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Der Impro-Montag kennt keine Regeln

in KULTUR von
MONTAG. Die improvisierte Show ist kultureller Fixpunkt des Annenviertels. Seit 20 Jahren begeistert das Theater im Bahnhof mit facettenreichen Geschichten, die teils wie aus dem eigenen Leben sind.
Musiker Norbert Wally und SchauspielerInnen Elisabeth Holzmeister, Rupert Lehofer, Juliette Eröd, Eva Maria Hofer © Anna Heinzl

„Wenn viel Kunst passiert, ist das immer gut“, sagt Schauspielerin Elisabeth Holzmeister.
Diesen Satz verwirklicht das Theater im Bahnhof (TiB) regelmäßig durch seine Produktionen. Eine ihrer erfolgreichsten ist MONTAG. Die improvisierte Show. Seit mittlerweile 20 Jahren findet sie an durchschnittlich 35 Montagen der Saison statt. Während der 90-minütigen Spielzeit kreieren vier SchauspielerInnen, begleitet von einem Musiker, originelle Stories mit unbekanntem Ausgang. Die KünstlerInnen agieren im Moment, müssen sich auf die Situation einlassen. „Schauspielerisches Channel-hopping“, Schnelligkeit und Phantasie fordern die AkteurInnen. Impulse holen sie sich vom Publikum.

Impro total
Aufgeteilt ist die Show in zwei Hälften. Die erste und längere kann etwa eine Heldengeschichte, eine „Super Scene“ oder ein „Lotus“ sein – die Geschichten sind zusammenhängender als im zweiten Teil. Bei der „Super Scene“ werden Szenenanfänge gespielt und das Publikum entscheidet über den weiteren Verlauf der Geschichten. Der „Lotus“ beinhaltet drei Handlungsstränge, die durch neu aufkommende Ideen weitergeführt werden. Die zweite Hälfte des Abends ist kürzer, freier, Szenen wechseln schneller, es gibt mehr Publikumseinbindung – sogenannte „Game-Shows“ werden gespielt. Die Szenen dauern nur wenige Minuten und das Publikum entscheidet mit, über Sehnsüchte oder Beruf eines Charakters zum Beispiel. „In Zukunft werden wir die Formate stärker an die SchauspielerInnen anpassen“, sagt Schauspielerin Eva Maria Hofer. „Die Show wächst und reift mit uns mit. Anfänglich ging es eher um Competitions, jetzt mehr um Charaktere und Geschichten.“

Auf der Bühne lassen die KünstlerInnen – typisch Improvisation – dem Spiel freien Lauf. Egal ob Singen, Tanzen oder kabarettistische Einlagen, ob historische oder zeitgenössische Themen – die SchauspielerInnen nehmen sich verschiedenster Genres an. So wird jede Show einmalig und das TiB erfüllt den eigenen Anspruch, „zeitgenössisches Volkstheater“ zu machen. „Impro ist immer eine persönliche Sache, man bezieht sich auf Dinge, die einen beschäftigen“, sagt Hofer. „Dabei versuchen wir immer auf das Hier und Jetzt einzugehen, auf Graz und die Geschehnisse rund um uns.“ Vorab bereiten sich die SchauspielerInnen aber trotz Improvisation ein wenig vor, verrät Schauspielerin Juliette Eröd: „Wir machen Assoziationsspiele, singen oder besprechen, was sich jeder für den Abend vornimmt.“

Für MONTAG teilt sich das Ensemble in Kleingruppen von ca. 7 Personen. Diese spielen jeweils für vier bis sechs Wochen zusammen und wechseln sich dabei ab. © Johannes Gellner

Impro original
Ihren Ursprung hat MONTAG. Die improvisierte Show im Jahr 1996, als sie noch „Sport am Montag“ hieß, angelehnt an die gleichnamige Fernsehsendung. Die Geburtsstunde der Show fiel mit der Eröffnung des neuen Hauses am Lendplatz zusammen. Damals bekam das TiB noch weniger Subventionen und „Ende der 90er war Impro ein großer Geldbringer“, erklärt Schauspieler Rupert Lehofer. „Impro war damals eine neue Form und sehr hipp.“ Der Name ist laut Lehofer darauf zurückzuführen, „dass wir den Montag bespielen konnten, ohne anderen Produktionen ins Gehege zu kommen“.

Zwar gab es davor bereits andere derartige Shows, das TiB-Ensemble war allerdings das erste in Österreich, das kontinuierlich als Gruppe agierte. Besonders daran ist, dass der Schwerpunkt seit jeher auf Theater und Performance liegt. Dadurch ergab sich ein eigener Zugang, erklärt Lehofer: „Es ist die Art, wie du spielst, dass es mehr Figuren und Geschichte sind und man weniger auf Gag geht.“ Auch wenn das oberste Ziel nicht darin besteht, Leute zum Lachen zu bringen, geschieht dies doch durch die Spontanität und Kreativität der SchauspielerInnen. Seit dem Umzug 2006 ins Orpheum trägt die Show ihren heutigen Namen. „Wir wollten eine größere Bühne für Impro und haben sie auch gebraucht“, sagt TiB-Sprecherin Hofer.

Impro bedeutet, dass es keinerlei Regeln auf der Bühne gibt. Die SchauspielerInnen spielen frei und mit Anstößen aus dem Publikum. © Anna Heinzl

Impro international
Seit mittlerweile 20 Jahren ist die Impro-Show ein Fixpunkt im Annenviertel. Die Show, ja das gesamte TiB, sind Teil der Geschichte des Grätzels. Weiterentwickelt hat sich MONTAG in den letzen Jahren vor allem durch den Einfluss und die Inspirationen von anderen Impro-Gruppen und internationalen Festivals. Durch die Vernetzung zu anderen Gruppen spielt das TiB nämlich auch selbst weltweit und lädt die internationale Impro-Szene auch nach Graz zum Impro Cup ein. Dabei treten verschiedene Gruppen zu unterschiedlichen Genres, Themen und Schwerpunkten gegeneinander an. Der nächste Impro Cup ist für nächstes Jahr angedacht.

 

[box] Das TiB ist das größte professionelle freie Theaterensemble in Österreich. Es versteht sich als „zeitgenössisches Volkstheater“. Innovative Eigenproduktionen bilden von Anbeginn die Identität und das Markenzeichen des TiB.

 

Die nächsten Termine (Orpheum, 19:30 Uhr):

05.12.
12.12.
19.12.

 

Hier kann man sich vorab einen Eindruck von der Show machen:

 

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Gerne lässt Anna ihrer Kreativität freien Raum, egal ob beim Kreieren neuer Ideen oder dem Probieren neuer Back-Rezepte. Doch Struktur und Organisation dürfen da bei ihr nie fehlen. Neben ihrer Vorliebe für’s Backen hat sie auch ein Herz für Tiere und ist begeisterte Kunstliebhaberin jeglicher Sparten.

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