Ein Tisch mit einem Osterstrauß mit bunt verzierten Eiern. Bedruckte Taschen mit verschiedensten Mustern. Brillenetuis und Schlüsselanhänger kunstvoll bemalt

Ein Stück Normalität am ukrainischen Ostermarkt

Lesezeit: 3 Minuten

Am 28. 3. veranstaltete der ukrainische Kulturverein „Ridna Domivka“ einen ukrainischen Ostermarkt. Künstler:innen boten Produkte an, die tief in ihrer Heimat verwurzelt sind. Ein Einblick in ukrainische Osterbräuche und warum die Gemeinschaft im Verein ein Stück Heimat symbolisiert.

Autorin: Iris Stark

„In der Ukraine hängen wir Eier nicht auf. Das habe ich in Österreich zum ersten Mal gesehen“, sagt Kristina Cherkyshova und lächelt. Vor ihr steht ein Tisch mit kunstvoll bedruckten Taschen und Tischtüchern. Außerdem präsentiert sie Brillenetuis und kunstvoll verzierte Ostereier. Die typisch ukrainischen Muster haben in ihrer Heimat langjährige Tradition. „Früher wurden damit sogar Häuser bemalt“, erklärt sie. Hergestellt werden die Stücke von ihrer Mutter Olha Legenka, die in der Zentralukraine als Kunstlehrerin arbeitet.

Bedeutung der Gemeinschaft

Am Ostermarkt in den Räumlichkeiten des Kulturvereins freut man sich über das Zusammenkommen und den gemeinsamen Austausch. Mehrere Tische mit Produkten von Künstler:innen reihen sich aneinander. Angeboten werden Keramik, Seifen und traditioneller, handgefertigter Schmuck. Holzfiguren, Bilder und verschiedene Variationen der Pysanky-Eier werden ausgestellt. Die Gäste kommen rasch untereinander ins Gespräch und finden sich an einem der Stehtische ein, die mit kleinen ukrainischen Fähnchen dekoriert sind. Für die kleinen Gäste gibt es eine Kinderschminkstation in einem der Nebenräume. Auch landestypische Speisen werden angeboten. Es gibt unter anderem auch ukrainischen Honigkuchen, Watruschka, ein Hefegebäck mit Topfenfüllung, Wurstsalat und weitere Köstlichkeiten.

Ukrainische Osterbräuche

Für die überwiegend orthodoxen Christen ist das Osterfest wichtiger als Weihnachten. Es gilt als ein Fest des Lebens, des Lichts und des Sieges über den Tod, und ist tief in Traditionen, Familienwerten und kultureller Identität verankert. Viele der ukrainischen Osterbräuche sind jenen der österreichischen sehr ähnlich. Osterhasen gibt es jedoch keinen. Außerdem findet sich im traditionellen Osterkorb neben dem typischen Osterbrot Paska, Fleisch, Würsten, Salz und Eiern auch eine Flasche Süßwein. Die Fastenzeit wird ebenso durchgeführt wie in Österreich. Pysanky-Eier dürfen zu Ostern auch nicht fehlen. Sie gehören in der Ukraine seit Jahrhunderten zum Brauchtum und sind ein Schutzsymbol. Es handelt sich um kunstvoll mit Ornamenten und Bienenwachs verzierte Eier. Sie gelten als wichtiges Kulturgut des Landes. Jede der verwendeten Farben hat eine eigene Bedeutung. So steht die Farbe Grün für den Frühling, Rot für die Freude, die Sonne und das Leben, und Gelb symbolisiert Reichtum und Fruchtbarkeit. Das Anfertigen der Eier ist sehr zeitaufwändig und findet traditionell in der Woche vor Ostern statt. Zum Osterfest werden sie an Familie und Freunde verschenkt, und sollen Glück und Gesundheit bringen.

Religiöse Feiertage in der Ukraine

Erst seit der Unabhängigkeit der Ukraine, die am 24. August 1991 erklärt wurde, dürfen religiöse Feiertage in der heutigen Form gefeiert werden. In der Sowjetunion war dies verboten. Als Kristina sehr jung zum ersten Mal an einer Auferstehungsfeier teilnahm, war es für sie magisch. Sie erlebte auch zum ersten Mal eine Segnung der Osterspeisen. Die feierliche Atmosphäre war, so erzählt sie, für sie besonders eindrücklich und hatte etwas sehr Kraftvolles an sich. Die Feierlichkeiten beginnen typischerweise um Mitternacht und dauern mehrere Stunden an.

Ostern fernab der Heimat

Auch in Graz wird dieses religiöse Ritual von vielen ansässigen Ukrainern fortgeführt. Ukrainische Katholiken feiern Ostern in diesem Jahr am 5. April. Für Menschen, die der christlich-orthodoxen Kirche angehören, findet das Osterfest heuer am 12. April statt, da sich fast alle ukrainischen Kirchen am julianischen Kalender orientieren. Für Katholiken gibt es eine Auferstehungsfeier, die alljährlich in der Grazer Karlau-Kirche abgehalten wird und eine weitere in der Don-Bosco Kirche, für Mitglieder der christlich-orthodoxen Religionsgemeinschaft.

Galyna Skotnik und Mariia Mitić vom ukrainischen Kulturverein Ridna Domivka stehen vor einem Tisch mit handgefertigten Produkten wie buntem Schmuck, einer traditionellen Tasche und Keramik
Galyna Skotnik und Mariia Mitić vom ukrainischen Kulturverein Ridna Domivka – Foto: Iris Stark

Füreinander da sein

Der ukrainische Ostermarkt findet neben dem jährlich veranstalteten Weihnachtsmarkt heuer bereits zum 4. Mal statt. Für Galyna Skotnik, der Obfrau des ukrainischen Kulturvereins, steht das Zusammenkommen und das Miteinander im Vordergrund. Sie möchte mit dem Markt ukrainische Künstler:innen unterstützen und ihnen eine Bühne bieten, um ein Stück ihrer Heimat sichtbar zu machen. Mit den Einnahmen möchte sie die Künstler:innen zusätzlich unterstützen. Ein Teil davon kommt dem Verein selbst zugute, der aktuell, wie viele andere, von Förderungskürzungen betroffen ist. Der Verein Ridna Domivka bietet unter anderem Deutschkurse, Workshops, Malkurse sowie Lesekreise an. „Ridna Domivka” bedeutet übersetzt „füreinander da sein“ und stellt einen wichtigen Beitrag zum Austausch und zur Vernetzung dar.

Zur Stimmungslage in Hinblick auf die Geschehnisse im Heimatland erklärt Skotnik: „Insgesamt ist die Stimmung bedrückend.“ Die Kraft lasse allmählich nach, der Ukrainekrieg sei medial nicht mehr so präsent und würde vom aktuellen Weltgeschehen überlagert, sagt sie.

Ein Stück Heimat

Für Kateryna Komarov, eine Besucherin, die eigens aus Kapfenberg angereist ist, ist das Gefühl von Zusammengehörigkeit im Verein besonders wichtig. Ursprünglich kommt sie aus Mariupol. Sie selbst betreibt eine ukrainische Online-Schule. Ihr Mann ist Olexandr Komarov, mehrfach mit Gold ausgezeichneter Meister der Paralympischen Spiele im Schwimmsport.

Durch den Austausch mit Gleichgesinnten hat sie das Gefühl von „einem Stück Heimat“, sagt sie. Es bedeutet für sie, fernab des Heimatlands „Teil der großen Ukraine zu sein“, so Mitić.  

 

Titelbild: Traditionelle Kunst aus der Ukraine – Foto: Iris Stark

Infobox

Ukrainischer Kulturverein Ridna Domivka https://www.ridnadomivka.at/

29.4.2026 Lesung und Buchpräsentation von Halynka Kruk: Eine der bekanntesten ukrainischen Lyriker:innen stellt ihr Buch „Crashkurs in Molotow-Cocktails“ vor.

 

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