Zaid Alsalame beim Interview im Kaffee

Zaid Alsalame: Engagement über die Bühne hinaus

Lesezeit: 2 Minuten

Zaid Alsalame flüchtete vor zehn Jahren aus dem Irak nach Graz. Wie sich der Schauspieler in der Stadt neu erfand und worum es in seinem neuen Kabarettprogramm und seinem Film gehen wird.

Autorinnen: Lilo Marka, Fabienne Meixner

Zur Begrüßung gibt es ein breites Grinsen, eine herzliche Umarmung und drei Kaffee in der Bar „noël” in der Mariahilfer Straße. Ein langes Gespräch später ist die Annenpost um eine Geschichte schlauer: die des Schauspielers Zaid Alsalame.

Obwohl sein Herz schon seit der Kindheit für die Kunst und das Schauspiel schlägt, absolvierte er erst ein Elektrotechnikstudium in Bagdad. Die Begründung dafür ist simpel: „Mama hat gesagt: Du musst irgendein Studium abschließen.” Immer wieder blitzt im Gespräch Zaids Humor auf. Trotz abgeschlossenen Studiums ging er seiner Leidenschaft, dem Theaterspielen, schon in Bagdad nach. Dort war das weniger gern gesehen, wie Zaid einmal dem Megaphon erzählt hat – auch nicht sein Einsatz für Menschen- und Frauenrechte. Wegen des stärker werdenden Gegenwinds beschloss er 2015, sein Geburtsland zu verlassen. 

Im Annenviertel angekommen

Leicht war sein Weg nach Graz nicht. In Österreich aber sei er ein zweites Mal geboren worden, wie er erzählt. Erst landete er in Wien, dann kam er 2016 nach einem kurzen Zwischenstopp in Leoben in Graz an. Durch Zufall fand er direkt ins Annenviertel. Hier habe er sich sofort wohl gefühlt, da die Menschen multikulti und offen seien. Der Begriff Heimat hat für ihn eine besondere Bedeutung, wie er immer wieder betont: „Heimat bedeutet für mich nicht ein Land. Sondern die Gefühle, die Menschen und die Gesellschaft, die mich akzeptieren und bei denen ich mich wohlfühle.“

In Graz fand er auch Anschluss an die freie Theater- und Performance-Szene. Das „Theater im Bahnhof” sei da ein wichtiger Teil seines Leben geworden, sagt er. Schon im April wird er wieder auf der Bühne zu sehen sein. Dann zeigt er die zweite Episode seines Kabarettprogramms „1000 Euro und eine Nacht”. Der erste Teil begeisterte im Vorjahr bereits beim steirischen herbst. Zaids Ziel ist es, seine eigene Geschichte, verwoben mit Themen aus der klassischen Geschichtensammlung “Tausendundeine Nacht”, episodisch weiterzuerzählen. Premiere feiert das Stück am 10. April 2026 im „Theater im Bahnhof”. 

Zaid Alsalame – Foto: Fabienne Meixner

Film über Alltagsrassismus

Momentan arbeitet Zaid auch an einem Drehbuch für seinen ersten eigenen Film. Darin soll es um das Leben von geflüchteten Personen in Österreich gehen, welchen Schwierigkeiten sie sich stellen müssen und wie sie von Alltagsrassismus betroffen sein können. Den musste Zaid auch selbst bei seiner Ankunft in Österreich erleben. Trotz fehlendem Reisepass bekam er erst ein Zimmer in einem Wiener Hotel. Doch am nächsten Morgen tauchte die Polizei auf und eskortierte ihn aus dem Hotelzimmer. „Ich habe zwei Perspektiven auf Rassismus”, sagt Zaid. „Einmal in Österreich und einmal im Irak.” Mit der Angst, die täglich im Irak herrsche, könne man den Alltagsrassismus in Österreich jedenfalls nicht vergleichen. 

Ein wichtiges Anliegen äußert er zum Schluss. Zaid möchte die Gen-Z im Annenviertel überzeugen, die Kunstszene aktiv mitzugestalten. Weiters brauche das Viertel mehr junge Köpfe, die sich auch politisch engagieren. „Wir müssen die Leute, die keine Ahnung von Graz haben, an die Hand nehmen. Wir müssen kreativer sein!“ Für ihn ist es wichtig, dass die Kunstszene wieder an Beliebtheit bei den Jugendlichen gewinnt. Daher versucht er besonders auf Instagram, die jüngeren Generationen abzuholen und zu motivieren, sich für ihre politischen Überzeugungen einzusetzen und für ein noch offeneres Annenviertel zu kämpfen. 

 

Titelbild: Zaid Alsalame beim Interview in der Bar „noël” – Foto: Fabienne Meixner

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