Bunter Bio-Abfall
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Tipps von Expert*innen: Zero Waste leicht gemacht

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Was jede und jeder Einzelne tun kann, um angesichts der Klimakrise seinen Lebenswandel nachhaltiger zu gestalten: Zero-Waste-Expertin Evelyn Rath gibt Tipps für umweltbewusste Annenviertler*innen

Von: Sarah Kirchmayer und Leila Hüller

Im Jahr 2019 produzierte der durchschnittliche Bürger, die durchschnittliche Bürgerin 570 Kilogramm Müll. Was die meisten Menschen davon abhält, müllsparender zu leben, ist, dass sie den Lebensstil für zu anstrengend und teuer halten. Aber muss das so sein? Wir haben uns mit Vortragsrednerin und Zero-Waste-Expertin Evelyn Rath unterhalten, die einige dieser Mythen für uns aufgeklärt hat.

„Zero Waste ist die Kunst der kleinen Schritte“, sagt Evelyn Rath. Es gehe nicht darum, von einem Tag auf den nächsten plötzlich keinen Müll mehr zu produzieren – das wäre sehr unrealistisch. Vielmehr gehe es darum, seinen Müll schrittweise und dafür nachhaltig zu reduzieren. Bei manchen Menschen gehe das schneller als bei anderen. Wichtig sei, sich genauer zu überlegen, was man von dem, was man konsumiert, auch tatsächlich braucht. Und kann man beispielsweise nicht auf Chips verzichten, dann kauft man sie eben nicht täglich sondern nur mehr einmal die Woche. Auch so entsteht weniger Müll.

Dem Zero-Waste-Lebensstil wird auch nachgesagt, dass er teuer und deshalb nur für finanziell besser Gestellte eine Option sei. Das mag auf den ersten Blick so wirken, doch wenn man genauer hinsieht, sieht es anders aus. Kauft jemand etwa öfters Trendmöbel, die nicht lange halten, wird es auf Dauer teurer, als wenn diese Person einmal in hochpreisige Qualitätsmöbel investieren würde.

Unser Zero-Waste-Guide fürs Annenviertel

Für unsere Recherche haben wir uns mit Personen aus der Zero-Waste-Gemeinschaft in Graz in Verbindung gesetzt und sie um ihre Empfehlungen für Leute gebeten, die im Annenviertel nachhaltiger und müllfrei(er) konsumieren möchten. Zu unseren Kontaktpersonen zählten Beatrix Altendorfer, eine der Gründerinnen des Vereins Nachhaltig in Graz, und Zeynep Aygan-Romaner, Architektin und Projektleiterin des Nachbarschaftszentrums Büro der Nachbarschaften. Unser Fazit: Von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Werkzeug oder Bürsten lässt sich im Annenviertel alles in müllsparender Manier erwerben. Die Zero-Waste-Angebote im Annenviertel sind eine wunderbare Ergänzung zu den vielen Geschäften wie etwa dem Dekagramm, die sich in 8010 befinden.

 

Dingeborg – Die Stadtbibliothek der Dinge

Vorbeckgasse 12, 8020 Graz

Mit Dingeborg hat die Stadtbibliothek ihr umfassendes Angebot an Büchern und anderen Medien um 60 praktische Dinge erweitert, die man in der Mediathek in der Vorbeckgasse borgen kann. Der Grund dafür: Je mehr geteilt wird, desto weniger muss der Einzelne für sich konsumieren. So können Ressourcen gespart werden – und niemand hat mehr Dinge bei sich herumliegen, die er nur einmal benötigt und dann nie wieder anfasst. Angeboten wird alles Mögliche von der Schlagbohrmaschinen über Sets zum Slacklinen oder Tischtennisspielen bis hin zu verschiedenen Kameras und einem Heim-Planetarium . Wer bereit ist, beim Dingeborgen mitzumachen, findet hier noch mehr Informationen.

(Link: https://www.stadtbibliothek.graz.at/index.asp?ID=5429)

 

„Ethno“-Lebensmittelgeschäfte im Viertel

Unter Ethno-Lebensmittelgeschäften versteht man oft kleinere Läden, die Produkte aus anderen Ländern anbieten. Diese Geschäfte sind oft Familienbetriebe, von Grazer*innen betrieben werden, die zugewandert sind.  Gerade im Annenviertel findet man diese vermehrt – für Menschen, die Ihren Müllverbrauch reduzieren wollen, sind sie oft eine Goldgrube! In den türkischen, indischen und afghanischen Shops wird meist eine Vielfalt unverpackter Produkte angeboten. Vor allem Obst und Gemüse kann man hier einfach abwiegen lassen und in eigenen Sackerln mit nach Hause nehmen.

 

Bauernmarkt am Lendplatz

Lendplatz, 8020 Graz

Am Lendplatz befindet sich der zweitgrößte Bauernmarkt der Stadt Graz. Produzent*innen  aus der ganzen Steiermark finden sich hier ab 6 Uhr morgens ein, um ihre Waren zu verkaufen. Hier erwarten dich regionales, saisonales Obst und Gemüse, Gebäck und andere Lebensmittel aus Eigenproduktion wie Kürbiskernöl oder selbstgemachte Marmeladen. Das meiste lässt sich ganz einfach in selbst mitgebrachten Körben, Kisten oder Säcken nach Hause transportieren. Aktuell wird hier auch die Markthalle umgebaut, außerdem eröffnen demnächst zwei neue Standln. An einem wird die Glaserei saisonale Lebensmittel im Glas servieren, am andere gibt´s “Gewürze der Welt”.

 

Dogdays of Summer

Volksgartenstraße 4 – 6, 8020 Graz

Fans von Vintage-Kleidung sind hier genau richtig. Dogdays ist  ein Second Hand-Shop, der 2017 in der Josefigasse eröffnete und ein Jahr später in die Volksgartenstraße umgezogen ist. Dogdays bietet ausgewählte Kleidung in guter Qualität und mit einem Hauch vom letzten Jahrhundert an. Das Geschäft hat auch einen Online-Shop.

(Link: https://shop.dogdaysofsummer.at/)

 

Bürsten- und Korbwaren GmbH

Rösselmühlgasse 4, 8020 Graz

Bei der Bürsten- und Korbwaren GmbH handelt es sich um ein Traditionsunternehmen, das bereits im Jahr 1852 gegründet wurde, als Bürstenbinderei noch ein weit verbreitetes Handwerk war. Heute fühlt man sich wie bei einer Zeitreise, wenn man das Fachgeschäft für Bürsten (auch Zahnbürsten!), Besen, Pinsel und Haushaltsprodukte aus Holz betritt. Was die Produkte von denen herkömmlicher Drogeriemärkte unterscheidet: Alles ist plastikfrei produziert. Mehr dazu hier.

(Link: https://nachhaltig-in-graz.at/buersten-und-korbwaren/)

 

 

Infobox

Nachhaltig in Graz: Nachhaltig in Graz ist ein ehrenamtlich geführter Verein, der seit dem Jahr 2017 Grazer*innen, die nachhaltig leben möchten, helfen möchten, an die dafür benötigten Informationen zu kommen. Auf der Website werden zahlreiche Unternehmen in Graz, die ökologisch arbeiten, präsentiert – genauso Initiativen, Projekte und Workshops mit einem Schwerpunkt auf ökologischer Nachhaltigkeit. Der Verein hat sogar eine App veröffentlicht, die Nutzer ebenfalls mit Information, Tipps und Angeboten in Graz versorgt.

(Links: https://nachhaltig-in-graz.at/

https://play.google.com/store/apps/details?id=com.nachhaltigingraz.nig – Android)

Büro der Nachbarschaften: Das Büro der Nachbarschaften wurde im Jänner 2015 gegründet und ist ein Projekt des StadtLABOR in Graz. Sein Ziel ist es, verschiedene Bevölkerungsgruppen, die in der Stadt miteinander leben, zusammenzubringen – Unterschiede in der Herkunft, der finanziellen Lage oder im Bildungsgrad sollen nicht mehr als störend, sondern als positiv empfunden werden. Das BdN bietet dafür Raum für etwa 100 Personen, die sich 7 Tage die Woche kennenlernen, austauschen und ihr Lebensumfeld aktiv miteinander gestalten können.

(Links: http://stadtlaborgraz.at/de/projects)

 

 

[Titelbild: Leila Hüller]

Leidenschaftliche Köchin und Esserin, Rock Musik Liebhaberin, Film und Serien Junkie und Tee Trinkerin, die gerne einmal in die Welt der Literatur abtaucht.

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