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Vintage im Lend: Fritz am Kai

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Am Lendkai 9 eröffnete vor Kurzem der Vintage-Design-Shop Fritz am Kai. Die drei jungen Betreiberinnen wollen Vintage-Wohnaccessoires wieder salonfähig machen und alte Stücke in den neuen Alltag integrieren. Was die jungen Frauen an alten Dingen fasziniert und wie nah Teile der Grazer Altwarenszene am rechten Rand stehen.

Was bringt drei junge Frauen, die alle in verschiedenen Branchen berufstätig sind, auf die Idee sich zu einem Vintage-Kollektiv zusammenzuschließen? Die Leidenschaft für alte Gegenstände. Natürlich. Aber die drei Betreiberinnen haben mehr gemeinsam als nur mit alten Waren zu handeln. Sie sind nahezu gleich alt, haben eine ausschweifende Liebe zu Hunden und heißen alle drei Kathi. Das gemeinsame Geschäft, Fritz am Kai, ist nach dem Hund einer der drei benannt. In ihrem Shop verkaufen sie allerlei Accessoires vom Esstisch über Geschirr bis hin zu alten Bildern, Werbetafeln aus Emaille und Deko-Gegenständen. Prinzipiell das gleiche, was auch in anderen Vintage-Läden zu finden ist – trotzdem heben sich die drei Kathis mit ihrem Geschäft von der restlichen Grazer Gebrauchtwarenszene ab.

Das ist Fritz – Nach ihm ist der Vintage Shop am Lendkai 9 benannt. – Foto: Manuel Bauer

Mehr als ein Vintage Shop

Es gibt einige Dinge, die dem Besucher bei Fritz am Kai etwas untypisch oder lustig erscheinen könnten. Zum einen sind es die Unternehmerinnen selbst, wenn sie gerade bei einer Flasche Wein vor ihrem kleinen Geschäftslokal am Lendkai sitzen. Dann wirkt es fast so, als würde man eine Bar statt einen Vintage Shop betreten. Zum anderen sind es die Preistafeln, die auf den Produkten verteilt sind. Diese sind in unterschiedlichen Farben gehalten, damit die Produkte der Besitzerin zugeordnet werden können. Die drei Kathis verkaufen nämlich jeweils ihre eigenen Produkte – aber eben gemeinsam in einem Geschäftslokal. Die Unternehmerinnen gehen auch allein auf Einkaufstour. So ist es auch möglich, dass in dem kleinen Laden drei unterschiedliche Richtungen von Produkten verkauft werden. „Da wir zu dritt sind und jede einen anderen Stil hat, können wir bei verschiedenen Geschmäckern punkten und umso mehr Teile davor bewahren, zu Müll zu werden“ ,erzählt Kathrin Blanzano, eine der drei Inhaberinnen.
Wo die Artikel eingekauft werden, ist von Kathi zu Kathi unterschiedlich. Die Produkte werden beispielsweise auf Auktionen, Flohmärkten oder Haushaltsauflösungen zusammengesucht. Einige Gegenstände richten die Betreiberinnen selbst her, andere werden nur geputzt, um danach im Geschäft zum Verkauf angeboten zu werden. 

Gemütliches Ambiente lädt zum verweilen ein

In Fritz am Kai empfangen die drei Kathis ihre Kund:innen in einer herzlichen, familiären Atmosphäre. Die Betreiberinnen treten ihrer Kundschaft mit einer Offenheit gegenüber, die zum Stöbern einlädt – ohne Kaufzwang. Als Kund:in fühlt man sich in Fritz am Kai in eine vergangene Zeit zurückversetzt. Bei einem Glas Wein oder Sekt kann man mit den Unternehmerinnen über ihre Produkte, die Welt und vieles mehr sprechen.

Verstaubte:r Altwarenhändler:in ist anders: Bei einem Glas Wein kann man mit Kathrin Blanzano (links) und Katharina Rejc (rechts) über alle Themen sprechen. – Foto: Mario Sasek

An das Bild des verstaubten Altwarenhändlers erinnert in diesem Geschäft nichts. Die Besucher:innen können in Fritz am Kai selbst Schnäppchen ergattern und müssen keine Angst haben, zu hohe Preise für die Liebhaberstücke zu bezahlen. „Ich liebe es, mich auf Schatzsuche zu begeben und dadurch alten Gegenständen eine neue Chance zu geben. Dabei ist das Gefühl, wenn man ein preiswertes, außergewöhnliches Stück findet, super wichtig”, sagt Katharia Rejc. “Das wollen wir an unsere Kunden und Kundinnen weitergeben.“. 

 

Extra: Altwaren als Neonazi-Magnet?

Auch wenn in Fritz am Kai die Nachhaltigkeit und das Bewahren der alten Gegenstände im Vordergrund steht, ist das nicht in der gesamten Gebrauchtwarenszene so, wie eine kleine Zusatzrecherche ergeben hat. Einige Antiquitäten- und Gebrauchtwarenhändler:innen haben sogar den Ruf, Kundschaft jenseits des rechten Randes sowie Neonazis anzuziehen. Ist die Grazer Flohmarktszene wirklich auch ein Treffpunkt für Neonazis? 

Lokalaugenschein auf Grazer Flohmärkten

Ein Lokalaugenschein der Annenpost auf mehreren Grazer Flohmärkten hat ergeben, dass manche Händler:innen verbotene, nationalsozialistische Waren zum Verkauf anbieten. Diese sind meist nicht direkt am Verkaufstisch platziert, sie werden erst auf Nachfrage von den Händler:innen präsentiert. So werden beispielsweise am Flohmarkt Center West Bilder aus Gaskammern und Kriegsutensilien mit dem Reichsadler angeboten und verkauft. Trotz solcher Angebote lege die Flohmarktleitung des Marktes am Center West großen Wert auf die Einhaltung der Gesetze. Der Markt solle eine angenehme Atmosphäre für die ganze Familie bieten und keinesfalls eine Plattform für nationalsozialistische Gegenstände darstellen, heißt es auf Anfrage der Annenpost. Die Leitung des Flohmarktes wolle wie bisher auch schon, in Zukunft noch mehr kontrollieren, um nationalsozialistische Artikel vom Flohmarkt verschwinden zu lassen. 

 

Titelbild: Die beiden Kathis in Abwesenheit ihrer Kollegin Kathrin Haas inmitten ihres neuen Vintage Shops am Lendkai 9.  – Foto: Mario Sasek

 

 

 

 

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