Ein Brennmeister bei der Arbeit in der Brennerei.
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Schubi Dubi und Potenzerl aus der Prankergasse

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Die Destillerie Franz Bauer hat die Lizenz zur Jägermeister-Produktion verloren. Nun wollen die Brenner aus der Prankergasse mit eigenwilligen Likören und Schnäpse aus eigener Kreation punkten. Doch wie kreiert man einen Schnaps?

Bauer füllt seit 1967 Jägermeister exklusiv für den Auslandsvertrieb des deutschen Unternehmens ab. Ende des Jahres war damit aber Schluss, da sich ein früherer Geschäftsführer das Geschäft geschnappt hat. So setzt die Destillerie Franz Bauer, die erst letztes Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feierte, auf eine Neuausrichtung. Andere Marken wie Angostura oder Berentzen werden aber weiterhin in Lizenz vertrieben.

Das Betriebsgebäude der Destillerie Franz Bauer in der Prankergasse.
Das Betriebsgebäude der Destillerie Franz Bauer in der Prankergasse – Foto: Destillerie Franz Bauer

Wie alles begann

Eigentlich hat die Geschichte des Brennerei- und Destillationsbetriebes im Jahr 1920 in Ehrenhausen begonnen, wo Franz Bauer den Betrieb aufbaute. Wenige Jahre später verlagerte er den Standort nach Graz in die Prankergasse. Das ehemalige Betriebsgebäude der Brauerei Franz Schreiner & Söhne erwarb er 1931/32. „Während des Zweiten Weltkrieges durfte ausschließlich die Wehrmacht beliefert werden. Kurz vor Ende des Krieges traf ein Bombenregen das Unternehmen, der Wiederaufbau dauerte bis 1948, damals entstand die modernste Verschlussbrennerei in Graz“, teilt Marketingleiter Florian Goldegg zur Unternehmensgeschichte mit. Unter Verschlussbrennerei ist die Produktion von Spirituosen zu verstehen, wobei die Brenngeräte während des Herstellungsprozesses vollständig unter zollbehördlichem Verschluss stehen. Man übergab die Firma im Sommer 1961 an die Agricola Getränke GesmbH, ein Tochterunternehmen der Familie H. W. Schlichte.

Heute ist die Destillerie Franz Bauer die letzte noch existierende Destillerie in Graz. Ein Großteil der Produktion findet unterirdisch statt. Spaziert man durch die Prankergasse, erahnt man die wahre Größe der Firma kaum, in der bis vor kurzem noch mehr als zwei Millionen Liter Jägermeister pro Jahr abgefüllt wurden.

Die verschiedenen Schnapskessel der Destillerie Franz Bauer.
Ein Großteil der Produktion findet unterirdisch statt – Foto: Destillerie Franz Bauer

Doch Jägermeister ist nun eben Geschichte. Jetzt will die Firma auch mit Eigenkreationen überzeugen. Dazu brauche man zunächst eine Idee, eine Vorstellung von dem neuen Produkt, erklärt Marktetingmann Goldegg. Die Anforderungen variieren je nach Produkt. Bei der Herstellung eines Schnapses sei weniger Kreativität gefragt, dafür „sehr viel Feingefühl“, erzählten ihm die Brennmeister. Die korrekte Auswahl vollreifer Früchte sei wichtig, weil die für das Aroma verantwortlich sind. Im Vergleich zur Schnapsherstellung sei bei der Entwicklung neuer Liköre mehr Kreativität gefragt. Viele Versuche und Verkostungen würden benötigt, um ein neues, massentaugliches Produkt zu kreieren.  

Besondere Kreationen

Neben klassischen Schnäpsen, Cognac und Whisky finden auch exotischere Kreationen ihren Weg durch die Anlagen der Destillerie. So findet man im Sortiment einen Kürbiskern-Likör namens Green Panther, den Basilikum-Zitronen-Likör Basilico Spritz oder die neueste Schöpfung, den “Latschen Traum” aus der geschützten Latschenkiefer, der den „Geschmack der Alpen” in sich tragen soll und „in Zusammenarbeit mit österreichischen Naturparks” entsteht. „Eine unserer erfolgreichsten Likörkreationen ist unser Schubi Dubi, ein feiner Vanille-Karamell-Sahnelikör. Ein absolutes Verkaufshighlight ist das Potenzerl“, sagt Florian Goldegg. Letzteres läuft im Sortiment unter „freche Likörspezialität”, wobei das „frech” vermutlich weniger auf den Geschmack als auf die spermienförmige Flasche anspielt. Das Besondere des Waldfruchtlikörs Hirschkrah wiederum ist die Kunstfigur am Etikett – erraten, eine Krähe mit Hirschgeweih –, die vom Salzburger Zeichner Michael Ferner stammt.  

Eine Marille wird händisch geteilt.
Die Auswahl und Qualität der vollreifen Früchte ist wichtig für das Aroma – Foto: Destillerie Franz Bauer

Die Herstellung von Spirituosen

Bei der Herstellung von Spirituosen verarbeiten die Brennmeister bei Bauer jährlich bis zu 1,5 Millionen Kilogramm vollreife Früchte zu Maische. Die aus mehreren Schritten bestehenden Brennverfahren haben das Ziel, eine möglichst wohlschmeckende Lösung aus Alkohol, Wasser und Aromastoffen herzustellen. „Am Ende dieser Vorgänge werden im Schnitt aus 100 Liter Raubrand 25 bis 35 Liter Feinbrand gewonnen“, sagt Marketingleiter Goldegg. „Der Herstellungsprozess eines Schnapses ist äußerst komplex.“

 

Titelbild: Ein Brennmeister bei der Arbeit in der Brennerei – Foto: Destillerie Franz Bauer

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