Zwei Monate Koralmbahn: Alles auf Schiene?

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Seit 14. Dezember 2025 sind Kärnten und die Steiermark durch den Koralmtunnel miteinander verbunden. Wie sind die ersten zwei Monate auf der neuen Strecke verlaufen? Ein Rundgang auf dem Grazer Hauptbahnhof zeigt, dass die Gefühle gemischt sind. Unternehmen freuen sich aber.

Von: Lukas Lackner, Niklas Saria

Seit zwei Monaten können sich nun Kärntner:innen und Steirer:innen noch schneller gegenseitig die Hand schütteln: Die neue Eisenbahnstrecke durch den Koralmtunnel verbindet Klagenfurt und Graz in rund 41 Minuten. Wie die Kleine Zeitung zum Jahreswechsel berichtete, waren allein in den ersten 14 Tagen bereits 160.000 Passagiere auf der neuen Strecke unterwegs. Laut den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sind es heute bis zu 7.000 Menschen, die die Koralmbahn täglich nutzen.

Für die ÖBB ist das Grund genug, um eine positive Bilanz über die ersten Wochen zu ziehen. „Die Koralmbahn hat sich innerhalb kürzester Zeit als zentraler Bestandteil des Alltags vieler Menschen etabliert”, sagt Pressesprecher Herbert Hofer. So konnte man laut Hofer durch die 29 täglichen Direktverbindungen vor allem Pendler:innen und Studierenden mehr Flexibilität und kürzere Fahrzeiten bieten. Von Seiten der ÖBB heißt es auch, dass das Feedback der Fahrgäst:innen bisher durchweg positiv ausgefallen sei. So loben laut Hofer Passagier:innen besonders den hohen Komfort und die Mobilitätsmöglichkeiten. 

Zwischen Zufriedenheit und verpassten Anschlüssen

Natürlich stellt sich nun die Frage, ob sich die Eindrücke der ÖBB mit jenen der Passagier:innen decken. Um ein besseres Bild zu bekommen, fragten wir an einem Freitag direkt vor Ort am Grazer Hauptbahnhof nach. Was direkt ins Auge sticht: Zug IR 581 mit der Ankunftszeit um 12:15 Uhr verspätet sich an diesem Tag um 17 Minuten, im Endeffekt kommen noch sechs weitere hinzu. Ausnahme oder Alltag? „Heute ist er einigermaßen pünktlich, wir sind aber auch schon gefahren, da gab es große Verspätungen”, meint Werner Pacher, der gerade am Bahnsteig auf einen anderen Zug Richtung Süden wartet.

Ein paar Minuten später steigt Anne-Marie Prawda auf der anderen Seite des Bahnsteigs aus dem Zug, der aus Kärnten kommt, aus. Sie hat gerade ihre erste Fahrt auf der neuen Strecke hinter sich und ist begeistert: „Ich komme gerade aus Velden am Wörthersee und besuche jetzt hier eine Freundin. Es war toll, wie ein kurzfristiges Beamen.”  

Die Anzeigetafel am Hauptbahnhof zeigt eine klare Verspätung des IR 581 nach Klagenfurt.
Gewohntes Bild? IR 581 aus Klagenfurt mit deutlicher Verspätung. – Foto: Lukas Lackner

Nicht alles ist positiv

Aber nicht alle teilen diese Ansichten. Für Klemens Bernhardt, der an der FH Joanneum studiert und Mitglied der Annenpost-Redaktion ist, sollte die neue Strecke eigentlich eine riesige Erleichterung bei der wöchentlichen Heimfahrt ins Kärntner Dorf Heiligenblut sein: Seine Reisezeit verkürzt sich alleine durch die neue Strecke um 2,5 Stunden. Doch diese eigentlich gewonnene Zeit verliert er beim Umsteigen wieder, wenn der Zug aus Graz mit Verspätung ankommt und sein Anschlusszug pünktlich abfährt, ohne auf den anderen zu warten – vor allem, wenn der nächstmögliche Zug erst eine Stunde später angesetzt ist. 

So geschehen vor wenigen Wochen in Villach, als fast 30 Menschen am Bahnhof zurückgelassen wurden, wie der ORF Kärnten berichtete (Koralmbahn: Probleme bei Anschlüssen). Bernhardt, der Teil dieser zurückgelassenen Menge war, erzählt auf Nachfrage: „Dass auf solche scheinbaren Kleinigkeiten wie der Umstiegszeit nicht ausreichend geachtet wird, ist schon enttäuschend.” Zurück am Grazer Hauptbahnhof erzählt auch Julia Rack, ebenfalls eine Kärntner Studentin in Graz, die gerade am Bahnsteig auf ihren Zug in die Heimat wartet, dass sie selbiges erlebte: „Das ist mir jetzt schon zweimal passiert.” ÖBB-Pressesprecher Hofer reagiert auf die Kritik: „Hinweise regionaler Anschlussverbindungen werden ernst genommen und in die Optimierung des Angebotes miteinbezogen”, verspricht er.

Mehr Kundenfrequenz bei den Unternehmen

Vor dem Start der Koralmbahn wurden auch positive wirtschaftliche Auswirkungen für Grazer und Klagenfurter Betriebe vorhergesagt. Ist davon nach zwei Monaten schon etwas sichtbar? Antonia Stangl, Geschäftsführerin der Granola Company, deren Café gegenüber dem Grazer Hauptbahnhof liegt, erzählt: „Seit der Eröffnung der Koralmbahn merken wir bereits erste Veränderungen, auch wenn es noch zu früh ist, um von klaren Zahlen zu sprechen. Es kommen vermehrt Gäste vorbei, die offensichtlich auf der Durchreise sind oder Zeit bis zur Abfahrt ihres Zuges überbrücken.” Vor allem im Take-away-Bereich sei die Veränderung schon bemerkbar.

Antonia Stangl, Geschäftsführerin der Granola Company
Antonia Stangl, Geschäftsführerin der Granola Company, erwartet sich Aufschwung durch die Sommersaison. – Foto: Granola Company

Bei unserer Rundfrage unter Unternehmen im und rund um den Hauptbahnhof wird eines deutlich – sie setzen große Hoffnungen in die Sommersaison, wie uns auch Stangl erzählt: „Wir erwarten, dass sich die Auswirkungen der neuen Bahnverbindung dann deutlicher zeigen werden – vor allem durch mehr Freizeitgäste und Besucher:innen, die Graz für einen Tages- oder Kurzaufenthalt nutzen.” Auch weitere Unternehmen erwarten sich besonders mit mehr Sommertourist:innen einen großen Aufschwung durch die Koralmstrecke.

Eine Mitarbeiterin des „Press&Books”- Büchershops am Hauptbahnhof merkt hingegen bereits jetzt eine Veränderung: „Es sind schon jetzt mehr Kärntner da, vor allem zur Eröffnung waren plötzlich viel mehr Kunden im Shop.” Seither zähle sie in Summe mehr Kund:innen – ob das an der neuen Bahn liegt, lasse sich freilich noch nicht sagen. Aber auch sie erwartet sich in Zukunft noch eine Steigerung.

 

Titelbild: Seit zwei Monaten fährt sie nun, die neue Koralmbahn. – Foto: Lukas Lackner

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