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Menschliche Organe aus dem Drucker

in VIERTEL(ER)LEBEN von
Eine gedruckte Niere ist heute keine Utopie mehr. Christof Kirschner zeigt in seinem LayerLab am Südtiroler Platz, was digitaler 3D-Druck mittlerweile leisten kann.

LayerLab-Geschäftsführer Christof Kirschner mit einer 3D-Niere. Foto: Marcel Yildiz
LayerLab-Geschäftsführer Christof Kirschner mit seiner jüngsten Innovation, der 3D-Niere. Foto: Marcel Yildiz

Im schwarz-weißen Trikot steht er da, den rechten Fuß am Ball: der in Nigeria geborene Stürmer Bright Edomwonyi, der im Jänner 2015 zum SK Sturm Graz gewechselt ist. Hier, in der Auslage des LayerLabs am Südtiroler Platz, befindet er sich in bester Gesellschaft. Dutzende weiterer 3D-Miniaturen, Menschen wie Gebäude, die allesamt im LayerLab mit 3D-Technologie ausgedruckt wurden, zieren das Schaufenster.

Selbstentwickelter Body Scanner
Das Unternehmen wurde 2014 von Christof Kirschner, der sich als Maschinenbauer schon seit einigen Jahren intensiv mit der Erstellung von 3D-Modellen mit CAD Programmen beschäftigt hatte, gemeinsam mit seiner Frau gegründet. Seither  produziert er mit Hilfe von Scannern und einem speziellen Drucker schichtenweise dreidimensionale Objekte, die verblüffend realistisch aussehen. Vor allem auch für Unternehmen eröffnen sich mit dieser Technologie neue Möglichkeiten. Einzelbauteile oder Prototypen lassen sich so in nur wenigen Entwicklungsschritten und vor allem zeitnah entwickeln. Und schließlich kann 3D-Druck auch einfach Spaß machen. Wer sich selbst ganzkörperscannen und ausdrucken lässt, kann dann eben kleine Plastik-Selfies an Freunde und Familie schenken.

LayerLab-Geschäftsführer Christof Kirschner entwickelte für sein Unternehmen einen mobilen 3D-Body Scanner, der digitale 3D-Modelle erstellt. Dabei machen die 64 Kameras, die im Body Scanner angebracht sind, gleichzeitig jeweils ein Bild. Aus den entstandenen Bildern lassen sich 3D-Daten generieren, die Kirschner schließlich für den  Druck verwendet. Genau so sind vor rund einem Jahr auch die 3D-Figuren aller Sturm-Kaderspieler entstanden.

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64 Kameras machen im Body Scanner gleichzeitig ein Foto, um ein 3D-Modell zu generieren. Foto: Marcel Yildiz

Mittlerweile ist das LayerLab auch im Medizinbereich ein gefragter Partner. Nach einem ersten Versuch mit einem Fußgelenksimplantat produziert das Grazer Startup nun seit einigen Wochen auch eine 3D-Niere. Entstanden ist die Idee in Zusammenarbeit mit Ärzten des Grazer LKH. Erich Sorantin, zuständig für Magnetresonanz-Untersuchungen, scannte schichtenweise eine Niere mit einem ganz bestimmten Krankheitsbild –  einer Verengung im Harnleiter. Aus diesem Scan erstellte Kirschner einen Prototyp, den er nach zahlreichen weiteren Tests zum heutigen Nieren-Modell weiterentwickelte.

Die 3D-Niere, bestehend aus Harnleiter und Nierenbecken, eigne sich ideal, um chirurgische Eingriffe zu üben, sagt Kirschner. Da die OP lediglich am Harnleiter vorgenommen wird, muss nur dieser nach der Übungsoperation ausgetauscht werden, das Nierenbecken bleibt bestehen. Würde man diese OP an einer echten Niere durchführen, wäre danach die Niere nicht wiederverwendbar. Im 3D-Druck kann der Harnleiter mit einer eigens angefertigten Negativform, jedoch in großer Anzahl und vor allem schnell für 50 Euro pro Stück reproduziert werden.

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Die 3D-Niere mit dem austauschbarem Harnleiter (weiß) aus Silikon. Foto: Marcel Yildiz

Gemeinsam mit Holger Till von der Kinder- und Jugendchirurgie suchte Kirschner nach einem Material für den Harnleiter, das dem menschlichen Organ sehr nahe kommt. Nach einigen Testphasen entschieden sich die Projektpartner für eine kostengünstige Silikonlösung. Die Zusammenarbeit mit dem LKH könnte in Zukunft weitergehen, laut Kirschner ist der Druck von weiteren Organen denkbar: „Wir haben auch bereits über ein Zwerchfell und über eine Speiseröhre gesprochen. Allerdings gibt es dazu noch keine genauen Pläne.“

Über den Tellerrand blicken
Der 3D-Druck ist vor allem im unternehmerischen und medizinischen Umfeld auf dem Vormarsch, wie ein gerade publizierter DHL-Trendreport aufzeigt. Das LayerLab folgt diesem Trend. Trotzdem warnt Kirschner davor, im 3D-Druck eine Technologie zu sehen, die alle Probleme lösen könne: „Man darf auch auf andere Technologien nicht vergessen. Nicht immer ist der 3D-Druck die beste Option.“ Und nicht jedes Material eignet sich für den 3D-Druck.

Fußballliebhaber mit einem besonderen Bezug zu etwas exotischeren Fußballnationen. Neben dem runden Leder auch für Darts und Blasmusik zu begeistern.

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