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Gramm für Gramm zur Nachhaltigkeit

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Im Das Gramm wird gewogen, was die Waage hält. „Unverpacktes nach Maß“ bekommt man ganz frisch. Die Philosophie des Annenviertels auf der anderen Seite der Mur.

Im "Das Gramm" wird jeder freundlich willkommen geheißen. Fotos: Clemens Istel
Im Das Gramm wird jede/r Kunde/in freundlich willkommen geheißen. Fotos: Clemens Istel

Eine kühle Brise weht am Frühlingsmorgen durch die Neutorgasse. Verena ist gerade dabei, die Stühle und Tische vor dem kleinen Laden aufzubauen. Sie spannt auch die Sonnenschirme auf, es wird ein warmer Tag werden. Dann stellt sie die Menütafeln des Tages auf und geht wieder zurück in ihren Laden. Um Punkt 10 Uhr stehen die ersten KundInnen im Geschäft und staunen über die bunten Gemüse- und Obstsorten. „Wollen Sie ihren Karottensaft mit Apfel oder mit Johannisbeere?“, fragt Sarah die erste Kundin. Ein weiterer verpackungsfreier Tag beginnt.

Verena Kassar und Sarah Reindl haben sich vor Kurzem einen Traum erfüllt. Sie wollten nicht weiterhin unseren Planeten mit Plastik zumüllen und haben deshalb ihren verpackungsfreien Laden ins Leben gerufen. Mit der Unterstützung von unzähligen FreundInnen und Verwandten haben sie den kleinen Laden mit dem klingenden Namen Das Gramm eröffnet. Seit Ende April kann man in der Neutorgasse 7 bei den beiden Umweltfreundinnen einkaufen. Normale Lebensmittel auf eine ganz unnormale Art und Weise.

Eigene Gläser sparen überflüssige Verpackungen und Geld

Es gibt auch bereits abgepackte Waren
Es gibt auch bereits abgepackte Waren

„Wer waagt, gewinnt“ ist das Konzept hinter dem Laden, in dem es keine Plastikverpackungen gibt. Richtig gehört! Nichts, aber auch gar nichts, wird in Plastik verpackt. Überhaupt ist nur ein Teil der Waren vorverpackt in Glas oder Papier. Viele der Waren kann man sich als Kunde selbst direkt im Laden einpacken. Dafür bringt man eigene Verpackung, wie zum Beispiel Einmach- oder Marmeladengläser mit. Auch vor Ort können Bügel- und Einmachgläser in den verschiedensten Größen gekauft werden. „Manche Kunden bringen die gekauften Gläser auch wieder zurück“, erzählt Sarah. „Aber das bringt nicht wirklich viel, denn wir müssen sie aufwendig reinigen, um sie wiederverwenden zu können“ Die KundInnen werden also dazu aufgerufen, die Gläser entweder privat weiterzuverwenden oder sie wieder mit neuen Produkten aus dem Laden anzufüllen.

Bunte Vielfalt im Sortiment
Im Das Gramm bekommt man alle Lebensmittel, welche man für den täglichen Gebrauch benötigt. Das frische Obst und Gemüse steht in Kisten bereit. Von Karotten über Radieschen bis zu Avocados bekommt man alles, was das Herz begehrt. Auch Milch und Joghurt werden angeboten und bieten eine breite Auswahl in der Kühlvitrine. Für das Frühstück gibt es verschieden Müslisorten, wie zum Beispiel Dinkelcrunchy oder Cornflakes. Das Nudelsortiment kann in Papiersäcken mitgenommen werden und als Ergänzung bekommt man frisches Pesto. Das Angebot wird von Nüssen und kleinen Knabbereien abgerundet, die in Spendern an den Wänden angebracht sind. Auch Fleisch gibt es, allerdings auf Vorbestellung. Hier wäre es von Nachteil, wenn große Mengen überbleiben und auch die Aufbewahrung ist nicht ganz so einfach.

Die Kunden holen sich ihre Waren selbst
Die Kunden holen sich ihre Waren selbst

Regionale Herkunft und faire Arbeitsbedingungen
„Natürlich ist uns die Herkunft der Waren sehr wichtig. Wo wir nicht aus Österreich beziehen können, achten wir sehr auf faire Arbeitsbedingungen und das Fairtradesiegel“, versichert Sarah. Die frischen Waren, wie zum Beispiel Eier und Milchprodukte werden direkt aus der Steiermark bezogen. Obst und Gemüse gibt es saisonal und nicht immer auf Lager. Die exotischen Gewürze werden von vertrauenswürdigen Produzenten geliefert und strengen Qualitätskontrollen unterzogen.
Verena und Sarah achten schon bei der Anlieferung darauf, möglichst wenig Müll zu verursachen. Die Waren werden entweder in wiederverwendbaren Kisten oder in großen Mengen geliefert.

Damit nichts übrigbleibt, wird gekocht

Vor dem Laden gibt es Sitzmöglichkeiten und Tische
Vor dem Laden gibt es Sitzmöglichkeiten und Tische

Im Das Gramm wird auch frisch gekocht. „Bis jetzt haben wir es geschafft, alles was eigentlich übriggeblieben wäre, zu verkochen“, lacht Sarah stolz. Die Karte ändert sich dabei laufend. Einmal gibt es Lasagne, am nächsten Tag Eintopf oder Suppe. Je nachdem, welche Zutaten noch übrig sind und Gefahr laufen zu verderben. In all der Hektik kann es schon einmal vorkommen, dass aus Versehen drei Kilo Zwiebel zu viel bestellt werden.

Gemeinsam mit zwei KöchInnen, zwei Aushilfen und einer Marktingbeauftragten führen Sarah und Verena Das Gramm. Ihnen ist es ein Anliegen, unsere Wegwerfgesellschaft grundlegend zu verändern und zu beeinflussen. Mit unnötigem Plastikmüll zerstören wir unseren Planeten und es ist an der Zeit, unser tägliches Einkaufverhalten zu ändern. Natürlich ist es nur sehr schwer möglich, Plastik komplett zu verhindern, aber jeder Mensch kann für sich selbst darauf achten und schon ein kleiner Teil, der eingespart wird, hilft.

 

Studiert mit Hingabe ihren Traum. Ist Stammkundin in den Grazer Kinos. Wartet noch immer auf ihren Brief aus Hogwarts. Würde gerne zum Mars fliegen. Liebt die PR-Arbeit für ihr Team. Ach ja, kommt aus Kärnten und fühlt sich in Graz sehr wohl.

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