Beim Spielekreis Graz trifft sich jung und alt, um das analoge Spielen zu erhalten.
Lesezeit: 3 Minuten, 17 Sekunden

Wenn das Spiel die Gesellschaft formt

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Wenn sich der Spielekreis Graz im Lendhotel trifft, ist die Geselligkeit am Zug. Kegel bewegen sich über Bretter, Spieler ziehen Karten und plaudern. Dabei steht neben Würfel und Karten vor allem die Bewahrung analoger Spiele im Zentrum.

Konzentrierte Blicke ruhen auf dem Spielfeld. Wohin geht der nächste Zug? Der Würfel bringt Gewissheit – es ist ein Symbol zu sehen. Folglich wird eine Figur in die Mitte des Feldes gestellt, der Spieler erhält eine Aktionskarte und eine Startrampe für die eigene Tech Card”. Auf den ersten Blick erahnt der Zuschauer nicht, was hier gespielt wird, aber das geht den Mitspielenden genauso. Sie erklären einander das Spiel. Die Teilnehmer des Spielekreis Graz im Lendhotel sollten jedenfalls offen für Neues sein. Jedes Mal werden neue Spiele ausprobiert und auf Herz und Nieren getestet.

Spiegelbild der Gesellschaft

Seit Februar 2004 gibt es den Spielekreis Graz, seit 2017 trifft man sich im Lendhotel. Regelmäßig im Zwei-Wochen-Zyklus findet sich die Community von 10 bis 20 Leuten zusammen, um gemeinsam neben den neuesten Brettspielen auch ältere Games zu spielen. 

Dieses Mal hat Organisator Andreas Gabler über 60 Spiele mitgebracht. Das ist nur ein Bruchteil seines Inventars: über 1000 Gesellschaftsspiele hat der gebürtige Bayer zu Hause. Seit über zehn Jahren kommt Andreas regelmäßig zum Spielekreis und sieht im analogen Spielen mehr als nur den Spaß: „Jeder Mensch hat seinen Charakter und der offenbart sich beim Spielen”. Die Gruppe könnte unterschiedlicher nicht sein: Vom Elektriker bis zur Psychologin, von jung bis alt eint alle die Liebe zum Spiel. Der Frauenanteil ist noch ausbaufähig, Absicht ist das jedoch keine – jeder wird mit offenen Armen empfangen.

Das Wort „Gesellschaft” finde sich nicht umsonst in „Gesellschaftsspiel” wieder, erklärt Andreas. Leute reden, diskutieren, und lachen miteinander. Alles Emotionen, die man vor einem Bildschirm nicht so direkt erleben und vermitteln kann. Deswegen ist für Andreas auch „ein Smiley am Computer nicht so viel Wert wie das Lachen eines Menschen”.

Sammlung an mitgebrachten Spielen von Andreas Gabler
60 Spiele hat Andreas Gabler zum Spielekreis mitgebracht – Foto: Lukas Lorber

Freundschaften durch den Spielekreis

So sehen das auch Patric und Manuel. Beide haben einen technischen Beruf und besuchen den Spielekreis seit einem Jahr regelmäßig. Sie sind wirkliche Spiele-Fans und könnten fast täglich Brettspiele spielen. Die Gründe, warum sie immer wieder zu den Treffen kommen, sind die Vielfalt an Spielen und die „lustige Runde” mit der man oftmals bis nach Mitternacht spielt. In der Gruppe haben sich auch Freundschaften entwickelt und die Leute treffen sich auch außerhalb des Spielekreises zum gemeinsamen Spielen. „Die Gruppe organisiert sich selbst. Durch den Spielekreis entstehen Beziehungen,” freut sich Andreas.

Trotzdem kommen sie regelmäßig ins Lendhotel, um auch Neuerscheinungen auszutesten. Denn ein Vorteil des Spielekreises ist, dass die Leute nicht gleich jedes Spiel kaufen müssen, sondern vorher neue Games ausprobieren können.

Die Teilnehmer des Spielekreises spielen ein Brettspiel
Egal ob Karten- oder Brettspiel: Beim Spielekreis steht die Vielfalt im Vordergrund – Foto: Lukas Lorber

Schachmatt durch Online?

Obwohl das analoge Spielen einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten soll, sind die Gegebenheiten dafür nicht vielversprechend. Der Stellenwert von Brettspielen könnte höher sein, die Fachberatung im Einzelhandel hat nicht mehr einen so starken Bezug zu den Spielen selbst. Keine Konkurrenz ist laut den Teilnehmern des Spielekreises jedoch das Online-Gaming. Controller und Tastatur werden das analoge Spielen „nicht ablösen”. Schlussendlich ist die „Art des Spiels anders” oder wie es Andreas formuliert: „Es macht einen Unterschied, ob man Musik macht oder Musik hört”. Was das klassische Brettspiel betrifft, ortet die Gruppe sogar einen Boom. Große wie auch kleine Verlage bringen immer wieder neue Spiele auf den Markt. Die Finanzierung passiert oft über Crowdfunding.

Die Zeit vergeht sehr schnell. Draußen ist es schon dunkel, in der Lobby des Lendhotels war an diesem Tag auch schon mehr los. Aber der Spielekreis sitzt noch immer beisammen. Egal ob jung oder alt – jeder ist willkommen und wird sofort integriert. Die Gruppe sorgt dafür, dass gute Stimmung herrscht. Denn wie Andreas Gabler selbst sagt: „Beim Spielen kommen die Leut‘ zsamm”.

Infos zum Spielekreis Graz

Die nächsten Spielekreise

  • 10.1.2020
  • 24.1.2020
  • 7.2.2020

Teilnahmegebühr für einen Spielekreis: 3 €

Jahresgebühr für die Teilnahme an allen Spielekreisen: 36 €


Die Top 3-Spiele von Spielekreis-Organisator Andreas Gabler

  1. Funkenschlag – Brettspiel von Friedemann Friese. Jeder Spieler repräsentiert einen Stromkonzern, der Städte mit Strom versorgt. Dabei müssen die Stromversorgung sowie das Stromnetz sichergestellt werden. Das Besondere am Spiel laut Andreas Gabler: Es ist selbstregulierend und das Spiel bleibt bis zum Ende hin spannend.
  2. Stone Age – Ein etwas älteres Spiel, das sich aber gut für den Einstieg in anspruchsvollere Spiele eignet. Als Spieler wird man in die Steinzeit versetzt. Sie sammeln Holz, Stein, Eisen, Gold und tauschen dieses ein, um das eigene Dorf zu erweitern.
  3. Azul – Das Spiel des Jahres 2018 zeichnet sich als Legespiel für die ganze Familie aus. Das Ziel ist es, die Wände des portugiesischen Königspalastes mit Mosaiken zu verzieren. Überblick behalten und Taktik verfolgen, stehen hierbei im Vordergrund.

 

Südoststeirischer Optimist mit gesundem Ehrgeiz. Findet Sport, Politik und Gulasch mega lässig. Alles in allem recht pflegeleicht und selten schlecht gelaunt.

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