Ramadan verbindet: Vorfreude auf eine besondere Zeit

Lesezeit: 3 Minuten

Der Fastenmonat Ramadan ist auch für Muslim:innen im Annenviertel eine Herzensangelegenheit. Ein Gespräch mit Sara Elsoudany über gelebte Gemeinschaft und kleine Gesten der Wertschätzung.

Autorinnen: Elisabeth Umbauer, Alissa Tschann

In der Bäckerei Mr. Burek am Griesplatz herrscht reges Treiben, als wir uns mit Sara Elsoudany zu einem Gespräch dort treffen. Sie ist im Vorstand der Muslimischen Jugend Steiermark und gibt uns bei einem gemeinsamen Schwarztee Einblicke in die Fastenzeit. Der diesjährige Ramadan beginnt am 18. Februar. Den Tag über fasten Muslim:innen von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Bei einem gemeinsamen Iftar-Essen brechen sie danach schließlich das Fasten.

Die Vorfreude der Menschen prägt das soziale Leben in 8020: Die große muslimische Community im Annenviertel erlebt gerade jetzt ein besonderes Gefühl von Gemeinschaft. „Man ist füreinander da, ob man sich kennt oder nicht“, sagt Sara. Die Linzerin ist für ihr Pharmaziestudium nach Graz gezogen. Den Ramadan kann sie daher nur selten mit ihrer Familie verbringen. Umso dankbarer ist sie für die gegenseitige Unterstützung und den Zusammenhalt im Viertel. Sie erinnert sich an einen besonderen Moment im letzten Jahr, als sie in einem Kebapladen spontan mit Fremden das Fasten brach. Aber nicht nur die Stimmung verändert sich: In den Geschäften der Annenstraße findet man mehr Datteln, Muslim:innen kaufen am Griesplatz Kleidung für die Festtage und Deko am Südtirolerplatz. Und spätestens zu Ramadan-Beginn werden viele Lokale im Viertel erst am Abend zum Iftar gut gefüllt sein.

MJÖ zeigt gelebte Gemeinschaft

Dieses Gefühl der Gemeinschaft vermittelt auch die MJÖ. Die Muslimische Jugend Österreich ist ein unabhängiger Verein für Jugendliche im Alter von 14 bis 26 Jahren. Die Organisation ist in Graz mit über 2.000 Mitgliedern vertreten. Mit Sommer- und Wintercamps, gemeinsamen Reisen, Workshops und anderen Projekten können sich muslimische Jugendliche in ihrer Community gegenseitig bestärken. Sara, die selbst im Vorstand der MJÖ ist, findet es besonders wichtig, den Jugendlichen ihr Potenzial zu zeigen und sie in ihrer österreichisch-muslimischen Identität zu stärken. Vor allem Jugendliche mit Migrationsgeschichte haben oft das Gefühl, keinen Platz in der Gesellschaft zu haben oder nicht gebraucht zu werden. Die MJÖ gibt ihnen diesen Raum. „Wir zeigen ihnen, was sie alles auf die Beine stellen können und wie wichtig sie sind.”

Fünf muslimische Jugendliche beim Fasten Teilen Helfen Projekt.

„Fasten, Teilen, Helfen” – die Jugendlichen der MJÖ zeigen, was in ihnen steckt. – Foto: MJÖ Steiermark

Ein Herzensprojekt steht jedes Jahr während des Ramadans an: „Fasten, Teilen, Helfen”. Bei diesem karitativen Projekt, das heuer vom 19. Februar bis 19. März 2026 stattfindet, will die muslimische Jugend in gemeinnützigen Organisationen etwas Gutes tun. Denn während des Ramadans sei es besonders bedeutend, sein bestes Ich an den Tag zu legen und gute Taten zu bewirken. Jugendliche der MJÖ besuchen unter anderem Senior:innen in Altersheimen, kochen für bedürftige Menschen und bereiten den Kindern im SOS Kinderdorf eine Freude. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits auf Hochtouren. Sara ist begeistert, dass sich die Jugendlichen so engagiert zeigen: „Man sieht, wie bereit sie sind, an der Gesellschaft mitzuarbeiten, wenn man ihnen den Raum dafür gibt.“ Das Projekt „Fasten, Teilen, Helfen“ bringt junge Muslim:innen mit anderen Generationen und Lebenswelten zusammen, die im Alltag sonst kaum aufeinandertreffen würden. Eine gegenseitige Bereicherung ganz im Sinne des Ramadans. Im Rahmen des Projekts organisiert der Verein auch das größte Fastenbrechen, den Grazer Iftar. Rund 1.700 Besucher:innen feiern am 28. Februar gemeinsam in der Seifenfabrik, auch Nicht-Muslim:innen sind willkommen.

Verzerrte Realität

Der mediale Diskurs rund um Ramadan werde oft hitzig und einseitig geführt. Viele Nicht-Muslim:innen nehmen diese Zeit nur aus den Medien wahr, wo die Berichterstattung meist emotionalisiert oder gar nicht stattfinde. Es fehlen Berührungspunkte mit der muslimischen Community und die Fastenzeit werde stereotyp dargestellt. „Man muss mit uns reden, nicht über uns!“, betont Sara im Gespräch. Sie wünscht sich eine objektivere Berichterstattung, die zeigt was Ramadan für Muslim:innen wirklich bedeutet: eine schöne, besinnliche Zeit des Zusammenkommens. 

Es sind die kleinen Gesten und ehrlichen Fragen, mit denen sich Muslim:innen in Viertel gesehen fühlen. „Nicht jede muslimische Person ist eine Enzyklopädie für den Islam. Wir freuen uns trotzdem über aufrichtig gemeinte Fragen.“ Eine Kleinigkeit zum Fastenbrechen anzubieten oder einen gesegneten Ramadan zu wünschen, sind kleine Gesten der Wertschätzung, die das Gemeinschaftsgefühl während der Fastenzeit noch weiter stärken.

 

Titelbild: In einer Bäckerei am Griesplatz gibt uns Sara Elsoudany persönliche Einblicke in diese besondere Zeit und die Bedeutung der muslimischen Jugend. – Foto: Elisabeth Umbauer

Infobox
Der Grazer Iftar findet am 28.02.2026 in der Seifenfabrik statt.
https://www.seifenfabrik.info/2026/01/06/fastenbrechen-2026/





Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

zwei × 5 =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Vorherige Geschichte

Kunst als soziales Bindeglied

Letzter Post in SOZIALES

Der Lendwirbel lebt!

Der Lendwirbel ist tot – lang lebe der Lendwirbel. Nach Alarmrufen des Orga-Teams im Oktober gibt