Lesezeit: 2 Minuten, 4 Sekunden

Der Steirer mit hungrigem Herzen

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Im November feiert The Hungry Heart sein erstes Jubiläum. Wird Lend immer mehr zur Hipster-Hochburg? Der Besitzer des Fastfood Joints sieht darin kein Problem. 

Von: Selina Trummer, Nikolaus Zoltan und Maximilian Tenschert. 

Um 11 Uhr öffnet uns ein junger Mann namens Martin Azzu die Tür. Er legt ein paar Würstel auf den Grill und dreht die Lautsprecher voll auf – ohrenbetäubender Punk Rock, dazu der sich langsam ausbreitende Duft von brutzelndem Fleisch. Man versteht gleich, warum sich The Hungry Heart in kürzester Zeit zu einem In-Treff für tag- und nachthungrige Viertelbewohner entwickelt hat.

„Hipster ist ein nichtssagender Begriff”

Ausgedacht hat sich das „Hungrige Herz” der Grazer Philipp Carstanjen. Bevor Martin bei ihm anfing, führte Philipp das Lokal im Alleingang. Nach einer Ausbildung an der Tourismusschule in Bad Gleichenberg führte ihn sein Weg in den renommierten Admirals Cove Club in Florida. Nachdem sein Visum abgelaufen war, kam er wieder nach Graz – und machte sich vor gut einem Jahr in der Mariahilferstraße selbstständig. Den Standort habe er nicht gewählt, weil das Viertel so hip sei, Teil einer Hipster-Szene will er auch nicht sein. Überhaupt findet er den Begriff „Hipster” nicht sehr brauchbar.

In The Hungry Heart kocht Carstanjen „amerikanisches Fastfood mit österreichischer Qualität“, wie er sagt. Er serviert alle Gerichte im Sandwich, auf der Karte stehen amerikanische Klassiker wie Pulled Pork, Cesar Salad und verschiedene Hot Dog-Kreationen. Pulled Pork gibt es zwar mittlerweile fast überall, doch „die meisten nehmen sich nicht die Zeit es anständig zu verarbeiten oder kaufen fertige Ware”, behauptet er. Eingefrorenes Fleisch oder Dampfgarer kommen ihm nicht in die Küche. Seine Zutaten besorgt er sich, soweit wie möglich, vom Lendplatz oder von Lieferanten, denen er vertraut.

Philipp Carstanjen bietet auch regionale Weine an. – Foto: Niko Zoltan

Von Passanten wird die kleine Imbissbude am Lendplatz oft mit einem Tattoostudio verwechselt. Das ist auch kein Zufall, denn das Logo – ein von einem Messer durchstochenes Herz im Traditional Style – wurde von Alexander Smoltschnik im benachbarten Pride & Glory entworfen. Philipp kommt mit allen seinen Nachbarn gut aus und freut sich über das freundschaftliche Verhältnis zu anderen Lokalen und Geschäften rund um den Lendplatz. So helfen im Notfall die Kollegen über die Straße aus und bringen fehlende Zutaten.

Wie gut die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen funktioniert, illustriert sein im Frühjahr in Zusammenarbeit mit Alefried gebrautes Craftbeer, ein New England IPA. Auch zum einjährigen Jubiläum am 25. November gibt´s wieder in limitierter Auflage ein eigenes Bier, diesmal in Kooperation mit der Bierboutique und Alefried. Biere der Brau Union will er nicht anbieten – stattdessen kleinere Getränkemarken unterstützen.

„Da ist es nicht schade, dass er weg ist”

Auf die Frage ob die vielen neuen Lokale im Lend nicht die ursprünglichen vertreiben, antwortet er, es sei oft besser so. Zum Beispiel sei es nicht schade darum, dass es das heruntergekommene, alte asiatische Lokal, das sich dort vor ihm befand, nicht mehr gibt. Auch nebenan wird der verlassene Night Club bald durch ein neues Lokal ersetzt. „Das passiert sowieso in jeder Stadt”, meint er gelassen.

isst Gemüse, trinkt Bier. Liest sich gerne durch Geschichten ohne Happy End und steht voll auf die Stones, Police, Beatles und Co.

Loading Facebook Comments ...

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Das letzte von

Nie wieder Parkplatzsuche

Im Kampf gegen Parkplatznot und Innenstadtstau stellen Lastenräder eine schlaue Alternative dar.
Gehe zu Nach oben