Vier Jahre Ukraine-Krieg: Ein bisschen Frieden?

Lesezeit: 3 Minuten

Mit Elon Musks Auftritt am Weltwirtschaftsgipfel von Davos hat das Kunstwerk „WE JUST WANT PIECE” vor der Grazer Andrä-Kirche erschreckende Aktualität gewonnen. Ein Gespräch mit dem Künstler und Grafiker Illya Pavlov über vier Jahre russische Großinvasion der Ukraine und die Zeichen der Zeit.  

Autorinnen: Marie Komposch, Anna Grassmugg

Bald sind es vier Jahre seit dem großflächigen russischen Überfall auf die Ukraine. In seiner Heimatstadt Charkiw, erinnert sich Illya Pavlov, sei der Krieg aber schon davor allgegenwärtiges Thema gewesen. Schließlich hatte er auch schon davor begonnen, nämlich mit der russischen Annexion der Krim 2014, sagt Pavlov im Gespräch mit der Annenpost. Das Thema sei gleichzeitig gezielt von Politik und Medien heruntergespielt worden, um Panik zu vermeiden. Selbst 2022 habe niemand ernsthaft daran geglaubt, dass der Krieg auch Charkiw erreichen würde. Pavlov hat damals versucht, seine Familie und Freunde zur Flucht zu überreden, stieß aber auf taube Ohren. Nach einem erneuten Versuch, als der Krieg bereits begonnen hatte, konnte er seine Eltern doch noch überzeugen, mit ihm nach Graz zu kommen.

Graz als Paradies

Er selbst fand nach Graz nach einem Projekt mit Serhij Zhadan, einem der bekanntesten ukrainischen Schriftsteller, der seit nun bald zwei Jahren auch selbst in der Armee dient. Pavlovs Designstudio „Grafprom“ gestaltete damals Zhadans Lyrik-Band „Marias Leben” und brachte dessen Gedichte mit einer ungewöhnlichen Poster-Kampagne in den öffentlichen Raum, auch in Städten der Ost-Ukraine. Genau mit diesem Projekt waren Zhadan und Pavlov im Dezember 2015 bei der Literaturreihe Freischreiben zu Gast in Graz, Pavlov hielt außerdem einen Gastvortrag an der FH JOANNEUM. 

Graz habe er damals als „Paradies“ empfunden, erinnert er sich heute. Besonders die Luft und die Berge, die Graz umgeben, habe er als befreiend wahrgenommen. Von Charkiw aus würde man sieben Stunden brauchen, um den nächsten Berg zu erreichen. Deswegen habe er sich 2019 über die Fixanstellung an der FH JOANNEUM besonders gefreut und zog mit seiner Familie nach Graz. 

Studierenden will Pavlov in der Lehre mitgeben, dass sie wachsam sein sollen. „Keep your eyes open and your brain turned on.” Das ist wohl auch der Erfahrung in der Ukraine geschuldet. Es sei beängstigend gewesen, dass niemand die Zeichen des Krieges sehen wollte. Die Menschen seien so manipuliert worden, dass sie die Augen vor dem Offensichtlichen verschlossen hätten. 

Eine Menschenmasse vor einer Kirche betrachten eine große Tafel mit der Aufschrift „We just want piece". Daneben stehen zwei Männer mit kleinen Schildern, auf denen kurze Phrasen mit Aufforderungen für Frieden stehen.
„We just want piece”: Ausstellung mit Illya Pavlov vor der Kirche – Foto: Alois Kölbl

 

Ein bisschen Frieden

Gerade in seiner jüngsten künstlerischen Arbeit hat sich Illya Pavlov auch sehr direkt mit dem Krieg in seiner Heimat beschäftigt. Die Arbeit entstand im Zuge der „never again peace”-Ausstellung des steirischen Herbst, trägt den Namen „WE JUST WANT PIECE” und  steht mittlerweile vor der St.-Andrä-Kirche in Graz. Die monumentale „Plakat-Skulptur” gibt sich als Marmortafel aus, auf die der titelgebende Satz in römischen Lettern „eingraviert” ist.  

Die Message für Pavlov: „Menschen sind dem Imperium egal, wichtig ist dem Imperium nur das Imperium selbst.” Gleichzeitig ist das, was das Reich sagt, aber auch fehlerbehaftet. Darauf soll der Rechtschreibfehler „piece” statt „peace” hinweisen. Dabei will Illya Pavlov besonders auf die Vortäuschung von Frieden durch Imperien wie Russland aufmerksam machen. Auch Russland gebe vor, die ukrainische Bevölkerung zu befreien.  Stattdessen zerstören seine Armeen das Land und töten Menschen. 

Wie erschreckend aktuell diese Arbeit ist, zeigte Ende Jänner ein Auftritt Elon Musks am Weltwirtschaftsforum Davos. Musk reagierte da auf Donald Trumps Ankündigung, einen „Friedensrat”, ein „Board of Peace”, einzusetzen. Und scherzte stotternd: „I was like… Is that P-I-E-C-E? A little piece of Greenland, a little piece of Venezuela… All we want is piece/peace.”

Am 26. April kann man die Werke von Illya Pavlovs nächstem Projekt in der Rathausgalerie betrachten. Der Titel der Ausstellung lautet: „Chernobyl 40. Nuclear scar: past, present, future”. Außerdem arbeitet er gerade zusammen mit „the 4th block”, einer Vereinigung von Grafik-Designer:innen, die sich für Ökologie und Nachhaltigkeit einsetzt, an einer neuen Posterausstellung, die sich mit dem Thema „40 Jahre Tschernobyl” auseinandersetzt. 

Zum Abschluss möchte Illya Pavlov die Welt, aber auch die ukrainische Bevölkerung zum vierten Jahrestag des Krieges daran erinnern: „Wir müssen durchhalten, wir müssen weiterkämpfen. Anders können wir nicht überleben.“


Infobox
Anlässlich von vier Jahren russischer Großinvasion der Ukraine ruft das Zentrum für Österreichisch-Ukrainische Kulturwissenschaften am 24.02.2026 um 18 Uhr zur Demonstration am Grazer Hauptplatz auf.

Weitere Infos findet ihr hier: https://www.facebook.com/events/1633716511147814




 

Titelbild: Illya Pavlov vor seinem Kunstwerk – Foto: Alois Kölbl



Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

siebzehn + 12 =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Vorherige Geschichte

Mehr Körperbewusstsein für den neuen Stadtteil

Letzter Post in SOZIALES