Sascha Vanicek
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Letzte Ernte im Niesenbergergarten

in VIERTEL(ER)LEBEN von
Am Niesenbergergelände soll gebaut werden. Einspruch gegen die aktuellen Bebauungspläne zu erheben, ist noch bis 15. Oktober möglich. Eine Gruppe von Gemeinschaftsgärtnern versucht, den Charakter der Anlage zu bewahren.

Sascha Vanicek, studierter Biologe und treibende Kraft im Protest gegen die Baupläne, läuft geschäftig durch Blumenbeete und an Garagen vorbei. Zu fast jeder Pflanze, die hier sprießt, fällt ihm eine Geschichte ein und die Igel nennt er beim Namen. Die Anlage liegt ihm am Herzen, ist seinen Angaben nach „quasi sein Baby”. Doch die Gemeinschaftsgarten-Tage sind gezählt, die Bebauungspläne für zwei mehrgeschossige Neubauten sollen Anfang nächsten Jahres stehen.

Einblick in den Niesenbergergarten
Idylle in der Niesenbergergasse: Hier wird bald mehrstöckig gebaut

Innenhof abgeriegelt
Der Garten liegt auf einem Grundstück zwischen der Idlhofgasse und der Elisabethinergasse und gehört der W. Wesiak Immobiliengesellschaft. In den vergangenen sechs Jahren durfte jeder die Anlage nutzen. Dafür gab es auch einen Vertrag. Dieses Nutzungsrecht läuft mit Ende September 2016 aus. Die vom Bauwerber eingereichten Bebauungspläne wurden bereits einmal abgeändert, unter anderem von ursprünglich geplanten zehn Geschossen auf fünf beziehungsweise sechs. Doch das eigentliche Problem, so Vanicek, sei die Lage der geplanten Gebäude: Sie würden den bisher als Garten genutzten Innenhof von außen abriegeln.

Vanicek ist klar, dass er die Bebauung nicht verhindern kann und der Garten in seiner jetzigen Form früher oder später verloren gehen wird. Betroffen wären aber auch Grünflächen vor dem Garten, die der Stadt Graz gehören. Hier „gartelt” derzeit eine Gruppe der Lebenshilfe, pflanzt Gemüse und Kräuter in Hochbeeten. Wesiaks Pläne sehen auf dieser Fläche allerdings einen Umkehrplatz vor. Wohin die Tagesbetreuung der Lebenshilfe dann ausweicht, ist noch unklar. Timea Wallner, Leiterin der Tagesstätte, sieht im Umkreis „keine wirklichen Alternativen”.

Grünfläche, die bald verloren geht.
Diese kleine Wiese soll zur Umkehrfläche werden – bislang hatte die Lebenshilfe hier ihre Beete.

Protest von den Grünen
Gries und Lend haben besonders wenige Grünflächen und laut aktueller Version des Stadtentwicklungskonzepts (STEK) besteht „großer Handlungsbedarf”. Gemeinderat Karl Dreisiebner (Grüne) sieht die Vorgaben des STEK in Wesiaks Plänen nicht erfüllt: „Eine Verbauung in dieser Art vorzuschlagen, ist nicht hinnehmbar.” Vanicek sieht das anders: Die Immobilienfirma habe „jedes Recht”, ihr eigenes Grundstück zu bebauen. Um aber „den Charakter der Anlage zu erhalten”, wünscht er sich eine Abänderung der Baupläne, bei der möglichst viel öffentlich zugänglich bleibt.

Um eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden, fordert Vanicek dazu auf, noch bis 15. Oktober 2015 beim Stadtbauamt Einspruch zu erheben. Je „fundierter und sachlicher” die Einwände gegen die aktuellen Bebauungspläne seien, desto größer sei die Chance auf deren Abänderung. Unter anderem soll ein Teil der Grünfläche erhalten bleiben und die Bebauungsdichte auf 1,8 gesenkt werden – je kleiner dieser Faktor ist, desto weniger Stockwerke dürfen gebaut werden.

Alternative Metahofpark?
Sollten die Pläne Anfang 2016 – entgegen Vaniceks Vorstellungen – abgesegnet werden, bleibt nur das Ausweichen auf andere Grünflächen. Christine Radl vom Stadtbauamt Graz schlägt dafür ausgerechnet einen Park vor, der bisher nicht für Gartenaktivitäten bekannt war: den Metahofpark.

Text: Helena Meizenitsch, Lisa Mittermaier, Carmen Oberreßl, Ricarda Opis, Christina Rebhahn-Roither

Hat nach dem Umzug nach Graz festgestellt, dass der oberösterreichische Dialekt stärker ist, als gedacht. Führt seither auch ein Vokabelheft: "Oberösterreichisch – Steirisch". Mag Menschen und Musik. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge.

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