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Hard and Special – Moshpits statt flexen

in KULTUR von

Die “Hard and Special”-Partys feiern am 17.05. ihr einjähriges Jubiläum. Der Veranstalter Matthias Nebel erklärt, was hinter den Veranstaltungen in der Postgarage steckt und wie es in Zukunft weitergehen soll.

Als Musikliebhaber habe Matthias Nebel schon alle möglichen Events besucht, vom Heavy-Metal Konzert bis zum Jazzabend, erzählt er. Bei HipHop-Events sei er aber nie richtig warm geworden: “Ich hatte bei den allermeisten HipHop-Partys immer das Gefühl, die meisten Leute sind da, um ihre teuren Klamotten herzuzeigen und damit anzugeben, wie viele Flaschen (Anm.: teuren Alkohol) sie sich leisten können. Sozusagen zum Flexen und nicht wegen der Musik.” Genau das wollte der 23-Jährige ändern und so kam es zur Idee von “Hard and Special”. Es soll eine HipHop-Party sein, bei der die Musik im Vordergrund steht und die abseits vom Mainstream stattfindet.

Harte Beats und Lokalmatadore

Um seine Idee in die Tat umzusetzen, brauchte Nebel als allererstes eine Location. Er entschied sich für die Postgarage, da diese neben einer super Soundanlage auch das “Underground-Feeling” habe, dass er sich für sein Event wünscht. “Hard and Special will nicht in einen Schicki-Micki Club.”

Das liegt wohl vor allem daran, dass der Name auch Programm ist. Denn die Songs, die Nebel auf seinen Partys spielen lässt, haben für HipHop-Verhältnisse einen harten Sound. Vor allem Musik aus der amerikanischen Underground- und Soundcloud-Szene findet sich in der Playlist. Auch, wenn deren Vertreter weit über Subgenres von Cloud-Rap bis Trap Metal gestreut sind, eines haben sie alle gemeinsam. Es geht um “Turn-up”, wie es der moderne HipHop-Slang bezeichnet. Soundtechnisch bedeutet das vor allem dröhnende Bässe, harte Drums und Rap-Parts, die nach vorne gehen. Bei Künstlern wie Scarlxrd erinnern die Strophen schon mehr an Heavy-Metal als an klassischen Sprechgesang.

Dass dieser Sound nicht für jeden etwas sei, ist sich Nebel bewusst, aber darum gehe es auch gar nicht, sondern darum, eben dieser speziellen Musik auch eine Plattform zu bieten. Das will er auch für lokale Künstler tun. So ist das Grazer Cloud-Rap-Duo Source 45 seit der ersten Ausgabe Stammgast auf der Bühne und sie feierten bei Hard and Special III sogar den Release ihrer ersten EP. Diesen Freitag wollen neben ihnen auch der Grazer J2K und die Wienerin Samira Dezaki versuchen das Publikum für sich zu begeistern.

Gute Stimmung bei Hard and Special – Foto: Oliver Herz

Die Geburtsstunde von “Hard and Special”

Als Nebel im Mai letzten Jahres die erste Party veranstaltete, habe er sich nicht getraut, mit mehr als 100-150 Leuten zu rechnen. Umso größer sei die Überraschung gewesen, als der komplette 2nd Floor der Postgarage voll war. Das sind etwa doppelt so viele Besucher, als er erwartet hatte. Auch das Feedback sei großartig gewesen: “Bis heute schreiben mir Leute immer wieder, dass es endlich Zeit wurde für eine solche HipHop-Party.” Deshalb fasste er auch den Entschluss mit seinem Format weiterzumachen. Ein Jahr später sieht er die erste Party als den größten Erfolg und den Grundstein für das, was aus “Hard and Special” wurde.

Am Anfang gab es bloß das Problem, einen passenden Termin zu finden, alles andere habe sich leicht lösen lassen. Für die Finazierung seiner Events ist Nebel außerdem gerade auf der Suche nach Sponsoren. Ob und wieviel Profit er macht ist ihm aber nicht so wichtig: “Es geht eh nicht ums Geld, sondern darum, dass wir eine geile Party feiern können.”

Erst Wien dann ganz Österreich

Mit der mittlerweile fünften Ausgabe feiert die “härteste HipHop-Party Österreichs”, wie Nebel sie auf Facebook bewirbt, ihr einjähriges Bestehen. Den Erfolg der Veranstaltung erklärt er sich vor allem dadurch, dass jener härtere HipHop-Sound den “Hard and Special” repräsentiert, sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Weil es so gut funktioniert, will er nun auch in Wien sein Glück versuchen, am 6. Juli wird dort im Club Flex zum ersten Mal hart und speziell gefeiert werden. Auch in Kärnten soll die Veranstaltungsreihe in naher Zukunft expandieren. Am liebsten würde er dieses Feeling, das auf den Grazer Partys entstanden sei, nach ganz Österreich transportieren. Events in Salzburg, Linz und Innsbruck wären ein Traum. Aber vorerst wird es wohl einer bleiben, denn noch ist Matthias Nebel eine One-Man-Show. “Ich brauche natürlich auch Zeit für meine Partnerin, meine Freunde und meinen Hund. Außerdem muss ich auch ganz normal 40 Stunden die Woche arbeiten”, sagt er. Aber das Bestreben, ganz Österreich mit Partys zu versorgen, bleibt. Wenn er geeignete Partner finde, die ihm dabei helfen, sei es ihm auch egal finanzielle Abstriche zu machen, denn es gehe eben um das Feeling. “Bei uns entstehen einfach mal so spontan Moshpits, das habe ich auf solchen Flexer-Partys nie erlebt”, sagt Nebel. Wahrlich findet man solche Tanzkreise eher auf Musikfestivals, als in Clubs.

Matthias Nebel hat also noch einiges vor mit “Hard and Special”. In Graz will man auch versuchen, monatlich den 2nd Floor der Postgarage zu füllen. Bei all diesen Plänen wünscht er sich am meisten, dass die Stimmung an den Abenden so bleibt, wie sie ist. Auch soll bei seinen Events immer die Musik im Vordergrund stehen. Also alles “for tha culture”, wie die Amerikaner sagen.

Gemütlicher Boy aus dem Herzen des Salzburgerlands. Hiphop und Fashion-Liebhaber. Außerdem beschäftige ich mich gerne mit Politik, Sport und der europäischen Weinkultur.

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