Bürgermeisterin Elke Kahr, Mobilitätminister Peter Hanke und Co. stehen neben den Lehlingen vor der Lehrwerkstätte in der Wagner-Biro-Straße

Ausbau der ÖBB-Lehrwerkstätte in Graz

Lesezeit: 2 Minuten

Während die Zahl der Lehrbetriebe in der Steiermark laut Wirtschaftskammer seit Jahren sinkt, gehen die ÖBB einen anderen Weg: Sie investieren in den Ausbau ihrer Lehrwerkstätte in der Wagner-Biro-Straße hinter dem Hauptbahnhof in Graz. 

Autoren: Mathias Neuhold, Bernhard Mayer

Neben der ÖBB-Lehrwerkstätte arbeiten Bauarbeiter am Gleis, während im Gebäude eine Gruppe aus Medienvertreter:innen und Politiker:innen durch die Ausbildungsräume geführt wird. Unter ihnen auch Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ). Die Werkstätte ist einer von zwei Standorten der ÖBB-Lehrlingsausbildung in der Steiermark – der zweite befindet sich in Knittelfeld.

Ein Blick in die Lehrwerkstätte

Zu Beginn werden die Gäste durch das Haus geführt, das es bereits seit 2012 gibt. Momentan beherbergt es 91 Lehrlinge. Ab September dieses Jahres sollen es rund 20 mehr werden. Denn die ÖBB baut – gegen den steirischen Trend – ihre Lehrwerkstätte aus. Die Zahl der Lehrbetriebe in der Steiermark ist auf unter 5000 gesunken.

Die Führung beginnt im unteren Geschoss, in dem einige der Lehrlinge bereits hinter ihren Maschinen stehen und arbeiten. Bundesminister Hanke ist in Gespräche mit den jungen Leuten verwickelt und befragt diese zu Herausforderungen, ihrem Alltag und ob die Ausbildung ihren Erwartungen entspreche. Auf die Frage, was das Spannendste an der Ausbildung sei, antwortete ein junger Mann im dritten Lehrjahr: „Das Programmieren und die praxisbezogenen Teile der Ausbildung.“ Die meisten Lehrstellen liegen im technischen Bereich, etwa im Gleisbau oder in der Informationstechnik.

Ein Lehrling mit VR-Brille arbeitet in der Lehrwerkstätte
Die Lehrlinge werden mit neuesten Technologien auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. – Foto: Bernhard Mayer

Kein Tag zum Verschnaufen

Durch ein Treppenhaus gelangt man in den oberen Bereich des Gebäudes. Hier befinden sich leere Räume, kahle Wände und freie Flächen – noch ist es ruhig. Doch schon nächste Woche wird hier gebohrt, gehämmert und gebaut. Im September muss der Ausbau fertig sein, da dann bereits die neuen Lehrlinge einziehen. Projektleiter Markus Hackl beschreibt den Ausbau als „eines der sportlichsten Projekte” seit er bei der ÖBB ist. „Wir haben keinen Tag zum Verschnaufen.“ Die Anlage wird um 640 Quadratmeter auf insgesamt ca. 2000 erweitert. Die Baukosten belaufen sich auf etwa 1,7 Millionen Euro. Diese Investition wird in Zeiten, in denen der Staat Einsparungen treffen muss, vor Ort verteidigt. Laut Silvia Angelo, Vorständin der ÖBB-Infrastruktur AG, sei der Ausbau ein zentrales Projekt für die Zukunft Österreichs. Hierbei dürfe nicht gespart werden. Generell überwog an diesem Vormittag die Euphorie. Kritische Nachfragen zu anderen Infrastrukturprojekten – etwa zu einer möglichen Bahnstation am Flughafen – blieben unbeantwortet. Man wolle sich zu diesem Thema momentan medial nicht äußern, so Angelo.

Die ÖBB als Ausbildungsbetrieb

Laut einer Statistik der Wirtschaftskammer sinkt die Anzahl der steirischen Lehrlinge kontinuierlich. Mit einem neuen Angebot möchten die ÖBB diesem Trend entgegenwirken und wieder mehr junge Menschen für Lehrberufe begeistern. Mobilitätsminister Peter Hanke betrachtet die Erweiterung als wichtigen Schritt für die österreichische Wirtschaft: „Uns liegt die Zukunft unserer Jugend am Herzen und das wollen wir an diesem Standort mit all unseren Möglichkeiten zeigen.” Auch junge Frauen für die Lehrberufe zu begeistern, wird eine zentrale Herausforderung in diesem Projekt sein. Derzeit liegt der Frauenanteil der Lehrlinge in der ÖBB bei 25 %. Dieser Prozentsatz ist zwar in den letzten Jahren gestiegen, aber immer noch nicht so hoch wie gewünscht.

Silvia Angelo und Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft „vida“, sehen die Erweiterung auch als Antwort auf den Fachkräftemangel in Österreich: „Wir bilden den Großteil unserer Mitarbeiter selbst aus. Wir sind ein Ausbildungsbetrieb“, so Angelo. Das soll ein klares Signal für die Zukunft sein. „Einerseits wird eine Debatte über den Lehrlingsmangel geführt, andererseits wird nichts dagegen unternommen“, argumentiert Hebenstreit. „Es liegt an den Unternehmen, Verantwortung zu übernehmen.“

 

Titelbild: Bürgermeisterin Elke Kahr, Mobilitätsminister Peter Hanke und Co. feiern den Start des Ausbaus der Lehrwerkstätte. – Foto: Bernhard Mayer

Mein Name ist Bernhard Mayer und ich bin in Graz geboren und aufgewachsen. Seit Herbst 2025 studiere ich Journalismus und Public Relations (PR) an der FH JOANNEUM.

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