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Der Hauptbahnhof unter der Hygienelupe

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Touchscreen-Monitore finden in immer mehr Bereichen des Lebens Verwendung. Ob bei Smartphones, bei Geld- und Fahrkartenautomaten oder als Bestell-Kiosk bei McDonald’s. Gerade auf solchen öffentlichen Touchscreens ist die Belastung mit Bakterien besonders hoch. Die Annenpost hat sich die Hygienesituation am Hauptbahnhof Graz angeschaut.

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Bakteriologie-StudentInnen der University of Surrey fanden heraus, dass sogar auf unseren Smartphones, die lediglich von einer Person benutzt werden, unsichtbares Leben in Form von Bakterien lauert. Diese sind zwar in den meisten Fällen harmlos, jedoch waren in Einzelfällen auch ansteckende Keime dabei. Doch wie ist das erst, wenn eine große Menge an Menschen auf einem Touchscreen herumtippt, wie es zum Beispiel bei den Fahrkartenautomaten der ÖBB am Hauptbahnhof Graz der Fall ist? Keine angenehme Vorstellung, wenn man dabei auch noch Jogi Löws öffentlichen „Fehlgriff“ bei der Fußball-EM im Hinterkopf hat.

Der Frage nach der Keim- und Pilzbelastung auf Touchscreen-Bildschirmen im öffentlichen Raum ging eine andere Studie der Hochschule Niederrhein nach. Unter anderem wurde Proben von Kassenautomaten in Parkhäusern und im Lebensmittelhandel, wie etwa einer Waage in einer Gemüseabteilung, sowie von Fahrkarten-Terminals analysiert, wie sie auch am Grazer Hauptbahnhof vorzufinden sind. Das Ergebnis: Bei diesen Touchscreens ist eine hohe Belastung von Keimen und Hefen gegeben. Wie am Grazer Hauptbahnhof mit diesem Problem umgegangen wird, konnte die Annenpost nicht in Erfahrung bringen. Trotz mehrmaliger Nachfrage waren die ÖBB für keine Stellungnahme zu erreichen.

Wohlfühlbahnhof
Der Hauptbahnhof Graz bezeichnet sich selbst als „Wohlfühlbahnhof“

50 Cent Toilettengebühr
Ein weiteres Problem, das sich damit auftut, ist der Umstand, dass es am gesamten Grazer Hauptbahnhof keine Möglichkeit gibt, sich die Hände zu waschen oder zu desinfizieren, ohne die gebührenpflichtige WC-Anlage in Anspruch zu nehmen. Somit werden für einmal Hände waschen 50 Cent fällig – selbst von KundInnen der am Hauptbahnhof ansässigen Gastronomiebetriebe. „Das System ist eine Gesamtentscheidung des Bahnhofs, nicht einzelner Betreiber. Es gab ursprünglich ein System mit wiederverwendbaren Münzen, die in den Geschäften bzw. Restaurants ausgegeben werden konnten. Dieses System wurde aber wieder abgeschafft. Die Gründe sind uns nicht bekannt“, meint Sabine Schein von der Kuhn Systemgastronomie, dem Betreiber der McDonald’s-Filiale am Hauptbahnhof. Gegen das Gesetz wird mit der entgeltlichen Benutzung nicht verstoßen. Jedoch stehen die Kosten im Widerspruch zur Sauberkeit der Sanitäranlagen, wie ein Lokalaugenschein der Annenpost zeigte. KundInnen bezahlen in der irrtümlichen Annahme, eine tadellos hygienisch-saubere Toilette zu besuchen.

Lokalaugenschein der Annenpost: So sieht es auf einer der Damentoiletten aus.

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McDonald’s ist zukünftig mit Desinfektionssäulen ausgestattet
Besonders kritisch wird dieses Problem, wenn Touchscreen-Bildschirme zur Bestellung von Fingerfood eingesetzt werden, wie es seit geraumer Zeit bei McDonald’s am Hauptbahnhof der Fall ist. Um den Bestellprozess zu beschleunigen und um KundInnen die Option zur individuellen Anpassung ihrer Bestellung zu geben, werden dort hauptsächlich so genannte Self-Ordering-Kioske zur Bestellaufnahme eingesetzt. Bislang hatte man nach dem Bedienen dieser Geräte nicht die Möglichkeit, sich anschließend gratis die Hände zu waschen oder zu desinfizieren. So blieb den KundInnen nichts anderes übrig, als Burger und Co. mit den potentiell „kontaminierten“ Fingern zu verzehren. Eva Winter vom Gesundheitsamt der Stadt Graz, das unter anderem für die Erhebung von Krankheitsursachen zuständig ist, bestätigte der Annenpost, dass von solchen Systemen grundsätzlich eine Gesundheitsgefährdung ausgehen könnte. Besonders Durchfallerkrankungen könnten durch die Touchscreen-Bildschirme übertragen werden, so die Expertin weiter. Bekannte Fälle dazu gäbe es allerdings keine. Die Firma Kuhn Systemgastronomie reagierte darauf umgehend: „Um unseren Gästen eine Möglichkeit bieten zu können, sich die Hände zu desinfizieren, wurde bereits eine Desinfektionssäule bestellt, die im Store voraussichtlich nächste Woche installiert wird“, hieß es in einer Stellungnahme von vor zwei Wochen. Bislang ist diese Desinfektionssäule aber noch nicht zu finden.

Im Interesse aller KundInnen und der anderen GastronomInnen bleibt es zu wünschen, dass die von McDonald’s gesetzten Maßnahmen hauptbahnhofübergreifend, aber auch auf anderen öffentlichen Plätzen als Vorbild gesehen werden.

 

#langstrumpfleni ist nach ihrer Schwester Pippi das zweitstärkste Mädchen der Welt und hätte auch gerne ein kleines Äffchen. Lebt nach dem Motto: Genießen, genießen, genießen!

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