Die Mitglieder von Court Culture am Lendwirbel
Lesezeit: 3 Minuten, 31 Sekunden

Mit einem Klick zum Sportplatz

in SPORT von

Graz bekommt eine interaktive Sportkarte. Nach einem Jahr der Konzeption und Entwicklung ging die Progressive Web-App von Court Culture in einer Beta-Version online.

Von Florian Niedermair und Walburga Plunger

Nie wieder allein am Fußballplatz oder vor der Tischtennisplatte stehen. Sich unkompliziert mit jedermann zum Sport verabreden. Gemeinsam Freude am Sport haben. Dafür soll die interaktive Sportkarte von Court Culture sorgen.

Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine Webkarte – auf Grundlage von Google Maps – auf der öffentliche Sportplätze markiert sind. Auf den ersten Blick kann man jedoch nicht nur sehen, wo sich die Sportstätte befindet, sondern auch erkennen, welchen Sport man dort machen kann und welche anderen SportlerInnen gerade dort Sport betreiben.

Es gibt mehr öffentliche Sportplätze, als man denkt

Die treibende Kraft hinter Court Culture ist Torben Hecht. Der Hannoveraner, der schon seit ein paar Jahren im Lend wohnt, verbrachte das letzte Jahr damit, ganz Graz abzuradeln und öffentliche Sportplätze zu suchen. Insgesamt fand er 55 Fußballplätze, 26 Basketballplätze, 26 Tischtennisplatten, 9 Volleyballplätze, 8 Tennisplätze und 7 Skate-Anlagen – einige der Plätze liegen auch im Annenviertel.

Ein Ausschnitt aus der interaktiven Sportkarte zeigt Graz
Auch viele Annenviertler Sportplätze scheinen bereits in der Karte auf – Foto: Walburga Plunger/ www.courtculture.cc

Noch fehlende Anlagen können von NutzerInnen ergänzt werden. Es sind sogar schon einige Plätze in Deutschland, Spanien oder Südostasien eingetragen.
Außerdem kann man bereits sein persönliches Profil erstellen. Die Registration kann man auch über einen Facebook- oder Google-Account durchführen. Danach ist es möglich, sich nur seine Lieblingssportarten anzeigen zu lassen. Momentan befinde sich die Karte aber noch in der Beta-Phase, sagt Torben Hecht, der eigentlich Bauingenieur ist und gerade seine Masterarbeit schreibt.

Was soll die zukünftige Alpha-Version können?

Wenn alles fertig ist, soll jeder Sportplatz wie eine Gruppe aufgebaut sein, der man beitreten kann. Der/Die NutzerIn kann händisch eintragen, wann er/sie am Sportplatz ist, woraufhin sich die Stecknadel in der Karte grün verfärbt. Dadurch ist mit einem Blick sichtbar, wo sich gerade potenzielle MitspielerInnen aufhalten. Der Verwendung der eigenen Standortinformationen kann man zustimmen, muss man jedoch nicht.

Es wird künftig auch ein Forum für jeden Sportplatz geben, in dem man chatten kann, und die Möglichkeit hat, sich in der Progressiven Web-App anzufreunden. Auch an Plänen für weitere Funktionen und Features mangelt es nicht. “Ich hab schon so viel entworfen und teilweise viel zu weit gedacht. Wenn man in diesem Ideenfluss ist, dann lässt man einfach alles raus”, sagt Hecht. Verraten will er jedoch derweil noch nichts. Der erste Schritt sei es, die Programmierarbeiten zu beenden. Danach sollen auch die NutzerInnen mitentscheiden, welche neuen Anwendungen es geben soll. Der Austausch mit Nutzern sei wichtig, meint Hecht. “Es macht ja keinen Sinn, etwas zu programmieren, was danach niemand braucht oder will. Court Culture versteht sich als Bewegung, die von den Menschen mitgestaltet werden soll.”

Wenn man auf einen Sportplatz klickt scheinen Eintragungen, Infos und Forum auf
Ein Klick auf den Sportplatz lässt Eintragungen zu und führt zu Infos und Forum – Foto: Florian Niedermair/ www.courtculture.cc

Ebenfalls geplant sind Push-Benachrichtigungen, die die Nutzer motivieren sollen, hinaus zu gehen und Sport zu machen. Torben Hecht könnte sich diese gut in Zusammenhang mit einer Temperaturanzeige vorstellen. Das Ziel von Court Culture ist es nämlich nicht, einfach eine Web-App zur Verfügung zu stellen, sondern sie wollen den Menschen auch die Möglichkeit geben, kostenfrei Sport zu machen. Um gemeinsam mit anderen Menschen Sport auszuüben, müsse man aktuell Kurse buchen oder einem Verein beitreten, meint Torben Hecht. “Und dafür wollen wir einfach ein Gegenwind sein, sozusagen als kostenlose und spontane Alternative”, sagt er. Alle sollen die Chance bekommen, mit anderen Menschen auf öffentlichen Sportplätzen zusammenzufinden.

Freiwilliger Einsatz für den Sport

Hecht rechnet damit, dass die Web-App bis zum nächsten Frühjahr komplett fertig wird, im Idealfall schon bis zum Ende des Sommers. Bis dahin soll sie natürlich beständig erweitert werden. Zum Beispiel auf weitere Städte in ganz Europa. In Zukunft will Court Culture auch aktiv auf Städte zugehen und mit ihnen als Partner zusammenarbeiten, um sie in die Karte mit einzubeziehen.

Das gesamte Team arbeitet in seiner Freizeit an dem Projekt, jedoch bemüht sich Court Culture gerade um Förderungen durch die Stadt Graz, die den Entwicklungsprozess erheblich erleichtern würden. Ideen dafür, wie das Projekt in Zukunft finanziert werden soll, gibt es bereits, gesichert sind diese jedoch noch nicht. Torben Hecht dachte an “Platzfreunde” für einige Sportplätze in Graz, also Unternehmen, die dort Werbeplakate aufhängen dürfen und nach dem Vorbild von großen Sportstadien auch namensgebend für den Platz sein könnten. Auf der Website selbst würden sich auch Werbeeinschaltungen anbieten, übertreiben will es Court Culture damit aber nicht. Die Kosten, die im Zusammenhang mit dem Projekt auftreten, werden momentan noch vom Team selbst getragen.

Kicken im Park

Für all jene, die nicht warten wollen, bis die App voll durchstartet, lädt Court Culture in Zusammenarbeit mit dem Verein ANNENViERTEL einmal wöchentlich zum Fußballspielen ein. Seit Mitte April veranstalten Torben Hecht und sein Team für alle Interessierten jeden Donnerstag um 18 Uhr “Kicken im Park”, das jeweils abwechselnd auf dem Fußballplatz im Volksgarten und auf der Marienwiese stattfindet.

 

Beitragsbild: Court Culture

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