Demonstration gegen Femizid zieht über Südtirolerplatz
Lesezeit: 1 Minute, 59 Sekunden

„Keine* einzige* weniger“ – Reaktionsdemo nach Mord an Frau

in POLITIK & WIRTSCHAFT/SOZIALES von

Die FFP2-Masken dämpfen die Parolen der Demonstrant*innen kaum. „Keine* einzige* weniger”, hallt es zwischen den Hausmauern, als sich der Demonstrationszug vom Griesplatz in Richtung des Tatortes in der Idlhofgasse bewegt. Auch die Annenpost war am Freitag vor Ort.

Von: Christoph Eisbacher und Lena Lafer 

Am 7. April 2021 betrat ein 43-jähriger Mann eine Grazer Polizeiinspektion und gestand, seine Frau tödlich verletzt zu haben. Die 38-Jährige verblutete nach zahlreichen Messerstichen in ihrer Wohnung im Bezirk Gries. Darauf antworteten Demonstrant*innen vergangenen Freitag und gingen gegen Femizide auf die Straße.

Aktivistin: „bin unglaublich wütend”

Die Polizei spricht von dem Verdacht eines Mordes und führt den Mann des Opfers als Verdächtigen. Gleichzeitig bezeichnet F*Streik, die Organisation hinter der Demonstration, die Tat bereits als Femizid. Der mutmaßliche Mörder gab bei seiner Einvernahme massive Erinnerungslücken an und nannte Eifersucht als Grund. Morde, die aus solchen oder ähnlichen Motiven wie Besitzdenken, Verachtung und Hass geschehen, bezeichnet die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie als Femizide. Entscheidend für die Einstufung als Femizid ist die „Tötung von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht”. Der Begriff soll den Verharmlosungen von „Trennungstötungen” und „Eifersuchtstragödien” entgegenwirken. „Mord ist kein Beziehungsdrama” stand auch in dicken, schwarzen Buchstaben auf einem Schild bei der Demonstration. „Ich bin unglaublich wütend, frustriert und bekomme Angst bei der Vorstellung, dass 200 Meter von meinem Zuhause ein weiterer Mord an einer Frau* verübt wurde”, hieß es von einer Aktivistin.

Vor dem Wohnhaus des Opfers stoppten die Demonstrierenden für eine Schweigeminute. Polizist*innen begleiteten die Aktivist*innen. Über die Annenstraße ging die Demonstration weiter in Richtung Kunsthaus. Die Reaktionen der Passant*innen fielen gemischt aus. Manche applaudierten, andere verzogen das Gesicht. Mit einer Abschlusskundgebung endete die Demonstration ohne merkbare Zwischenfälle auf dem Hauptplatz. 

Demonstration gegen Femizide, Frau mit Schild "Stop Killing WOMEN"
Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft waren bei der Demonstration vertreten. – Foto: Christoph Eisbacher

Auf die Frage nach der Anzahl der Teilnehmer*innen antwortete ein Polizist: „Keine Ahnung, so 160 bis 200. Aber fragen Sie bei den Grünen nach oder wer auch immer das organisiert hat.“ Die Grünen waren nicht unter den Veranstalter*innen der Demonstration. Einzelne Mitglieder nahmen jedoch daran teil, darunter auch Frauenstadträtin Judith Schwentner. Sie reagierte auf den Mord mit einer Einladung zu einem runden Tisch mit Opferschutzeinrichtungen und Behörden. 

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Seit Anfang des Jahres wurden in Österreich sieben Frauen ermordet, im Schnitt also eine alle zwei Wochen. Laut Bundeskriminalamt standen 78,5% der Mordopfer im Jahr 2019 in Österreich in einem Naheverhältnis zu den Täter*innen. Aus der Kriminalstatistik der Landespolizeidirektion Steiermark geht hervor, dass im Vorjahr vier der fünf Mordopfer im Bundesland Frauen waren. Wie viele davon als Femizid bezeichnet werden können, geht aus den Statistiken nicht hervor. Generell ist die Datenlage zu Femiziden verhältnismäßig dünn, da diese je nach Quelle oft nicht als statistische Kategorie aufscheinen.

„Mord ist kein Beziehungsdrama“ – Demonstrant am Griesplatz

Titelbild: Christoph Eisbacher

Am Boden gebliebene Bergliebhaberin. Leseratte, die weder Käse noch Speck mag. Schlüpft beim Theaterspielen in viele Rollen, versucht aber authentisch zu bleiben.

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