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Langes Warten auf Schrebergartenplätze

in POLITIK & WIRTSCHAFT von

Die Nachfrage nach Grazer Schrebergärten ist um ein Vielfaches größer als das Angebot. Das ist  auch im Eggenberger Heimgartenverein Hanuschplatz zu beobachten. Warum stellt die Stadt Graz nicht mehr Flächen zur Verfügung?

Von: Christoph Eisbacher, Marie Essert, Fanny Gasser, Friedrich Hainz

Inmitten von akkurat geschnittenen Hecken, gepflegten Gärten und seinem fußballspielenden Enkelsohn fühlt sich Rene Jones gut aufgehoben. Er ist Obmann des Heimgartenvereins Hanuschplatz, der seit 1924 in Eggenberg 22 SchrebergärtnerInnen ein zweites Zuhause bietet. Viele von ihnen sind bereits pensioniert und schätzen vor allem das Miteinander und Zusammenhelfen. Auch ein paar Jungfamilien sind unter den PächterInnen, die ihre Kleingärten als Rückzugsort vom hektischen Stadtleben nützen. “In einer Parzelle hat der Vater sogar eine Rutsche für seine Kinder gebaut. Man sieht, dass sich hier alle bemühen”, sagt Jones.

Wartelisten gehen über

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stieg die Anzahl der Anfragen bei den Heimgartenvereinen in Graz noch einmal stärker an, erklärt der Obmann Jones. Alleine die Warteliste seines Vereins verlängerte sich im letzten halben Jahr um 8 InteressentInnen, das ist immerhin ein Drittel der Vereinskapazität. Am Beispiel des Hanuschplatzes wird die Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot deutlich: 50 Personen auf der Warteliste und keine Aussicht auf Erweiterung der Anlage. Auch auf Grazer Ebene sieht die Situation nicht anders aus. Schon 2018 sprach der frühere Präsident des Landesverbandes der Heimgärtner Österreichs, Walter Wusche, von 1.000 GrazerInnen auf Wartelisten und 3.000 insgesamt vergebenen Parzellen.

Foto: Christoph Eisbacher

 

Neue Anlagen vor allem Ersatz

Von der Stadtpolitik gibt es keine klaren Signale, die auf eine Vergrößerung der Heimgartenflächen in einem Rahmen hindeuten, die die Wartelisten entscheidend verkürzte. Die Zuständigkeit für die Verwaltung von Grünflächen liegt beim Gebäude- und Baumanagement Graz (GBG). Für den An- und Verkauf sowie die Vermietung von Flächen ist die Abteilung für Immobilien der Stadt Graz verantwortlich.

Im Rahmen der schon 2014 gestarteten Grünraumoffensive kaufte die Stadt im Jahr 2020 am Zahläckerweg 11.000 m2 Grund an, um neue Parzellen zu erschließen. Diese Erweiterung wird zu einem Drittel verlorene Plätze der aufgelassenen Heimgartenanlage Steirischer Panther neben der Tram-Remise in Eggenberg ersetzen, zwei Drittel davon werden neu vergeben. Diese zusätzlichen Flächen werden jedoch nicht ausreichen, um die große Nachfrage zu stillen. Für Rene Jones ist das unverständlich, denn neue Anlagen würden die Stadt Graz nicht teuer kommen: „Für Grünraumpflege wird viel Geld ausgegeben, wir hingegen zahlen Pacht und leisten gratis Instandhaltung“, meint der Vereinsobmann.

Öffentliche Flächen werden priorisiert

Der Präsident des Landesverbandes der Heimgärtner Steiermarks, Horst Ruckenstuhl, erklärt, dass von Seiten des Verbandes ständig auf die limitierten Kapazitäten der Grazer Vereine aufmerksam gemacht wird. “Die letzte Neueröffnung einer Heimgartenanlage liegt über 30 Jahre zurück. Übernahmen von einzelnen Parzellen – die durch die Medien verkündet wurden – waren nur Übersiedlungen von Gärten durch Grundstücksverkäufe der Stadt Graz, aber keine Neuerschließung”, meint Ruckenstuhl, verweist aber auf die Ausnahme der neuen Anlage am Zahläckerweg. Der Abteilungsvorstand für Grünraum und Gewässer der Stadt Graz, Robert Wiener, betont, dass der Schwerpunkt der Grünraumoffensive in der Schaffung öffentlicher Flächen liege: “Aufgrund des Mangels an Flächen im dicht bebauten Stadtgebiet allgemein werden daher öffentliche Freiflächen im Sinne aller priorisiert.”

Für den Präsidenten des Landesverbandes vermitteln Schrebergärten aber ein ganz besonderes Lebensgefühl. Er beschreibt sie als ein paar Quadratmeter Grün für Familien, die in einer Wohnung leben und dennoch auf das “Aufwachsen der Kinder in der Natur”, das “Miterleben vom Setzen einer Pflanze bis zum Ernten des Gemüses” nicht verzichten wollen. Oft bietet schon der Anblick eines fußballspielenden Enkelsohns einen enormen Erholungswert.

 

Titelbild: Rene Jones: „Für Grünraumpflege wird viel Geld ausgegeben, wir hingegen zahlen Pacht und leisten gratis Instandhaltung“ – Foto: Christoph Eisbacher

Sarkastische Grazer Studentin mit Interesse an (fast) allem. Reagiert allergisch auf Ignoranz. Kann gut Zeitpläne erstellen, exzessiv Kaffee trinken und Sätze tausend mal umschreiben.

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