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Lachnummer Lagergasse: Ein Meme made in Graz

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Die Eisenbahnunterführung in der Lagergasse in Gries ist dafür bekannt, dass dort regelmäßig Fahrzeuge stecken bleiben. Wie die Straße zum Internet-Meme wurde und was die Stadt zum ständig wiederkehrenden Verkehrsproblem sagt.

Die Faszination für ein unter einer Brücke feststeckendes Fahrzeug mag für Außenstehende seltsam erscheinen. Für die über 62.000 Follower des Instagram-Accounts GrazWellness gehören Bilder davon aber inzwischen zu den willkommenen Abwechslungen  im eigenen Feed. Die Meme-Seite GrazWellness gibt es seit November 2019 und sie postet humorvolle, teils satirische Inhalte, beispielsweise über das Leben in Graz und die Stereotype seiner Einwohner:innen. Seit 2022 befinden sich darunter auch immer wieder Fotos und Videos der Eisenbahnbrücke, die südlich der Karlauerbrücke über die Mur und dann die Lagergasse führt. 

Ein Meme geht um in Graz

Die Fotos schicken User:innen, die in einem entgegenkommenden Auto waren oder – Pech gehabt – im Fahrzeug dahinter, an GrazWellness und versehen sie mit Kommentaren wie „Und täglich grüßt das Murmeltier bei der Unterführung Lagergasse.“ Die Betreiber von GrazWellness, die öffentlich nicht bekannt sind, teilen diese Inhalte dann auf ihrer Seite – mittlerweile gibt es für die Lagergasse auch eine eigene Highlight-Rubrik.

Einige Highlights der Instagram-Seite von GrazWellness – Fotos: GrazWellness Collage: Marlies Lubi

Lagergasse: Ein altes Problem

Die Engstelle hat zwar letztes Jahr auf Instagram neue Aufmerksamkeit erregt, es gab sie aber schon lange, bevor einige der GrazWellness-Follower überhaupt auf der Welt waren. Bereits im Jahr 2005 wies ein damaliger KPÖ-Gemeinderat in einer Anfrage auf das Problem hin. Erst 2012 kam es dann zur Verordnung eines Fahrverbots für Fahrzeuge über 2,80 m. Dieses Verbot ist auch gut sichtbar auf der Fahrbahn sowie an der Eisenbahnbrücke angebracht. Doch ein Jahrzehnt später existiert das Problem immer noch. Immerhin erheitert es jetzt auch einen Teil der Grazer Insta-Community. 

Kein Meme-Ende in Sicht

Auf Anfrage beim zuständigen Straßenamt heißt es, dass die Unfälle „einfach Missachtungen von Fahrverboten bzw. -geboten“ seien. Die Häufigkeit begründet der zuständige Abteilungsleiter Fischer mit dem Möbelhändler XXXLutz neben der Karlauerbrücke und den damit verbundenen Möbeltransportern und ihren Lenker:innen, die wenig Erfahrung mit solchen Situationen hätten. Auf die Frage, ob irgendwelche Maßnahmen zur Lösung des Problems angedacht sind, antwortet er, dass dies aufgrund von baulichen Einschränkungen schwierig sei und es in der Lagergasse wohl nie eine volle Durchfahrtshöhe geben werde. Noch klarer die Antwort auf die Frage, ob ihm das Internet-Phänomen Lagergasse bekannt ist. Sehr trocken: „Nein.“

GrazWellness dürfte das herzlich egal sein, denn ihnen wird dieses Meme wohl noch länger erhalten bleiben. Auf Annenpost-Anfrage bestätigt ein Verantwortlicher der Seite, dass sie keinen Aktionismus für das Problem Lagergasse betreiben, „da diese Unfälle ja meistens ohne Personenschaden ausgehen.“ Im Vordergrund stehe die Unterhaltung.

Die Lagergasse an einem ruhigen Tag – Foto: Marlies Lubi

Interessant: Laut dem polizeilichen Protokollierungssystem gab es 2022 (Stand Anfang Dezember) nur neun derartige Vorfälle. GrazWellness allein erhält jedoch laut eigener Angabe ein bis zwei Einsendungen pro Monat zur Lagergasse. Da könnten auch noch ein paar Unterführungs-Hopplas fehlen, die nicht vor den Augen der Insta-Gemeinschaft stattgefunden haben. Die Vermutung liegt nahe, dass sich manche Lenker:innen, ohne Anruf bei den zuständigen Behörden, selbstständig aus ihrer Situation befreien konnten. Wie es ein GrazWellness-Einsender zu einem Video treffend formuliert hatte: „Luft aus den Reifen lassen, smart move.“

 

Titelbild: Straßenschild in der Lagergasse – Foto: Marlies Lubi

 

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