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LBC: Sofasessions und Couchkonzerte

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Akustikmusik, Videoaufnahmen und Jamsessions zwischendurch – „Little Brown Couch“, ein Verein zur Förderung von Popkultur, bietet österreichischen JungmusikerInnen eine Plattform.

Die KünstlerInnen performen ihre eigenen Songs – und größtenteils in englischer Sprache. Foto: Little Brown Couch

Unter die Gesprächsfetzen von StandbetreiberInnen und deren KundInnen mischen sich an diesem heißen Montagmittag ungewöhnliche Klänge. PassantInnen blicken neugierig auf eine kleine braune Couch in der Mitte des Lendplatzes. Auf dem Ledermöbel sitzen drei Musiker mit Gitarren und einem Cajón. Rundherum versammeln sich Menschen mit Videokameras und Mikrofonen, während die drei auf der Couch Musik machen – pur und unverfälscht, mit Herzblut und Leidenschaft. Willkommen auf der Little Brown Couch.

Der 2013 gegründete, gleichnamige Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht die österreichische Musikszene zu fördern. „Unser Ziel ist es, jungen Künstler zum Aufstieg zu verhelfen“, sagt Christoph Ortner, Obmann des Vereines. Auf einer eigenen Videoplattform werden die MusikerInnen in Szene gesetzt – und das vollkommen kostenlos. Tonaufnahmen, Videodreh, Schnitt und Fotos werden gänzlich vom LBC-Team übernommen. Außerdem werden die KünstlerInnen auf der Website vorgestellt.

Die Idee für das Projekt entstand bei einem gemütlichen „Zusammensitzen“ in einer Studentenwohnung erzählt Ortner: „Wir wollten unser Interesse an Video- und Tonaufnahmen irgendwie umsetzen. Dann haben wir erkannt, dass das auch eine Gemeinnützigkeit haben könnte.“ Noch am selben Abend kauften sie im Internet für 50 Euro die kleine, braune Couch – das Projekt war geboren.

Beim Lendwirbel durften BesucherInnen auf der „Open Couch“ ihr musikalisches Talent zum Besten geben. Foto: Little Brown Couch

Akustikmusik aus dem Hinterhof

Mittlerweile besteht das LBC-Team aus fünf Personen: Christoph Ortner, Edi Bacher, Corinna Ortner, Martin Haidn und Gerald Gattringer. Künstler, die gerne ein Video auf der Couch performen würden, können sich via Online-Formular bewerben. Ob eine Zusammenarbeit zustande kommt, entscheiden Ortner und seine Kollegen gemeinsam. Sie seien für alle Genres offen, blieben aber meistens einer bestimmten Linie treu.

Die einzige Voraussetzung ist, dass die MusikerInnen akustisch performen, also ohne jegliche Verstärker für ihre Instrumente oder synthetisch erzeugte Klänge. Umgekehrt geht das Team hinter Little Brown Couch auch auf MusikerInnen zu, die sie gerne auf ihrer Couch sehen würden. „Wenn wir das Gefühl haben, eine Künstlerin oder ein Künstler könnte durch seine Reichweite die Plattform pushen, versuchen wir eine Zusammenarbeit möglich zu machen“, sagt Vereinsobmann Ortner. Das seien dann auch internationale MusikerInnen. 

Die Videos entstehen and den verschiedensten Ecken in Graz; egal ob im Annenviertel, am Schlossberg oder Plätzen, von denen man noch nie gehört hat. „Wir wurden auch schon in private Innenhöfe oder Wohnungen eingeladen.“ Dokumentiert werden diese Plätze auf einer Karte. Einer der Lieblingsplätze für Video-Drehs ist der Lendplatz. „Der schaut an jedem Eck anders aus.“

Zu hohe Mieten, zu wenig Zeit

In Zukunft möchte Little Brown Couch auch Veranstaltungen organisieren, was für einen kleinen Verein jedoch eine finanzielle Herausforderung sei. „Es ist schwierig, in Graz eine passende und leistbare Location zu finden“, erklärt Ortner. Nach seiner Meinung gäbe es da Nachholbedarf: „Räume mit günstigen Mieten, ein Lokal in dem man spielen darf oder einfach ein leerstehender Raum – das fehlt in Graz.“

An Anfragen für Auftritte auf der „Couch“ mangele es nicht – dafür aber an der Zeit, diesen nachzukommen, sagt Ortner. „Da es ein rein freiwilliges Projekt ist, leidet es auch darunter. Der Anfangsenthusiasmus hat etwas nachgelassen.“ Aber das Projekt lebe und solle in Zukunft wieder aktiver werden. LBC finanziert sich durch Förderungen des Kulturamtes Graz, von denen die technische Ausstattung gekauft wird. „Von der Stadt Graz bekommen wir die Mindestunterstützung“, erklärt Ortner. Geld verdienen die Mitglieder, die alle zwischen 27 und 30 Jahren sind, mit dem Verein nicht.

„Jede Grazer Band ist irgendwann eine Wiener Band“

Auf der Couch Platz nehmen, dürfen MusikerInnen jeden Alters. „Wir haben mit The Uptown Monotes angefangen, einem Urgestein unter den Grazer Bands“, sagt Ortner. Einige Musikprojekte entstünden auch neben dem Studium, Saint Chameleon sei ein Beispiel dafür: „Entweder sind diese Studenten-Musikprojekte so gut, dass sie den Durchbruch schaffen oder sie lösen sich nach dem Studium wieder auf.“ Die Grazer Musikszene sei laut dem Vereinsobmann zwar „ein cooler Boden“, aber relativ überschaubar: „Deshalb gehen viele Grazer Bands irgendwann nach Wien, um dort ihr Glück zu versuchen.“ Neben solchen „kleineren“ Künstlern hatten Little Brown Couch aber auch schon echte Größen der Szene zu Gast, wie zum Beispiel Milky Chance.

Die Couch selbst hat in den letzten vier Jahren einiges mitgemacht. Über 100 Künstler haben schon auf ihr performt, manche davon mehrmals. Auch dem Lendwirbel, dem Acoustic Lakeside Festival und jedem Wetter hielt sie stand. Was die Couch wohl zu sagen hätte, wenn sie reden könnte? Wahrscheinlich so etwas wie: „Flickt’s mich einmal und behandelt‘s mich mit Respekt.“

Notorische Zuspätkommerin, hoffnungslose Chaotin, Sarkasmus-Enthusiastin – aber trotzdem ganz lieb.

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