Lesezeit: 2 Minuten, 43 Sekunden

How to Poetry Slam?

in KULTUR von
Es ist wieder Zeit für P-P-P-Poetry. Am 04. Dezember fand erneut der Kultum-Slam bei den Minoriten statt. Doch wie wird man selbst zu einem Wortakrobaten? Wie gewinnt man ein Publikum für sich? Durch Kurse soll der Einstieg für Neulinge erleichtert werden.

Poetry Slam Moderator Markus Köhle

Am Anfang ein Workshop
Poetry Slam erfreut sich auch in Graz immer größerer Beliebtheit. Das kann man beim Grazer Hörsaal-Slam, den Kombüsen-Slams oder den Slams und Lesebühnen in der Brücke gut nachvollziehen. Viele Veranstalter bieten im Vorfeld Workshops für aufstrebende PoetInnen an. Dort werden die wichtigsten Skills und Tricks für einen gelungenen Slam-Abend erarbeitet. Der Wiener Christopher Hütmannsberger slamt selbst seit einigen Jahren und leitet regelmäßig Kurse, wie jenen im Vorfeld des Minoriten Slams gemeinsam mit dem Slamer Concerto Crystal im Oktober. Man könne niemandem die Kunst des Schreibens in wenigen Stunden beibringen, betont er. Jedoch kann man mit gezielten Übungen das Sprachgefühl verbessern. Er verlangt von seinen TeilnehmerInnen beispielsweise, den schlechtesten Text der Welt zu schreiben und vorzutragen. Das soll helfen, die Angst vor dem Publikum zu verlieren. Schlechte Texte gebe es übrigens nicht, meint Hütmannsberger. Tatsächlich hatten an diesem Tag  alle „schlechten“ Texte eine gewisse Qualität und zeichneten sich etwa durch ihren auffälligen Schreibstil aus. Ein Text handelte von Motivationslosigkeit und Desinteresse. Eine Kritik an der heutigen Jugend? Ein Tagebucheintrag eines psychisch Gestörten, oder doch ein Anprangern täglicher Routinen? Obwohl monoton geschrieben und vorgetragen, war der Text auf seine Art fesselnd und ließ Platz für Interpretation. Hütmannsberger hält es auch für wichtig, im Vorfeld einer Veranstaltung nervös zu sein. „Wenn ich irgendwann nicht mehr nervös bin, kann ich eigentlich aufhören!“, betont er. Zu viel Abstraktion sei ebenfalls ein No-Go. Ein einfacher Text wirke meistens viel stärker als ein  verschachtelter.

Hütmannsberger slamt selbst mit. Foto: Kulturzentrum der Minoriten
Hütmannsberger slamt selbst mit.
Foto: Kulturzentrum der Minoriten, Oktober

Auch Yasmin Hafedh weiß genau, worauf es zu achten gilt. Die 24-jährige kann selbst auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Mit 15 stand sie das erste Mal allein auf der Bühne. 2009 erreichte sie das Finale des Ö-Slams, bei dem sie den dritten Platz erringen konnte. Inzwischen tourt die Wienerin mit ihrem HipHop Projekt „Yasmo“ durch Österreich, leitet Workshops und hosted Slams. Die Annenpost hatte die Möglichkeit, während eines Slams im Frauenservice Palaver, einige Worte mit ihr zu wechseln: „Das Wichtigste ist, es einfach zu machen. Du musst nur dir selbst etwas beweisen. Ich kann nur unterstützend Hilfe leisten, auf die Bühne gehen muss jeder selbst!“ Natürlich ist sie sich bewusst, dass der Einstieg schwierig sein kann: „Der erste Auftritt wird fürchterlich. Im Nachhinein ist man jedoch stolz, dass man es gemacht hat. Der zweite wird dann schon besser und ab dem dritten Mal läuft’s von selbst!“

So freundlich ist das Publikum nicht immer gesinnt Foto: Kulturzentrum der Minoriten, Oktober

Nach dem Workshop ist vor dem Auftritt
Am 4. Dezember ist der Minoritensaal gut gefüllt. Einige Besucher nehmen am Boden Platz. Der Ablauf ist simpel. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen fünf Minuten Zeit, um ihren Text vorzutragen. Singen, Requisiten und Kacken sind verboten. Letzteres ist, wie Yasmin Hafedh im Gespräch ausführte, auf einen Zwischenfall in Wien zurückzuführen, der hier nicht weiter erläutert werden soll. Nach jeder Performance bestimmt eine zufällig ausgewählte Jury über die gewonnenen Punkte. Ist der erste Durchlauf abgeschlossen, entscheidet sich im Finale, wer gewinnt. An diesem Abend brilliert ‘Tom aus Graz“. Sein Text besteht nur aus Tautogrammen. Das sind Sätze, in dem jedes Wort mit demselben Anfangsbuchstaben beginnt. Dadurch entstehen Zeilen wie: „Fuck Fischers Fritz Fischmonopol! Free Fischhandel!“. Den ersten Platz teilt sich Tom aus Graz mit der Poetin Jelena, die mit einem bewegenden Text über die Depression eines Freundes überzeugen kann. Texte wie diese gelingen nicht beim ersten Mal. Die nächste Gelegenheit sich Tipps zu holen gibt es am 15. Jänner 2016. Dort findet erneut der Minoritenslam statt. Im Vorfeld kann man sich wieder Unterstützung von den Profis holen.

Loading Facebook Comments ...

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

9 + achtzehn =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Das letzte von

Gehe zu Nach oben