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Little Africa

in SOZIALES von
Am 10. Februar bietet der Spaziergang „Afrikanisches Graz“ mit Kamdem Mou Poh à Hom wieder Einblicke in die Welt der African Community der Stadt. Eine Vorbegehung.
Titelbild
Unscheinbar und doch allgegenwärtig ist die sogenannte African Community im Annenviertel. Foto: Markus Röck

Neue Frisur von Mama
Mama Lees Friseursalon in der Grazer Feuerbachgasse hinter dem Griesplatz ist ein Treffpunkt. Frauen allen Alters kommen bei ihr zusammen, um sich die Haare machen zu lassen. Ein Großteil von ihnen gehört der African Community von Graz an. Zu der zählen rund 2800 GrazerInnen , die aus 44 verschiedenen afrikanischen Nationen in die Stadt gekommen sind – die meisten von ihnen aus Nigeria. Knapp die Hälfte davon lebt heute in den Bezirken Lend und Gries.

Mama Lee selbst stammt aus Ghana. Sie kam nach Österreich, nachdem ihr Ehemann hier Asyl erhalten hatte. Ihren „Afro-Kunstfriseur-Salon“, wie sie ihn selbst nennt, betreibt sie nun seit fast zwölf Jahren. Seither bietet sie ihren Kunden eine breite Palette an verschiedenen afrikanischen Flechtfrisuren, wie zum Beispiel Cornrows oder Rastazöpfe. Daneben verkauft sie aber auch Lebensmittel, wie Palmöl und auch Stoffe und Kosmetikprodukte hat sie im Angebot. Am Bezirk Gries gefällt ihr vor allem die Kulturenvielfalt. „Durch die vielen verschiedenen Menschen im Viertel entsteht eine richtige Gemeinschaft. Ich habe Kontakt mit Chinesen, Rumänen und Österreichern. Es wird nie langweilig“, sagt sie.

Mama
Traditionelle afrikanische Frisuren zaubert Mama Lee in ihrem Friseursalon. Foto: Markus Röck

Einmal Fufu mit Erdnusssuppe, bitte!
Nicht weit von Mama Lees Friseursalon entfernt, in der Griesgasse, betreibt Lee Robert Charles gemeinsam mit seiner Ehefrau das Restaurant Meet me there. Hier bietet er zahlreiche Gerichte aus Ghana, wie zum Beispiel Fufu, an. Das ist eine Art fester Brei, der häufig mit einer Erdnusssuppe und wahlweise mit Fisch oder Fleisch serviert wird. Daneben führt Lee jedoch auch österreichische und internationale Gerichte. „Alles wird frisch gemacht. Es ist nichts vorgekocht“, betont er.

Vor zwei Jahren wurde das Meet me there eröffnet, um einen ghanaischen Kulturverein, dem das Restaurant als Vereinslokal dient, zu unterstützen. „Hat jemand aus unserem Verein kein Geld zum Essen, geben wir es manchmal auch umsonst her“, sagt Lee. Neben Vereinsmitgliedern ist das Restaurant auch für alle anderen Besucher geöffnet. Österreicher würden auch ab und zu vorbeikommen. „Manchmal kommen Leute, die in Ghana auf Urlaub waren, um wieder solche Gerichte zu essen.“ Die Gäste würden sich dann oftmals fragen, warum der Teller bei diesem Preis so voll sei. „Damit Sie das nächste Mal wieder zum Essen kommen“, antwortet ihnen Lee dann.

Am Bezirk Gries schätze Lee zwar den Austausch mit den verschiedensten Personen, jedoch bekomme er auch die Drogenproblematik im Viertel zu spüren. Es sei schon öfters vorgekommen, dass sich jemand in sein Lokal verirrt hätte, um dann nach Drogen zu fragen. „Solche Leute schicke ich immer weg“, sagt Lee. „Wir sind hier, um unseren Verein zu unterstützen und um Essen zu machen. Für nichts Anderes.“

LeeRobert
Besucher, die an afrikanischer Küche interessiert sind, sind bei Lee Robert Charles richtig. Foto: Markus Röck

Spaziergang durch Afrika
Treffpunkte der African Community wie Mama Lees Friseursalon und das Meet me there sind ebenso wie das rwandesische Café Virunga in der Josef-Huber-Gasse und der nigerianische Akachukwu-Supermarkt in der Lazarettgasse Stationen bei den sogenannten „Spaziergängen durch das afrikanische Graz“.

Kamdem Mou Poh à Hom, Obmann des Vereines Chiala ist der Initiator dieser Spaziergänge. Seit bald 16 Jahren führt der gebürtige Kameruner regelmäßig Interessierte durch den Bezirk und zeigt ihnen das facettenreiche Leben von afrikanischstämmigen GrazerInnen. Das nächste Mal wird er dies am 10. Februar beim Spaziergang „Afrikanisches Graz“ tun, den er gemeinsam mit dem ETC, dem Europäischen Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie in Graz organisiert hat.

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Kamdem Mou Poh à Hom spaziert mit Interessierten zu den Treffpunkten der African Community. Foto: Markus Röck

„Nicht jeder weiß, dass es eine dynamische afrikanische Community in Graz gibt. Wir möchten das mit den Spaziergängen besser präsentieren“, sagt er. Zu diesem Zweck hat das Chiala in der Vergangenheit auch bereits einen eigenen „AfriGraz“-Stadtplan entwickelt. Die Probleme der Community, allem voran Diskriminierung sollen mit den Spaziergängen ebenfalls beleuchtet werden. „Die Diskriminierung ist überall. Bei der Wohnungssuche, bei der Arbeitssuche und in der Freizeit“, sagt Kamdem. Auch er selbst habe dies bereits zu spüren bekommen. „Es gab Zeiten, in denen ich nicht in ein Lokal durfte, weil ich so schwarz bin, wie ich bin.“

Um diesen Problemen beizukommen, fordert Kamdem mehr Aufklärungsarbeit, vor allem in Schulen. Der Bevölkerung müsse sehr früh gezeigt werden, dass Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung keinen Platz in der Gesellschaft hätten. Erst in zweiter Linie hält er eine Verschärfung von Gesetzen für sinnvoll. Vor allem Menschen, die auch nach mehrmaligem Ermahnen immer wieder durch rassistische Äußerungen auffallen, sollten seiner Meinung nach zur Rechenschaft gezogen werden. „Rassismus ist eine Realität und eine Gefahr für das Zusammenleben in Österreich. Man darf nicht so tun, als ob es ihn nicht gäbe.“

[infobox]Der Spaziergang „Afrikanisches Graz“ mit Kamdem Mou Poh à Hom beginnt am Freitag, dem 10. Februar um 14:00 Uhr vor dem Verein Chiala am Griesplatz 13.[/infobox]

 

Ein Ennstaler Unikat auf Grazer Boden - das ist Markus. In seiner Freizeit findet man ihn entweder auf einem der heimischen Berggipfel, im Kino oder bei einem Städtetrip in eine von Europas Metropolen. Sein neuestes Hobby: Graz erkunden.

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