Die Grazer Feuerwehr ist im Dauereinsatz, sie muss rund 6500 bis 7000 Mal pro Jahr ausrücken: zu Bränden wie in der Silvesternacht in der Wunderbar oder zu Unfällen. Wie läuft ein Einsatz der Berufsfeuerwehr Lend ab und wie bereiten sich die Feuerwehrkräfte auf den Notfall vor?
Autoren: Philipp Puntinger und Lukas Knapp
Bereits in der ersten Nacht des Jahres sorgten heuer Brände für Entsetzen. In Crans-Montana in der Schweiz verursachten Sprühkerzen einen Brand in einer Bar, bei dem 41 Personen ums Leben kamen und 116 Personen meist schwer verletzt wurden. Auch die Grazer Feuerwehr wurde aufgrund eines Brandes in der Silvesternacht alarmiert. Abermals lösten Sprühkerzen einen Brand aus. Der Besitzer der Wunderbar in der Grazer Innenstadt konnte das Feuer selbständig löschen und Schlimmeres verhindern. 200 Gäste konnten ins Freie fliehen, 13 Personen wurden verletzt, eine davon schwer. “Die Panik spielt bei solchen Ereignissen immer eine große Rolle und kann die Auswirkungen noch verschlimmern“, erklärt Löschmeister Markus Rechberger von der Feuerwache Lend der Annenpost. In Graz werden Kellerbars regelmäßig feuerpolizeilich geprüft. “Speziell bei großen Menschenversammlungen im Inneren herrscht aber immer ein Risiko, das kaum beseitigt werden kann”, schildert Rechberger.
Bei dem Brand in der Wunderbar war nicht “seine” Feuerwache zuständig, sondern jene am Dietrichsteinplatz. Die beiden sowie die Feuerwache Süd bilden die Berufsfeuerwehr Graz, die pro Jahr zu 6500 bis 7000 Einsätzen im Stadtgebiet ausrückt. Das sind rund 18 Notfälle pro Tag. Sie reichen von technischen Hilfestellungen wie einer Ölspur, die beseitigt gehört, bis hin zu Unfällen auf den Grazer Straßen, Unglücken mit Straßenbahnen und Bränden.
In wenigen Minuten am Einsatzort
Prinzipiell ist jeder Einsatz unterschiedlich, erklärt Rechberger, weswegen man nicht genau nach einem zuvor eingeübten Schema arbeiten kann. Dennoch gibt es Abläufe: Nach dem Notruf sorgt der Disponent in der Zentrale sofort dafür, dass die schnellste Route berechnet wird und die passenden Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Bei einem Brand beispielsweise schrillt der Brandmelder in der Feuerwehrzentrale und die Durchsage des Disponenten setzt die Einsatzkräfte über den Notfall in Kenntnis. “Wir rutschen klassisch die Stange runter, wie es in den Filmen ist, hauen uns in die Wäsche und fahren los”, schildert Markus Rechberger. Innerhalb von 30 Sekunden sitzen die Männer und Frauen in dem für den Einsatz notwendigen Fahrzeug.
Mit hoher Geschwindigkeit, Blaulicht und lauter Sirene treffen die Einsatzkräfte innerhalb von sieben bis acht Minuten am Ort des Geschehens ein. Dort müssen sie schnell reagieren, um die richtigen Maßnahmen zu treffen: “Grundsätzlich wird erkundet, denn eine gute Erkundung erspart viel Arbeit”, erklärt der Löschmeister. Bei einem Brand passiert das etwa mit Atemschutz, sollte es stark rauchen. Nach der Erkundung ergeben sich laut Rechberger einige Fragen, die die weitere Vorgehensweise beeinflussen: “Muss ein Nachalarm gegeben werden, schafft man das alleine mit der Gruppe oder werden Spezialfahrzeuge benötigt?” Dann geht es ans Löschen.

Die Informationsstation in der Garage der Feuerwache in Lend: Hier gibt es erste Informationen zu Einsätzen – Foto: Philipp Puntinger
In größeren Betrieben beziehungsweise Veranstaltungsstätten wie dem Orpheum unterstützen ausgebildete Brandschutzbeauftrage die Feuerwehrkräfte vor Ort. „Allgemein sind wir an den größeren und bekannteren Stellen in Graz öfter und kennen uns dort auch dementsprechend gut aus. Glücklicherweise sind die meisten Einsätze dort nur Fehlalarme“, erklärt Rechberger. Im Orpheum führt die Berufsfeuerwehr Lend auch Übungen durch. Bei einer Räumungsübung etwa wurde der Bühnenbereich eingenebelt, um einen Brand mit starker Rauchentwicklung zu simulieren. Die Aufgabe der Feuerwehr war es, den Brand zu lokalisieren, zu löschen und die Besucher, darunter Verletzte, nach draußen in Sicherheit zu bringen.

Die Einsatzzentrale der Feuerwache am Lendplatz – Foto: Philipp Puntinger
Zwischen Herausforderungen und Anerkennung
Um in Ernstfällen leistungsfähig zu sein, müssen Feuerwehrmänner und -frauen körperlich gut vorbereitet sein. Die erste Hürde bildet das Aufnahmeverfahren der Feuerwehr, bei dem die grundlegende körperliche Tauglichkeit überprüft wird. Zusätzlich werden die Einsatzkräfte alle ein bis zwei Jahre auf ihre körperlichen Fähigkeiten getestet. Zum regelmäßigen einstündigen Dienstsport können sie zusätzlich in der Kraftkammer trainieren.
Die Feuerwache am Lendplatz verfügt auch über einen zehn Meter tiefen Tauchturm für Unterwasserübungen. Tiefentauchgänge werden einmal jährlich in Kroatien im Meer überprüft und trainiert. “Da zum Einsatzgebiet auch Gewässer, wie die Mur, gehören, haben wir Einsatztaucher, die eine Prüfung ablegen müssen. Um sich auf Aufgaben wie das An- und Ablegen der Tauchausrüstung unter Wasser zu gewöhnen, kann bei uns im Turm trainiert werden”, beschreibt Rechberger. Täglich sind mindestens zwei Feuerwehrtaucher der Berufsfeuerwehr im Dienst, die bis zu einer Tiefe von 40 Meter tauchen können. Auch eine sogenannte “Hitzegewöhnungskammer” wartet auf der Feuerwache. Die braucht es, da bei Wohnungsbränden Temperaturen bis zu 800 Grad Celsius oder in gewissen Fällen noch höhere Temperaturen herrschen können. Der menschliche Körper versucht sich an Hitzeeinwirkungen von außen anzupassen. Dabei steigt die Kerntemperatur ebenfalls an. 42 Grad Körpertemperatur dürfen aber nicht überschritten werden, sonst herrscht Lebensgefahr. In der “Hitzegewöhnungskammer” kann der Körper mit höheren Temperaturen vertraut gemacht werden. “Die Faustregel ist: Spätestens wenn der Helm zu schmelzen beginnt, heißt es sofort raus”, erzählt der Löschmeister über die schwierigen Bedingungen bei Brandeinsätzen.

Markus Rechberger wirft einen Blick in den Tauchturm der Feuerwache Lend – Foto: Philipp Puntinger
Feuerwehrkräfte können also enormen Bedingungen ausgesetzt sein. Bei besonders schwerwiegenden Einsätzen stellt ihnen die Stadt Graz eine psychologische Betreuung zur Verfügung. „Intern können wir aber auch viel bewältigen, denn ein starkes Miteinander und ein gutes Gespräch können viel helfen“, erzählt Rechberger. Gesprochen wird dann nicht nur über Persönliches, sondern auch, wie man einen Einsatz verbessern kann, oder welche Fehler gemacht wurden. Kraft geben die Anerkennung und die Dankbarkeit der Beteiligten.
Titelbild: Löschmeister und Vorsitzender des Dienststellenausschuss, Markus Rechberger – Foto: Philipp Puntinger
Löschmeister = ist ein Dienstgrad, meist Gruppenkommandant
