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Mantel, Samurai-Schwert, Gebiss – Alltag im Fundbüro

in Allgemein/VIERTEL(ER)LEBEN von

15.000 Artikel landen jährlich im Fundbüro der Stadt Graz. Obwohl es mitten im Annenviertel liegt, kennen diesen Ort nur wenige – dabei gibt es hier einiges zu entdecken.

Von: Anja Schalk, Maximilian Schenner, Tina Stadler

Sie hängen Haken an Haken wie an der Rezeption eines riesigen Hotels. Einige der Schlüssel tragen kleine Plastikanhänger, auf denen ein Vorname steht oder ein Hinweis auf ihre frühere Verwendung. An einem hängt eine Figur aus einer Kaugummiwerbung. Wer genau schaut, sieht, dass die Schlüssel hier systematisch nach Jahren sortiert sind. Gleich daneben sind Fahrräder abgestellt und, klar, gibt es auch einen Haufen Regenschirme. 

Obwohl die Geschichten all dieser Gegenstände unterschiedlich und einzigartig sind, teilen die Schlüssel, Handys und Schirme doch ein Schicksal: Sie sind verloren gegangen und haben ihren Weg in die Fundservice-Stelle der Stadt Graz gefunden.

Fundstücke mit Geschichten

Jährlich finden rund 15.000 Gegenstände ihren Weg in das Fundbüro in der Annenstraße. Sowohl Privatpersonen als auch Geschäfte und sämtliche Verkehrsbetriebe geben hier laufend die Dinge ab, die Kunden vergessen haben. Am öftesten würden Ausweise, Bekleidung und Elektronik abgegeben, sagt Peter Krusic, Leiter der Servicestellen und Fundbüros.  Und dann gibt es immer wieder außergewöhnlichen Fundstücke. An einen Schiffsmotor kann Krusic sich erinnern, auch an ein Samurai-Schwert. „Es gibt nichts, was es noch nicht gegeben hat.“

Peter Krusic vor dem Fundbüro – Foto: Anja Schalk

Eine Geschichte ist ihm im Laufe der Jahre besonders im Gedächtnis geblieben. Ein älterer Herr, der gekommen war, um ein verlorenes Gebiss abzuholen, habe zuerst einmal alle vorhandenen Gebisse durchprobiert, um sein eigenes zu finden. Das passiere nicht jeden Tag, sagt Krusic, manchmal aber eben doch.

Das Suchen versuchen

In vielen Fällen finde die verlorenen Gegenstände aber nie mehr zu ihren Besitzern zurück. Viele Grazerinnen und Grazer scheinen gar nicht zu wissen, dass es das Fundbüro in der Annenstraße gibt – dort in den Räumen, gleich am Mühlgang, wo vor vielen Jahren eine Postfiliale untergebracht war. Und wie so ein Fundbüro funktioniert, wissen überhaupt die Wenigsten.

Das Fundbüro: Wo die Suche ein Ende findet – Foto: Anja Schalk

Wer also etwas in der Stadt verloren hat, sucht am besten zuerst beim Online Fundamt Österreich, empfiehlt Peter Krusic. Dort sind alle nötigen Schritte genau erklärt. Bei der Abholung muss ein Ausweis mitgebracht und der Suchende muss das gesuchte Objekt beschreiben. Sonst könnte ja jede oder jeder daherkommen. Tatsächlich abgeholt wird am Ende weniger als die Hälfte aller Fundstücke. Das liege vor allem, wie Krusic bedauert, am fehlenden Bewusstsein über den Service, der von der Stadt angeboten wird. Wenn sich nach einem Jahr kein Besitzer findet, werden Objekte wie Fahrräder und Kleidung jedenfalls direkt im Fundbüro verkauft – zu meist niedrigen Preisen. Schmuck geht an das Dorotheum, Schlüssel werden eingeschmolzen.

Fundservice
8020 Graz, Annenstraße 19
Tel: +43 316 872-2390
Fax: +43 316 872-6649
E-Mail: praesidialabteilung@stadt.graz.

Online-Fundamt Österreich:
www.fundamt.gv.at

Erreichbarkeit ÖV:
Straßenbahnenlinien 1, 3, 6, 7, Haltestelle Roseggerhaus

Öffnungszeiten / Parteienverkehr:
Mo 7.00-18.00 Uhr, Di-Fr 7.00-13.00 Uhr

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