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Interkultureller Kindergarten: Wie Zusammenleben funktioniert

in SOZIALES von

Im Interkulturellen Bildungsgarten lernen Kinder aus 17 Nationen Zusammenleben und Toleranz. Den Erwachsenen haben sie dabei einiges voraus. Ein Besuch anlässlich des Internationalen Tages der Migration

von Manuel Deutschmann & Fabian Legerer

Es ist kurz nach Mittag im Interkulturellen Bildungsgarten im Grazer Bezirk Gries. Kinder aus verschiedenen Nationen – von Slowenien bis Japan – laufen und toben gemeinsam im Turnsaal. Nebenan durchleben andere mit einem Spielzeugauto gerade ihre selbst erzählte Fantasiegeschichte. Für sie macht es keinen Unterschied, ob ihre Freunde aus Graz, Kroatien oder Nigeria kommen.

Die Pädagogin Brigitta Friedrich gründete 1992 den Bildungsgarten in Graz. Es war der erste interkulturelle Kindergarten mit muttersprachlicher Begleitung in der Steiermark. Zu Beginn gab es nur eine Gruppe aus sechs österreichischen Kindern sowie sechs Kindern aus anderen Ländern. Heute bietet der Bildungsgarten 50 Kindern aus 17 Nationen die Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen, auch Verständnis und Akzeptanz werden groß geschrieben. Das siebenköpfige Team rund um Leiterin Sandra Meiser-Lang ist  genauso durchgemischt wie die Kinder  – die BetreuerInnen stammen unter anderem aus Togo, Mexiko und Österreich.

„Vor allem die Quotenlösung bei der Aufnahme der Kinder unterscheidet uns von anderen Kindergärten”, so Leiterin Meiser-Lang. Ein Drittel der Kinder hat Deutsch als Muttersprache, ein weiteres Drittel stammt aus einem mehrsprachigen Haushalt und ein Drittel spricht nur sehr wenig Deutsch. Die Integration sei dadurch viel einfacher. Außerdem gibt es keine fixen Gruppen. Das bedeutet für die Kinder, dass sie viele Freiheiten haben. Spielen können sie wie, wann und mit wem sie wollen.

Team des Bildungsgarten
Das interkulturelle Team unterstützt die Kinder auf ihrem Weg ins Leben – Foto: Interkultureller Bildungsgarten Graz

Von Festen und Hürden

Der Alltag unterscheidet sich wesentlich von jenem in anderen Kindergärten. Obwohl auch die Betreuerinnen und Betreuer aus verschiedenen Ländern stammen, kommt es vor, dass auch sie  Sprachen der Kinder wenig oder gar nicht verstehen. Das erschwert natürlich den Alltag auf beiden Seiten. Die Kommunikation mit den Eltern sei da ganz wichtig, sagt Meiser-Lang. Die Kinder sollen keine Angst haben, die Betreuer auch mal an der Hand zu nehmen und zu zeigen, was sie wollen.

Das Bildungsgarten-Team bezieht auch die verschiedenen religiösen Feste mit ein. „Ramadan ist zum Beispiel für muslimische Kinder sehr wichtig, so wie es eben für uns das Weihnachtsfest ist.” erklärt Meiser-Lang. Da sich die Gruppen jedes Jahr ändern, wechseln  auch die Nationalitäten und Feste. Das Team versucht, sich immer den Kindern anzupassen. „Das ist zwar für alle sehr fordernd, man kann aber wirklich immer etwas Neues lernen.”

 Kinder sind mit Vorurteilen konfrontiert

So offen wie im Kindergarten ist die Welt draußen leider  nicht immer”, erzählt Meiser-Lang. Es komme vor, dass die Kinder bei Ausflügen auf wenig Akzeptanz stoßen: „Von Leuten, die nicht wollen, dass die Kinder in der Bim sitzen, bis hin zu rassistischen Äußerungen hatten wir schon alles.” Vor allem Kinder mit anderer Hautfarbe seien mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert. Deswegen sei es auch sehr wichtig, den Kindern so früh wie möglich andere Kulturen und Religionen näher zu bringen. Meiser-Lang: „Wir bekommen sehr viele Rückmeldungen von Schulen, dass die Kinder aus unserem Kindergarten sehr sozial im Miteinander sind. Diese Art von Feedback bestärkt uns immer wieder in unserer Arbeit.”

 

Infos zum Internationalen Tag der Migration

Am 18. Dezember 2000 wurde erstmals der Internationale Tag der Migration von den Vereinten Nationen (UN) ausgerufen. Der Tag soll darauf aufmerksam machen, dass es viele Menschen gibt, die ihr Zuhause verlassen haben und jetzt woanders leben

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