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Damaskus liegt so nah

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Syrien kennen viele nur aus den Schlagzeilen. Eine buchstäbliche Kostprobe der syrischen Kultur bietet seit 20. Juni der syrischen Laden Mal Sham am Lendplatz.

Frische und Authentizität sind für Markus Gspandl Trumpf. Foto: Clemens Istel
Frische und Authentizität sind für Markus Gspandl Trumpf. Foto: Clemens Istel

Lebensmittelgeschäfte gibt es im Annenviertel zuhauf. Neben den bekannten heimischen Supermarktketten locken vor allem viele kleinere Läden mit ihren Angeboten. Ob persisch, ungarisch oder türkisch, überall verführen prächtige Gemüsestapel und duftende Gewürze die Passanten. Der Markt scheint gesättigt. Saria Jan, der Eigentümer des Ladens, sah dennoch Potential im Annenviertel und stößt mit seinem syrischen Mal Sham in eine bisher noch freie Nische.

Die Zügel hat ein Österreicher in der Hand. Saria verweist mich beim Begrüßen direkt an Markus Gspandl, den Geschäftsführer. Er weiß genau, womit er zwischen all der Konkurrenz noch punkten kann. „Der Name Mal Sham bedeutet übersetzt in etwa ‚aus der Region/Heimat'“, erklärt er. Das spiegelt sich in den Produkten wider. „Noch haben wir auch viele türkische Produkte.“ Diese sollen aber in Zukunft Stück für Stück durch syrische Lebensmittel ersetzt werden. Syrische Gemüsekonserven oder arabische Sesampasten sind nur zwei der vielen exklusive Spezialitäten. „Versuch das mal bei einem Billa zu bekommen“, untermauert Markus Gspandel stolz. Speziell bei arabischstämmigen Bürgern sieht er das größte Kundenpotential. Für sie habe es in der Vergangenheit zu wenig Produkte aus ihrer Heimat gegeben. Gleichzeit wächst diese Gruppe immer weiter, nicht zuletzt aufgrund der derzeitigen Situation in Syrien.

Für jeden Geschmack das Richtige. Foto: Clemens Istel
Für jeden Geschmack das Richtige. Foto: Clemens Istel

Insgesamt acht Angestellte sind im Mal Sham beschäftigt. Viele von ihnen sind vor dem Krieg geflohen, wenn auch nicht alle direkt aus Syrien stammen. Eigentümer Saria Jan kam vor vier Jahren als einer der ersten Flüchtlinge aus Syrien nach Österreich. Mit dem Lebensmittelladen existiert nun ein Stückchen Heimat für den Sohn einer Gastronomiefamilie in Graz weiter. Obendrein läuft das Geschäft sehr gut. Die Produkte kommen nicht nur bei der Laufkundschaft und den Bewohnern der Umgebung gut an. Die Gastronomie zählt ebenfalls zum Kundenkreis des Mal Sham. Falafel und frisches Obst und Gemüse bringen den meisten Umsatz.

„Wir kaufen nur frisches Obst und Gemüse ein. Das darfst du natürlich nicht lange zuhause herumliegen lassen, dafür schmeckt es einfach besser“, erklärt Markus den Unterschied zur Philosphie von Supermärkten. Auch wenn das Mal Sham nicht auf den großen Preiskampf mit den Nachbarn SPAR und Billa aus ist, scheuen müsste es ihn nicht. Bei Obst und Gemüse hat der syrische Laden die Nase vorn. Das liegt auch daran, dass sich der Kleinbetrieb viel an Management spart. Die Lebensmittel kommen entweder von einem Großhändler oder direkt vom Produzenten. Dadurch fallen Kosten für Logistik, wie sie etwa Konzerne für ihre Zwischenlager haben, einfach weg. Die Miete für das rund 200 Quadratmeter große Geschäftslokal schlägt mit rund 3200 Euro pro Monat zu Buche. Unterstützung oder Förderung von Seiten der Stadt gibt es keine.

Auf einen kurzen Imbiss ins Mal Sham. Foto: Clemens Istel
Auf einen kurzen Imbiss ins Mal Sham. Foto: Clemens Istel

„Willst du etwas Ausgefallenes probieren?“ Markus Gspandl reicht mir eine Getränkedose. Ein Energydrink „made in Germany“. Was soll daran ausgefallen sein? Doch an dieser Dose – Marke ON – zeigt sich die derzeitige Situation Syriens. „Gemacht von Syrern, aber nicht in Syrien“, erläutert er. Ein großer Teil der authentisch arabischen Produkte im Angebot stammt nach wie vor aus syrischen Firmen. Durch den Krieg mussten jedoch viele ihre Produktionsstätten verlegen oder wurden in andere Firmen eingegliedert. „Einiges wird im Libanon produziert, aber auch in Lettland, Ungarn, Deutschland und Kroatien“, schildert er weiter. Manche Produkte gibt es gar nicht mehr.

Auf Authentizität legt das Mal Sham aber eben großen Wert. So auch in dem kleinen Imbiss um die Ecke. In einem kleinen Lokal mit Seiteneingang in der Keplerstraße serviert das Mal Sham Falafel nach echtem syrischen Rezept. Die kleinen Kichererbsenlaibchen werden selbst produziert. Die Brotfladen dazu kommen, wie könnte es anders sein, von einem syrischen Bäcker aus Wien.

Wenn es um die Zukunftspläne des Mal Sham geht, lässt sich Markus Gspandl nicht in die Karten schauen. Das Potential der Geschäftsidee ist spürbar. Wie seine Falafel, sein Obst und Gemüse den Markt in Zukunft weiter erobern, bleibt vorerst ein Geheimnis. Immerhin verrät er, dass künftig in Köflach eine Filiale eröffnet werden soll. Nebenbei entsteht bereits eine eigene Homepage.

Egal ob beim Wandern in der Natur oder in den Untiefen des Internets, Clemens ist immer weltoffen. Reisen in alle Winkel der Erde steht ganz oben auf seiner To-Do-Liste.

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