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Angefochten!

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Als eine von nur vier Sportarten stand das Fechten bei bislang allen Olympischen Sommerspielen auf der Tagesordnung, das Publikumsinteresse ist dennoch enden wollend. Aber: Einen Einblick zu bekommen, lohnt dennoch: Ein 0815-Sport sieht anders aus.

Die Degen prallen aufeinander, die FechterInnen sind mit Schutzanzug und Maske geschützt. Weiß und Silber sind die dominanten Farben. Waffen klirren und die elektronische Trefferanzeige, die Ausschlag über Sieg und Niederlage gibt, piepst. Auch wenn es nur ein Training ist, das wir besuchen, liegt Wettkampfcharakter in der Eggenberger Luft.

Vom Turngewand in die Fechtjacke

Aufmerksamkeit ist im Fechten ein hohes Gut, der Sport selbst bekommt sie allerdings nur äußerst selten, obwohl es in Österreich in Summe 69 anerkannte Fechtvereine gibt. Mit dem UWK Graz trainiert einer von ihnen im Grazer Annenviertel, genau genommen in der Grazer International Bilingual School. Dreimal in der Woche trifft sich die Sektion Fechten der Union Wirtschaftskammer im Turnsaal der GIBS. Als wir zu Beginn des Trainings auftauchen, sind wir uns nicht wirklich sicher, ob wir hier tatsächlich am richtigen Ort sind: 15 Kinder und Jugendliche drehen im normalen Turngewand ihre Runden, das stereotype Bild des Fechtens fehlt vorerst. Unsere Frage, ob wir denn hier überhaupt richtig seien, ist aber schon bald geklärt. Trainer Josef Tardi – ein ruhiger, aber zuvorkommender Herr Anfang 30 – kommt nämlich bereits unmittelbar nach unserer Ankunft auf uns zu und klärt uns auf, dass erst nach dem Aufwärmprogramm die Kleidung gewechselt und zu fechten begonnen wird.

Josef Tardi trainiert die Kinder und Jugendlichen des UWK Graz – Foto: Matteo Eichhorn

Einmal Degen, immer Degen

15 Kinder haben sich zum Training eingefunden – „im Schnitt sind es meist zwölf bis 22 Leute“, geht Tardi die Anwesenheitsliste der letzten Wochen durch. Summa summarum umfasst der Verein rund 50 FechterInnen, die Erwachsenen sind an einer Hand abzuzählen, bei unserem Besuch ist nur der Nachwuchs vor Ort. Neugierig sehen die Kinder und Jugendlichen uns beim Fotografieren und Filmen mit der Kamera zu, den jungen FechterInnen drängt sich sofort die Frage auf, ob das denn auf Youtube komme. Ernüchterter sind die Blicke dann wenig später als wir erklären, dass wir „nur“ für die Annenpost da sind. Dem unermüdlichen Einsatz der in weiß gekleideten FechterInnen tut dies aber freilich keinen Abbruch, mittlerweile haben sie nämlich bereits in ihre „Arbeitskleidung“ gewechselt. „Die Fechtjacke kostet im Schnitt so um die hundert Euro“, gibt Josef Tardi Auskunft und führt aus: „Für einen Degen bezahlst du 50 bis 100 Euro oder noch mehr.“ Der 31-Jährige erklärt uns, dass „hier nur mit dem Degen gekämpft wird. Fechten kann man ja auch mit dem Florett oder dem Säbel. Bei uns startet aber jeder mit dem Degen. Und wenn man einmal mit einer Waffe begonnen hat, dann wechselt man sie auch nicht mehr.“

Beim UWK Graz wird ausschließlich mit dem Degen gefochten – Foto: Matteo Eichhorn

Von klein auf dem Sport verschrieben

Tardi selbst ist schon lange ein großer Fan vom Fechten: Spätestens seit ihn seine Schwester in Kindheitsjahren in seiner Heimat Rumänien einmal mit zum Fechttraining genommen hatte, hat ihn der Sport nicht mehr losgelassen. „Um etwas zu erreichen, ist in Rumänien der Sport ein guter Weg“, meint Josef Tardi, der einige Titel im Nachwuchs holen konnte. Mittlerweile gibt er sein Know-How jedoch schon an die nächste Generation weiter: Während zwei Jungs auf der einen Seite des Turnsaals fechten, arbeitet ihr Coach mit einem seiner Schützlinge individuell. „Fechten ist ein sehr spannender Sport, du brauchst sowohl Reaktion und Koordination als auch Ausdauer“, erklärt er uns, nachdem er seine Fechtmaske, die ein wenig an die Arbeitsbekleidung eines Imkers erinnert, kurz runtergenommen hat. Dann geht es auch schon wieder weiter: Fechtmaske rauf, Degen in die Hand und voller Fokus dem Gegenüber. Die Konzentration ist dem Gesichtsausdruck der Protagonisten zu entnehmen, obwohl man durch die Maske nur Ansätze der Miene erkennen kann.

Bei der Vorbereitung auf die bevorstehenden Turniere gibt Tardi auch Einzeltraining – Foto: Matteo Eichhorn

„Vorbilder sind enorm wichtig!“

Tardi meint, dass ein guter Fechter oft groß sei, doch auch die jüngeren und kleineren SportlerInnen geben im Training bereits gute Figur ab. Für unseren Teil sind wir froh, dass wir trotz Größenvorteils nicht zu einem Duell herausgefordert werden. Solche wird es dafür aber in Bälde wieder für die FechterInnen des UWK Graz geben. Mittlerweile laufen nämlich die letzten Vorbereitungen auf das nächste wichtige Turnier. Am bevorstehenden Sonntag, dem 24. Juni, macht sich der Nachwuchs in Vöcklabruck den österreichischen Jugendmeistertitel untereinander aus. Vielleicht wird ja dann aus dem einen oder anderen, der für den UWK Graz zum Degen greift, früher oder später ein Vorbild für den Nachwuchs. „Denn solche sind enorm wichtig für die Kids und den ganzen Sport“, ist sich Tardi abschließend sicher.

Ist nicht nur, aber meist im Murtal und im Sport zuhause. Begleitet den Fußball schreibend, auch sprechend. Ein Tag ohne Schokolade und Smartphone ist ein verlorener Tag. Und wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben noch lange nicht verloren. Gibt ihn auch auf Facebook, Twitter & Instagram.

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