Die anspruchsvollste Übung, die Bettina Klampfer in ihrem Training demonstriert
Die anspruchsvollste Übung, die Bettina Klampfer in ihrem Training demonstriert – Foto: Max Steibl

Mehr Körperbewusstsein für den neuen Stadtteil

Lesezeit: 3 Minuten

Bewegen, spüren und reflektieren: Bettina Klampfer bietet jede Woche ein kostenloses Training für mehr Körperbewusstsein in der Tennenmälzerei. Damit will sie auch zur Belebung von Graz Reininghaus beitragen.

Autor:innen: Lola Pllana, Max Steibl

Golfbälle zwischen den Zehen, ein Bein auf der Turnmatte, das andere waagerecht zum gekippten Oberkörper. Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Körperhaltung, die Bettina Klampfer vorgibt. Ringsum versucht eine Handvoll Amateuren der Trainerin nachzueifern. Einige schweben im Gleichgewicht, die anderen suchen erst danach. Auch die Annenpost versucht an diesem Tag, sich mit der Grinberg-Methode anzufreunden, die Klampfer als Leitfaden für ihr Training in der Tennenmälzerei in Graz Reininghaus dient.

Körperbewusstsein schaffen

„Wie geht es Ihnen damit?“ Diese Frage stellt Bettina Klampfer nach jeder Übung. Die allgemeine Formulierung lässt ein breites Spektrum an Antworten zu: Einmal ist es das Kribbeln in den Fingern, ein andermal der knackende Nacken oder gar die Müdigkeit, die überhand nimmt. Ziel des Trainings ist es, körperliche Signale wahrzunehmen, sprich Bewusstsein zu schaffen. Hinsichtlich ihres Kraftaufwands sind die Übungen keiner Altersklasse vorbehalten. Sie reichen vom Grimassieren in Rückenlage bis zum Balancieren auf einem Bein. Eine Teilnehmerin des Trainings erzählt, sie integriere Klampfers Fußgymnastik in ihren Alltag: „Im Bus oder an der Supermarktkassa nutze ich meine Zeit effizient, so bleibe ich fit.“ Diese „Wiederholungstäterin“, wie Klampfer wiederkehrende Teilnehmende humorvoll nennt, nutzt das Angebot in der Tennenmälzerei zur Entspannung nach der Arbeit.

Bettina Klampfer ist zertifizierte Praktikerin der Grinberg-Methode. Die Räumlichkeiten der Tennenmälzerei lernte sie als Mitglied des Reininghaus-Chors kennen, der hier probt. Klampfer lebt außerhalb des Viertels und führt hauptberuflich eine Praxis am Hafnerriegel, dort gestaltet sie das Training individuell. „Mit den Sessions in der Tennenmälzerei möchte ich einer überreizten, leistungsorientierten Gesellschaft entgegenwirken“, betont die Praktikerin. Schlüssel dafür sei die Grinberg-Methode – Übungen, die psychosomatische Blockaden ans Licht bringen und lösen sollen. Wichtig war ihr schon immer, Menschen mit ihrer Arbeit eine Freude zu bereiten.

Ein Raum mit einem Tisch in der Mitte mit sechs blauen Stühlen. Gelber Boden, mehrere Pflanzen stehen in den Ecken. Der Tisch war einst ein Ping-Pong-Tisch, aber das Netz in der Mitte wurde entfernt und die Tischbeine ausgetauscht.
Die Räumlichkeiten der Tennemälzerei – Foto: Max Steibl

Bier war gestern 

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Tennenmälzerei Teil der Bierbrauerei Reininghaus, 2021 kaufte die Stadt Graz das denkmalgeschützte Gebäude. Es dient seit Frühjahr 2025 als Sitz des Stadtteilbüros, als Veranstaltungsort und Nachbarschaftstreff. Das Untergeschoss steht zur temporären Miete frei, darüber liegt eine kostenfreie „Community-Ebene“. Die Zwischennutzung der Tennenmälzerei darf zumindest bis 2028 erfolgen, was danach passiert, liegt in den Händen der Stadt Graz. Momentan sind Christina Simmerer, Julia Wohlfahrt und Daniel Huber als Stadtteilmanagement von Graz Reininghaus für das sachte renovierte Gebäude zuständig. Ihr Ziel: Aus einem blinden Fleck im Grazer Stadtbild soll ein lebendiges Viertel für Jung und Alt entstehen.

An der Zwischennutzung gebe es großes Interesse, sagt Simmerer. Schon vor Einzug ihres Teams habe sich eine Gruppe junger Mütter für die Nutzung der „Community-Ebene“ interessiert. Sie spricht von einem Schneeballeffekt: „Beim Eröffnungsfest kommunizierten wir das Angebot, den Rest erledigte die Mundpropaganda und plötzlich hatten wir einen bunten Haufen Kinder im Haus.” Wegen der winterlichen Temperaturen umfasst das Angebot aktuell auch einen Indoorspielplatz. 

Das Herz des Viertels

Mittlerweile spiegelt das Programm die Vielfalt von Graz Reininghaus wider: Schauspiel, Malerei und Bewegung stehen an der Tagesordnung. „Als Stadtteilmanagement tragen wir die Verantwortung, keine Altersklasse auszuschließen”, erklärt Simmerer. Anfangs habe es einen Fokus auf Eltern-Kind-Treffen gegeben, Klampfers Training sei eine willkommene Ergänzung. 

Bettina Klampfer selbst sieht die Tennenmälzerei als Vorbild für den gesamten Stadtteil Graz Reininghaus: „Ich möchte das Viertel einladen, sich ein Beispiel an diesem Gebäude zu nehmen”, so Klampfer. „Was könnten wir erreichen, wenn alle ihr volles Potenzial erkennen?” Sie befürwortet auch den niederschwelligen Zugang für alle, die selbst Zwischennutzungen anbieten wollen. Es gelte das First-Come-First-Serve-Prinzip und die Regel, dass Angebote kostenlos sein müssen. Stadtteilmanagerin Simmerer ergänzt: „Interessierte von außerhalb der Reininghaus Gründe sind natürlich willkommen, den Meldeschein überprüfen wir nicht!“ 

 

Titelbild: Die anspruchsvollste Übung, die Bettina Klampfer in ihrem Training demonstriert. – Foto: Max Steibl

Infobox:

Bettina Klampfer
Wenn man noch mehr über die Grinberg-Methode erfahren möchte:

Website: https://www.lebedeinleben.at/

Email: info@lebedeinleben.at 

Hier findet man alle Informationen zum nächsten Training für Körperbewusstsein: https://stadtteil-reininghaus.at/veranstaltung/von-kopf-bis-fuss-training-fuer-koerperbewusstsein-17/ 

Stadtteilmanagement Graz-Reininghaus 

Hier gibt es noch weitere Veranstaltungen, die in der Tennenmälzerei stattfinden: https://stadtteil-reininghaus.at/

Email: reininghausgruende@stadt.graz.at

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