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Wohnbau statt Club: Die Papierfabrik macht dicht

in KULTUR von

Es ist nicht das erste Mal, dass der im Jahr 2011 eröffnete Kulturverein Papierfabrik in der Ungergasse das unmittelbar bevorstehende “Aus” ankündigt. Diesmal ist es aber fix – zumindest an der Adresse Ungergasse 24: Mit Ende des Jahres muss der Kulturverein ausgezogen sein. An seiner Stelle soll ein neuer Wohnbau entstehen. “Wir brauchen einen neuen Raum, um uns weiter zu entfalten, aber es gibt kaum einen Ort in Graz, wo wir sein können”, so Ferdinand Oberbauer, Obmann und Betreiber des Kunstvereins.

Künstlerduo aus den Niederlanden
Rechts die Signatur von Telmo Miel, ein Graffiti-Künstlerduo aus den Niederlanden – Foto: Pia Puswald

Kunst trifft auf Verdichtung

Nach jahrelangem Kampf – auch gegen die Anrainer, die sich immer wieder beschwert hatten – werfen die Betreiber das Handtuch. In den vergangenen sieben Jahren bot die Papierfabrik Platz für verschiedene Kunstprojekte, für Ateliers und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, für Konzerte und Clubbings. Dass sie nun einem Wohnbau weicht, erinnert ein wenig an das Schicksal der “Niese”, die bereits vor fünf Jahren schließen musste. An den zahllosen neuen Wohnbauten in der Niesenbergergasse und in der Ungergasse lässt sich zur Zeit sehr gut beobachten, in welchem Tempo die Stadt wächst. Dagegen gibt es auch Kritik.

Manchmal könne man meinen, als würden viele der im Gemeinderat beschlossenen nachhaltigen Stadtentwicklungsziele in der Phase der Baueinreichung und Bewilligung schlichtweg „vergessen“, schreiben die Autoren der ehrenamtlichen Initiative für ein unverwechselbares Graz in einer jüngst veröffentlichten Studie zur fortschreitenden “Versiegelung” der Stadt.

Eingang zur Veranstaltungshalle
Schon in Abriss Stimmung: Eingang zur Veranstaltungshalle – Foto: Pia Puswald

Kein Ende für Kunstverein?

Ganz aus könnte es mit der Papierfabrik dennoch nicht sein. “Wir wollen unbedingt weitermachen, haben das Grundstück aber aus ökonomischen Gründen verkauft”, sagt Oberbauer.  “Wir suchen nach neuer Fläche, durch den Verein ist etwas gewachsen, da ist etwas entstanden.” Im Rahmen des Living Streets Festivals wurde der Verein im vergangenen Jahr bereits einmal an anderem Ort aktiv – und zwar mit dem groß angelegten Gemeinschaftskunstprojekt “Reininghouse in Space”, an dem auch der Kunstverein Roter Keil beteiligt war.

Und tatsächlich versucht es Oberbauer im Jänner 2019 noch einmal, ein paar Meter vom alten Standort entfernt in der Ungergasse 39. Der neue Raum heißt “3×13 – Kunst und Kulturkosmos” und soll zum Start eine “Analog Week” beherbergen. Mit Workshops für Freunde der elektronischen Musik – und, wie gewohnt, zum Abschluss mit einer ordentlichen Party, auf der Live-Acts und wie DJs wie Jan Oberlaender oder Boodaman auftreten sollen.

Das Problem mit der Lärmbelästigung

Dass es bei derlei Veranstaltungen gerne auch zu Anrainerbeschwerden kommt, weiß Oberbauer aus langjähriger Veranstaltertätigkeit. Genauso wie im Gries die Ausländerfeindlichkeit mancher Bewohner auf die zuziehenden Ausländer pralle, so prallten eben auch die Interessen der jungen Leute, die etwas erleben, die feiern und sich entfalten wollen auf die Interessen derer, die nichts als ihre Ruhe wollen. “Ich verstehe beide Seiten”, sagt Oberbauer. Aber es gebe in Graz kein Viertel mit genug Spielraum für junge Innovation. Weder im Gries noch im Univiertel. Zwar sprießen allerorts die Wohnblöcke aus dem Boden, aber für die Kunst- und Kulturszene bliebe kein Raum.

Mag die Schnelligkeit der Dinge, findet der Weg zum Herzen geht über Espresso & Hundebabies und findet Actionfilme romantischer als Nicholas Sparks.

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