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Stand-Up-Paddeln: Ein Sport für Jung und Alt

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Man hat das Gefühl übers Wasser zu gleiten“, erzählt Chris begeistert. Der Sport ist so interessant, weil die Vielseitigkeit gigantisch groß ist. „Jeder kann Stand-Up-Paddeln. Egal wie sportlich oder unsportlich, wie jung oder alt. Man kann es als Sport betreiben, aber auch einfach zusammen fahren gehen und Spaß haben“, erzählt er. „Es geht uns darum, dass Leute das Gefühl erleben.“

Der Wind weht, die Sonne scheint. Es ist Sonntagnachmittag und der Stand-Up-Paddel Sportclub Graz bereitet sich gerade am Murufer auf die nächste Tour vor. Die Boards werden vorbereitet und langsam treffen die Teilnehmer ein. Als Anfänger spürt man ein leichtes Kribbeln im Bauch und weiß nicht genau, was einen erwartet.  

Wir unterschreiben, dass wir Schwimmen können und bringen die Sicherheitsausrüstung an. Danach führt uns Christian Taucher, Präsident des Clubs, in die Materie des Stand-Up-Paddelns ein. Dann geht es auch schon los. Jeder schnappt sich ein Board und trägt es zum Ufer. Vorsichtig knien wir uns darauf und schon „schweben“ wir auf der Mur. Ein schönes Gefühl, aber die Strömung treibt uns flussabwärts. Man muss sofort zu paddeln beginnen.

Auf Knien lässt sich das Gleichgewicht einigermaßen gut halten, doch die größte Schwierigkeit steht uns noch bevor: Das Aufstehen. Mit zittrigen Knien versuchen wir langsam aufzustehen. Und obwohl die Boards nicht leicht kippen, ist es eine Herausforderung. Jedem ist bewusst: Schafft man es nicht: Geht man baden.

Annenpost-Redakteurin Petra beim Selbstversuch - Foto: SUP Sportclub Graz
Annenpost-Redakteurin Petra beim Selbstversuch – Foto: © SUP Sportclub Graz

Den SUP Sportclub Graz gibt es seit Herbst 2018. Als die Kraftwerkspläne fixiert wurden, reichten Dagmar und Christian Taucher ihr Konzept für ihren „Verein an der Mur“ ein. 

Der ganze Körper in Bewegung

Stand-Up-Paddeln ist ein Sport, den jeder mit ein bisschen Übung beherrschen kann. Zu jeder Jahreszeit kann im Fluss gepaddelt werden, das bestätigt auch Chris Taucher. „Wir paddeln das ganze Jahr, es wird auch im Winter nicht kalt. Ich brauche keine Handschuhe und paddle in normalen Laufhosen.“ Der Vorteil beim Stand-Up-Paddeln: Durch das Stehen am Board wird man nicht nass.

Zusätzlich dazu ist beim Paddeln der ganze Körper in Bewegung – ähnlich wie beim Langlaufen. Mit den Beinen muss das Gleichgewicht gehalten werden, während mit dem Oberkörper ebenfalls stabilisiert werden muss und natürlich gepaddelt um vorwärts zu kommen.

Ein anderer Blickwinkel

Der Sport hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Gesundheit und den Körper – die Grazer Natur kann völlig neu entdeckt werden und die Sicht auf die Stadt aus einem anderen Blickwinkel lässt die Landeshauptstadt in einem neuen Licht erstrahlen. „Man sieht Tiere, von denen man nicht gewusst hat, dass es sie in Graz gibt“, erzählt Dagmar Taucher von ihrer Begegnung mit Bibern in der Mur. Durch das Stehen am Board hat man eine andere Perspektive als beim Kanu oder Kajak fahren. Im Sitzen spiegelt sich das Wasser – im Stehen kann man hineinschauen.

Vom Anfänger bis zum Profi

Für Anfänger werden, meist wochenends Mur-Touren angeboten. Und es gibt auch Kinderkurse. „Hier haben wir eine eigene Ausbildung kreiert, bei der Kinder Prüfungen machen können, um sich so in der Vereinsleiter nach oben zu arbeiten “, erzählt Dagmar . Das Arbeiten mit Kindern und Schulen sehen sie und Christian auch als großen Bereich in der Zukunft.

Mur-Touren - auch für Anfänger - Foto: © SUP Sportclub Graz
Mur-Touren – auch für Anfänger – Foto: © SUP Sportclub Graz

Abseits der Touren und Kinderkurse bieten sie auch Teambuildings an. Auf einem Board, wo sechs Personen und der Guide Platz finden, ist gute Zusammenarbeit essentiell. „Es kann jeder mitmachen, aber man kommt nur voran, wenn man wirklich gut zusammenarbeitet“, erzählt Dagi, wie sie hier von allen genannt wird.

„Für die meisten ist es ein bisschen eine „Out-of-Comfort-Zone“-Situation“, erklärt Chris. Für viele ist die Mur immer noch weit weg, gefährlich und teilt die Stadt in zwei Seiten. „Für die Leute ist es dann immer sehr spannend, auf die Mur zu gehen und hinunterzufahren, ohne genau zu wissen, was sie erwartet. Obwohl es eigentlich ungefährlich ist, kommt immer etwas Adrenalin auf“, erzählt Chris weiter.

Das Verletzungsrisiko beim Stand-Up-Paddeln ist grundsätzlich sehr gering. Hat man nicht gerade Pech und fällt auf einen Baum oder Stein im Wasser. Die größten Gegner beim Stand-Up-Paddeln sind der Wind und die Strömung. Empfohlen wird deshalb auf See und Meer immer eine Leash, eine Verbindungsschnur zwischen Board und Paddler, zu benützen. Diese verhindert, dass das Board, sollte man herunterfallen, vom Wind abgetrieben wird. Im Fluss ist die Strömung das Gefährliche. Beim Stand-Up-Paddeln im Fluss sollte daher niemals eine Leash verwendet werden, da diese sich in Bäumen oder Steinen verfangen könnte.

Die besten Stand-Up-Paddler Österreichs

Die mittlerweile über 50 Mitglieder des Clubs trainieren unterschiedlich oft. Profiathleten, die auch an Wettbewerben teilnehmen, trainieren täglich – und das manchmal sogar mehrmals. Obwohl Österreich im SUP zu den Spätstartern gehört, gibt es bereits seit zehn Jahren den österreichischen SUP-Verband, ASF – Austrian SUP Federation. Jährlich werden vom ASF auch Wettbewerbe in Österreich – vom Neusiedlersee bis zum Bodensee – veranstaltet.

Dabei gibt es unterschiedliche Bewerbe und Disziplinen. Am weitesten verbreitet in Österreich ist die Disziplin Long Distance. Hier starten alle, wie bei einem Marathon, zugleich und legen eine gewisse Distanz zurück. Wer als Erster im Ziel ist, hat gewonnen. Eine weitere Disziplin ist der 200m-Sprint und die ursprünglichste Form ist das Technical Race. Diese Disziplin ist vor allem in Küstenstaaten weit verbreitet. Hierbei müssen gewisse Kurse absolviert werden und es kommt sowohl auf das Paddeln als auch auf das Surfen an.

Als Verein hat der SUP Sportclub Graz 2019 auch die Vereinswertung gewonnen – und das beim ersten Antreten. „Das war ziemlich außergewöhnlich“, sagt Chris Taucher. Bei den österreichischen Meisterschaften bewiesen sie ebenfalls ihr Können. Sowohl Mitglieder des Vereins, die bereits davor gepaddelt sind, als auch Quereinsteiger wurden schnell auf ein sehr hohes Level gepusht.

Chris Taucher gewann bei den österreichischen Meisterschaften in allen Disziplinen. Auch bei den Junioren wurden alle Meistertitel gewonnen. Bei den Damen gab es ebenfalls im Bereich der Juniorinnen Titel mit nach Hause zu nehmen. Nach diesen Erfolgen durften Chris Taucher und Mika Mayerhofer im Oktober 2019 sogar zur Weltmeisterschaft des ICF, International Canoe Federation, fahren. „Wir waren dort eigentlich auch nicht so schlecht. Das war fast ein bisschen überraschend“, gibt Chris Taucher zu, der selbst im Technical Race Inflatable Siebenter wurde und bei den restlichen Rennen immer die Top 30 erreichte. „Das war wirklich OK für österreichische Binnenpaddler. Wir waren die ersten Österreicher, die dabei waren.“

SUP Sportclub Graz

Der SUP Sportclub Graz ist ein gemeinnütziger Verein und kein Verleih.
Eine Mitgliedschaft kostet 20 € im Monat und du kannst so oft du willst trainieren.

SUP Sportclub Graz
8020 Graz

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