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Frauenpower mit Nadel und Faden

in SOZIALES von

In der Nähwerkstatt frei_Stil in der Belgiergasse finden Frauen beim Nähen zurück in den Arbeitsmarkt. Und im neuen Shop finden Besucher bunte, in Handarbeit gefertigte Taschen und verschiedenste Kleidungsstücke.

Ratternde Nähmaschinen, das Geräusch der Scheren, die durch bunte Stoffe schneiden – in den Räumen des Vereins ERfA (“Erfahrung für Alle”) kann man zuhören, wie Neues entsteht. In der Nähwerkstatt werden Röcke, Stirnbänder und vieles mehr in Handarbeit gefertigt. Im Ende November offiziell eröffneten Shop kann man die Einzelstücke nun auch gleich kaufen. Auf jedem der kleinen Preisschilder steht der Name der Künstlerin, die das Produkt gefertigt hat. “Manuela” näht offenbar besonders gerne Taschen.

Jedes Stück ist ein handgemachtes Unikat
Jedes Stück ist ein handgemachtes Unikat – Foto: Ricarda Martinek

Starke Frauen durch starke Leistungen

Der Verkauf der Produkte steht in der frei_Stil-Werkstatt allerdings bloß an zweiter Stelle. “Wir machen, was uns gefällt”, sagt Projektleiterin Cornelia Bâ. In erster Linie soll den Frauen hier der (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden. Und sie sollen spüren lernen, was in ihnen steckt. “Empowerment”, sagt Bâ. Die Frauen bekommen hier direktes Feedback von KundInnen. Auch die selbst gefertigten Stücke in Aktion zu sehen, sei ein besonderes Erlebnis. “Meinen Rock hab’ ich heute in der Stadt spazieren gehen gesehen!”, erzählen die Frauen dann voller Stolz.

Bei frei_Stil by ERfA lernen die Frauen voneinander
Bei frei_Stil by ERfA lernen die Frauen voneinander – Foto: Ricarda Martinek

Lernen im geschützten Rahmen

KundInnen und Näherinnen begegnen einander hier auf Augenhöhe. “Das passiert eigentlich laufend.” Viele Leute würden auch eigene Stoffe mitbringen, aus denen dann etwas Neues entstehe.

Schon seit acht Jahren gibt es die Nähwerkstatt. Sie entstand im Rahmen eines EU-Projektes – mit dem Ziel, Migrantinnen zu beschäftigen. Nach Projektende sprang die Stadt Graz mit Förderungen ein, seither ist die Werkstatt für Frauen jeder Herkunft geöffnet. “Wir haben viele bunte Stoffe und so sehen wir uns auch – in einer Vielfalt”, sagt Bâ.

Die Frauen arbeiten mit verschiedenen Stoffen an ihren Stücken
Die Frauen arbeiten mit verschiedenen Stoffen an ihren Stücken – Foto: Ricarda Martinek

Integration inklusive

“Jede von den Damen hat einen anderen Hintergrund. Manche haben eine Ausbildung, manche waren in ihrer Heimat Schneiderinnen, manche Näherinnen. Jede hat ein anderes Level”, erzählt Bâ. So könnten die Frauen auch viel voneinander lernen. Was die Frauen an Stärken mitbringen, beeinflusst auch die Produkte.  So entstanden schon einmal handbestickte Röcke. Die Gründe dafür, warum die Frauen in der Nähwerkstatt tätig sind, sind genauso unterschiedlich: langes Fernbleiben vom Arbeitsmarkt (unter anderem durch Kinderbetreuung), psychische oder physische Probleme. In der Nähwerkstatt finden viele Frauen vorübergehende Beschäftigung.

“Frauen, die zu uns kommen, bringen irrsinnig viel Kreativität, irrsinnig viel Begeisterung für dieses Handwerk mit – und echte Frauenpower”, sagt Bâ. Außerdem würden sich bei der Arbeit die Sprachkenntnisse automatisch verbessern. Integration findet hier nebenbei statt. Bei gemeinsamen Feiern, bei Ausflügen oder einfachen Gesprächen in den Pausen. Für Bâ ist das das Herzstück der Werkstatt. “Die Frauen lernen generell viel voneinander. Sie hören Überlebensgeschichten. Sie hören dass sie vielleicht nicht die einzigen sind, die im Moment ein Problem haben”, sagt Bâ. “Es gibt Lösungsvorschläge zu manchmal ganz beiläufigen Themen, manchmal ganz ernsten.”

Eigentlich aus Wien, merkt man auch am Lieblingswort "leiwand". Tut so, als würde sie sich in Graz auskennen, verläuft sich aber mehrmals täglich. Sagt: "Ich mach nur kurz die Augen zu", und schläft dann fünf Stunden.

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