Afrika-Festival 2019 - afrikanische Tänze auf der Bühne
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Verein Chiala: Afrika Festival hoffentlich im August

in SOZIALES von

Das jährliche Chiala Afrika Festival ist für viele ein Fixpunkt im Eventkalender. Wir haben beim Verein nachgefragt, wie es heuer um das Fest steht und was die Corona-Maßnahmen für die Arbeit bedeuten.

Das Vereinslokal von Chiala am Griesplatz ist abgesperrt, ein Mann wartet vor der Tür. Durch die Fenster sieht man die farbenfrohen Wände des Raumes. An zwei Tischen halten die MitarbeiterInnen Beratungsgespräche ab. Eine Plexiglaswand trennt sie von ihren KlientInnen, zusätzlich tragen alle einen Mund-Nasen-Schutz. Geschäftsführer Kamdem Mou Poh à Hom öffnet der Annenpost die Tür – gleich beim Eingang desinfizieren wir unsere Hände. “Heute ist wenig los”, sagt Kamdem, “es gibt Tage, da warten 20 bis 30 Leute vor der Tür.”

Chiala stellt sich auf seiner Homepage als Ort der Begegnung vor. Der Verein bietet unter anderem Sozialberatung für MigrantInnen, Deutschkurse und Workshops an Schulen an. Außerdem leistet Chiala Kulturarbeit: Jährlich veranstalten sie das Afrika Festival und nehmen an diversen Kulturveranstaltungen – wie etwa dem Lendwirbel – teil. Hier und hier berichtete die Annenpost bereits über den Verein und dessen Arbeit.

Büro des Vereins Chiala, Plexiglaswand an den Tischen
Zwischen MitarbeiterInnen und KlientInnen wurden Plexiglasscheiben aufgestellt. – Foto: Anna Papst

Sozialberatung und Deutschkurse in Zeiten von Corona

Die Auswirkungen der Corona-Krise treffen auch den Verein. “An einem ‘normalen’ Tag wäre es kein Problem für uns, täglich bis zu 30 Leute zu empfangen. Jetzt sind wir froh, wenn wir 10 bis 15 schaffen”, erzählt der Geschäftsführer. Zurzeit dürfen sie nur zwei KlientInnen gleichzeitig beraten. “Selbstverständlich befolgen wir die Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen, aber dadurch verlangsamt sich alles”, so Kamdem Mou Poh à Hom.

Die Deutschkurse musste der Verein Mitte März zur Gänze einstellen. Die Möglichkeit, Kurse online anzubieten, gab es nicht. “Von den TeilnehmerInnen haben nicht alle einen Computer zuhause. Weiters ist es sehr kompliziert, einen Beginnerkurs auf A1-Niveau übers Internet abzuhalten.”, erklärt der Geschäftsführer.

Man versuchte aber, mit den KlientInnen in Kontakt zu bleiben. Mit 18. Mai konnte der Verein die Kurse mit rund 90 % der angemeldeten Personen fortsetzen. Natürlich in kleinerem Rahmen: Um genügend Abstand zu gewährleisten, mussten sie die maximale Teilnehmerzahl von 15 auf höchstens sieben reduzieren.

Chiala-Geschäftsfüher Kamdem Mou Poh á Hom sitzt in seinem Büro
Chiala-Geschäftsführer Kamdem Mou Poh à Hom in seinem Büro. – Foto: Anna Papst

Einnahmeausfälle und Kurzarbeit

Die wenigen KursteilnehmerInnen sind ein finanzielles Problem für den Verein. Die Deutschkurse sind sehr günstig und kosten je nach Einkommen zwischen 100 und 300 Euro, damit Menschen aus sozialschwachen Gruppen daran teilnehmen können. Auch weitere Einkommensquellen fallen durch die Krise weg: Chiala bietet kreative Trommelkurse und antirassistische Workshops für Schulen, Jugendzentren und Erwachsene an. Durch die Schulschließungen fielen viele Aufträge weg. Zwar sind die Schulen wieder geöffnet, aber durch den Unterricht in kleinen Gruppen, rechnet der Verein nicht damit, dass heuer noch Workshops stattfinden.

Mit der plötzlichen Schließung Mitte März mussten alle MitarbeiterInnen von heute auf morgen zuhause bleiben. Für zwei MitarbeiterInnen meldete man Kurzarbeit an. Viele arbeiten aber auf geringfügiger Basis, da gibt es diese Option nicht. Derzeit wartet man, ob es weitere Möglichkeiten für Subventionen seitens der Bundesregierung geben wird, um dem Verein das Überleben zu erleichtern.

Afrika Festival 2020 – im August im Augarten?

Umso wichtiger ist es Chiala, dass das Afrika Festival in diesem Jahr stattfinden kann. Derzeit steht das noch nicht fest. Kamdem Mou Poh à Hom sagt: “Wir wollen das Fest unbedingt veranstalten und sind in Verhandlungen mit der Stadt Graz. Größere Häuser können es sich leisten, ihre Festivals abzusagen, für das Grazer Afrika Festival könnte es eine Überlebensgeschichte sein. Derzeit arbeiten wir an einem Sicherheitskonzept und ziehen verschiedene Möglichkeiten in Betracht: Wir könnten beispielsweise den Boden mit Abstandspunkten markieren oder das Festivalgelände einzäunen. Wir werden sehen, ob wir uns das leisten können”

Zum geplanten Termin von 3. bis 5. Juli wird das Afrika Festival nicht stattfinden. Man arbeitet gerade daran, das Event im August abzuhalten. Aufgrund des Umbaus im Augarten wich das Festival im Vorjahr in den Oeverseepark aus. Man hofft, heuer wieder in den Augarten zurückkehren zu können.

Trommeln im Park beim Afrika-Festival 2019
Trommelworkshop beim Afrika-Festival 2019 – Foto: Guenter Floeck

Afrikanische KünstlerInnen in Österreich

Das Afrika Festival will eine Brücke zwischen Österreich und der vielfältigen Kultur Afrikas bauen. Zahlreiche nationale und internationale KünstlerInnen geben Konzerte oder zeigen ihr handwerkliches Geschick. BesucherInnen können bei freiem Eintritt an Workshops teilnehmen und durch die Verkaufsstände des Bazars schlendern.

Welche KünstlerInnen dieses Jahr dabei sein sollten, stand vor Corona bereits fest. Aufgrund der Situation mussten einige aber wieder absagen. “Sobald wir das Okay der Stadt haben, geht alles sehr schnell. Wir haben die Routine für das Fest. Die KünstlerInnen hatten seit März keine Aufträge mehr und wären mehr als glücklich, wieder auftreten zu können.”, so der Geschäftsführer von Chiala.

Corona in Afrika

Verglichen mit Europa ist Afrika schwächer vom Coronavirus betroffen. Europa weist mit einer Bevölkerungsdichte von 0,7 Milliarden Menschen und 1,4 Millionen bestätigen Fällen eine höhere Betroffenheit auf. Auf 1,3 Milliarden Menschen gibt es dort nur rund 163.000 bestätigte Infektionen. Die Zahlen sind aber relativ, da Testungen und Kontrollen auf beiden Kontinenten sehr unterschiedlich durchgeführt werden.

Kamdem Mou Poh à Hom erlebte die Pandemie auf beiden Kontinenten, da er sich Mitte März in der größten Stadt Kameruns, Douala, befand: “Als ich nach Österreich zurückkam, hatte ich einen Kulturschock: Kein Mensch war auf der Straße. Am Vortag war ich noch in Kamerun, da war jeder draußen, ein paar auch schon mit Masken. Nach der Rückkehr war ich in Quarantäne, zum Glück ist nichts passiert.”

 

Beitragsbild: Afrika-Festival 2019; Guenter Floeck

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