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Was bewegt Stadtbeweger, eine Stadt zu bewegen?

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Während auf den großen Podien der Urban Future Global Conference Persönlichkeiten wie der ehemalige Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit oder die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou referierten, unterhielten sich, etwas im Abseits gelegen, Grazer StadtentwicklerInnen über die Zukunft des urbanen Raumes. Ein Nachbericht von einer impulsreichen Diskussion.

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Ein Fest, eine Woche, ein Stadtviertel – ein riesen Wirbel. Bereits seit 2007 belebt der Lendwirbel in der ersten Maiwoche bekannte und versteckte Orte im Grazer Bezirk Lend und rundherum. Mit künstlerischen Aktionen und jeder Menge Musik feiern die ViertelbewohnerInnen eine Woche lang das Frühlingserwachen.

Der Lendwirbel, der längst auch GrazerInnen vom anderen Murufer und TouristInnen anzieht, sollte also auch die Grazer Stadtpolitik begeistern. Könnte man meinen.

„Von Seiten der Stadt wird Projekten wie dem Lendwirbel leider wenig Wertschätzung entgegengebracht. Die Stadtpolitik und StadtentwicklerInnen vertreten nicht die gleichen Interessen und begegnen sich aus diesem Grund nicht auf Augenhöhe“

kritisiert Lendwirbel-Organisator Franz Lammer bei einer Paneldiskussion, die sich im Rahmen der Smart Cities Days der UFC mit „StadtmacherInnen“ und ihren Bedürfnissen beschäftigte. Darüber hinaus gebe es immense bürokratische Hürden. Fazit: Es wäre reichlich Potential im Bezug auf Stadtentwicklung vorhanden, die Politik nütze diese Ressourcen jedoch nicht.

Ähnlich wie Lammer argumentierte Elisabeth Oswald vom StadtLABOR Graz, einer Forschungs- und Innovationsplattform, die, als Konsortialpartner innerhalb des „smarten“ Stadtentwicklungsprojekts  Waagner-Biro, für Beteiligungsprozesse verantwortlich ist. Im Auftrag des Klima- und Energiefonds hat das StadtLABOR Graz die Smart Cities Days organisiert und betreut. Auch wenn Oswald im Bezug auf Kooperationen mit öffentlichen Stellen deutlich positivere Erfahrungen gemacht hat, sei die Hemmschwelle in der Stadt Neues anzugehen meist hoch, weil man bereits im Vorhinein weiß, dass es bürokratische Hürden gebe. Außerdem sprach sie noch ein weiteres Thema an: „Bürgerbeteiligung sollte keinen Mehraufwand bedeuten!“

Bürgerbeteiligung?
Theoretisch. Über die Beteiligung von BürgerInnen an Stadtentwicklungsprozessen sollte eigentlich sicher gestellt werden, dass nur entwickelt wird, was die BewohnerInnen auch brauchen und akzeptieren. Anton Lederer, Leiter des Kunstzentrums <rotor>, das sich mit sozialen und politischen Fragen der Gegenwart befasst und im Rahmen eines Kunstprojekts 2009 das Annenviertel „erfand“, lieferte ein Beispiel, wie Bürgerbeteiligung in der Praxis oft aussieht.

„Der für Bürgerbeteiligung zuständige Referent der Stadt Graz hat bei einer Diskussion zum Thema nicht ein einziges Mal den Mund aufgemacht.“

Von der Stadt Graz war Simone Reis an der Diskussion beteiligt, die in der Stadtbaudirektion das Thema Stadtteilmanagement betreut. Zuerst im Rahmen des Umbaus der Annenstraße, derzeit für die Smart Citys, demnächst auch im Gries. Ihr Wunsch: Dass StadtmacherInnen und Stadtverwaltung ihre Energien bündeln statt auf Konfrontationskurs zu gehen: „BürgerInnen sollten nicht gegen- sondern miteinander arbeiten.“

Frag doch den Nachbarn
Oft genug passiert Stadtentwicklung aber ganz ohne öffentliche Beteiligung. Fragnebenan.com ist so ein Beispiel, das es BürgerInnen ermöglicht, die Vorteile guter Nachbarschaft auszuschöpfen. Zum Beispiel: Die Waschmaschine leckt und man muss in einer halben Stunde in der Arbeit sein. Kein Problem. Auf fragnebenan.com gibt man seine Postleitzahl und E- Mail Adresse an und schon werden einem NachbarInnen in unmittelbarer Nähe angezeigt, die einem helfen könnten, um zum Beispiel den Installateur ins Haus zu lassen. Klappt auch, wenn man einfach nur jemanden sucht, um eine Runde laufen zu gehen, oder wenn man ein Gläschen Wein trinken möchte – aber eben nicht alleine. Nachbarschaftshilfe 2.0, quasi. Andreas Förster, Mitbegründer der Plattform, auf der sich, vor allem in Wien, bereits mehr als 25.000 Menschen angemeldet haben, kritisierte im Laufe der Diskussion, dass es in der Stadt Graz teilweise „Informationssilos“ gibt, die geöffnet werden müssten. Damit könnte man viele weitere Anwendungen konzipieren, die den urbanen Alltag einfacher machen. Es sei ein Hauptmerkmal der Stadt von morgen, dass BürgerInnen über die Dinge, die um sie geschehen, informiert werden. „Außerdem wäre es schön, wenn die Menschen, die etwas bewegen und etwas weiterbringen möchten, von der Stadt unterstützt werden.“ so Förster.

Medienmensch auf Achse! Hannah liebt es zu reisen und die versteckten Orte dieser Welt zu erkunden! Was auf jeder Reise als erstes gesucht wird, ist ein Zeitungsstand. Denn ein Tag ohne Zeitung ist für Hannah, auch in Zeiten von Internet und Smartphone, unmöglich.

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