beschreibt Raphael Rokus, Generalsekretär des ÖDV, die Situation. Er begründet diese Entwicklung mit der steigenden Medienpräsenz sowie den niedrigen Einstiegshürden des Sports.

Mehr als nur ein Kneipensport

Darts ist als Gemeinschafts- und Kneipensport bekannt und wird oft mit Alkohol in Verbindung gebracht. In den letzten Jahren ist jedoch zu beobachten, dass eine zunehmende Professionalisierung angestrebt wird. Diese Entwicklung hängt auch damit zusammen, dass Darts in Österreich seit 2020 offiziell als Sportart anerkannt ist. „Viele glauben, man steht nur auf der Linie und wirft seine Pfeile. Das stimmt nicht. Darts ist Kopfsache, man braucht sehr viel Übung und legt im Laufe eines Turniertages auch weite Strecken zurück“, erklärt Maria Baranyai. Gerade mit mentalen Belastungen haben viele Spieler:innen im Laufe ihrer Karriere zu kämpfen. Baranyais Tochter beispielsweise litt an Dartitis. Dabei handelt es sich um eine mentale Blockade, bei der Spieler:innen den Pfeil nicht mehr zum richtigen Zeitpunkt abwerfen können.

Die zunehmende Professionalisierung zeigt sich auch durch ein Rauchverbot, das es bereits seit einigen Jahren gibt. Ein Alkoholverbot wird zurzeit stark diskutiert. „Ich bin grundsätzlich für ein solches Verbot, jedoch finanziert sich der Amateurbereich durch Veranstaltungen“, meint Mario Dockl, Präsident der Steirischen Dartsport Organisation. Bei starken Einschränkungen bezüglich Alkohol gäbe es laut ihm bei solchen Events deutlich weniger Teilnehmer:innen. Außerdem gibt es Bemühungen, Kleidervorschriften wie lange Hosen oder ein Verbot von Kopfbedeckungen durchzusetzen.

Hürden auf dem Weg nach oben

Eine große Herausforderung ist laut Dockl die Finanzierung des Dartsports. Sponsoren gibt es kaum – weder für Turniere noch für Spieler:innen. Zudem gibt es auch interne Probleme. Sowohl auf Landesebene als auch österreichweit existieren mehrere Darts-Verbände parallel, in der Steiermark beispielsweise der Steirische Dartsportverband (STDSV) und die Steirische Dartsport Organisation (STDSO). Während der STDSV auf staatliche Förderungen zurückgreifen kann, finanziert sich die STDSO selbst. „Bemühungen, die beiden Verbände zusammenzuführen, gab es immer“, meint Dockl. Aufgrund schwieriger Beziehungen stehe eine zeitnahe Einigung jedoch nicht in Aussicht.

Das größte Hindernis auf dem Weg in den Profibereich ist für Spieler:innen das Fehlen von Sponsoren. Dadurch ist man auf Preisgelder angewiesen. Die Teilnahme an Turnieren erfordert zusätzlich viel Zeit. „Wenn du Profi werden willst, musst du aufhören zu arbeiten und mehrere Stunden pro Tag trainieren“, argumentiert Dockl.

Allgemein ist die österreichische Darts-Szene international vergleichsweise schwach vertreten. Bei den Austrian Darts Open stehen Österreich insgesamt vier Startplätze zur Verfügung. Diese werden jedoch von der PDC automatisch an das Gastgeberland vergeben – vier heimische Teilnehmer stellen somit lediglich das Mindestkontingent dar. Zum Vergleich: Beim Äquivalent-Turnier in den Niederlanden letztes Jahr standen insgesamt 13 Niederländer auf der Bühne. Um in Zukunft mehr heimische Spieler:innen im Profibereich zu sehen, bräuchte es grundlegende strukturelle Reformen.

 

Titelbild: Maria und Roman Baranyai betreiben seit zwei Jahren das Cafe M&R in Lend. – Foto: Klemens Bernhardt

Mein Name ist Bernhard Mayer und ich bin in Graz geboren und aufgewachsen. Seit Herbst 2025 studiere ich Journalismus und Public Relations (PR) an der FH JOANNEUM.

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