Lesezeit: 1 Minute, 36 Sekunden

Man of the Game

in KULTUR von

Wäre die Diagonale ein Fußballmatch, dieser Herr wäre wohl der „Mann des Spiels“ gewesen: Dem Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter war eine Personale gewidmet, am Ende räumte er den Großen Dokumentarfilmpreis ab.

UEBER_DIE_JAHRE_1_(C)NGF
Vom Zufall ausgewählt – die Protagonisten, die bis zum Schluss bei der Anderlfabrik arbeiteten. @ NGF

 

Fabrik geschlossen, Angestellte entlassen – nicht nur das Annenviertel kann einige solcher Geschichten erzählen. Auch das Schicksal einer Textilfabrik im niederösterreichischen Waldviertel lautete ähnlich, deren Konkurs und die Zeit danach Nikolaus Geyrhalter dokumentiert hat.

 

UEBER_DIE_JAHRE_13_(C)NGF
Die Anderlfabrik bei Schrems – seit 2004 geschlossen. @ NGF

 

Der 42-jährige Wiener hat eine Eigenart: Ein Thema interessiert ihn erst, wenn es die Medien längst vergessen haben. In seinen unkommentierten Dokumentarfilmen zeigt der Regisseur das Danach: Menschen, die Jahre nach dem Atomunfall von Tschernobyl noch immer in der verstrahlten Stadt wohnen (Pripyat, 1999). Die Rallye Dakar, die er mit der Kamera durch Afrika verfolgt, ohne sie ein einziges Mal ins Bild zu bringen (7915 km, 2008). Und jüngst: Das Schicksal der letzten Angestellten in der „Anderlfabrik“ im Waldviertel, die er über zehn Jahre hinweg bei der Arbeitssuche begleitet. Über die Jahre lautet der passende Titel des Dokumentar-Epos: Eine Langzeitstudie in Filmform. Und das dauert auch auf der Leinwand seine Zeit. Fesselnd und abwechslungsreich erzählt er die Schicksale der sieben letzten „Anderl“-Angestellten. Die Diagonale-Jury: „Ein Film, der Empathie zeigt, sich aber auch auf Diskretion versteht.“

 

Nikolaus_Geyrhalter_(C)_Philipp_Horak
Der Autodidakt hat mit 22 seinen ersten Dokumentarfilm gedreht. @ Philipp Horak

 

Eine „Personale“ war Geyrhalter dieses Jahr gewidmet – alle seine Kinofilme flimmerten über die Diagonale-Leinwand, bei einigen Vorstellungen war er selbst anwesend: „Das war für mich wie eine Zeitreise.“ Besonders berührt hätten ihn die Reaktionen der Zuschauer, so Geyrhalter: „Filme, die früher ja kaum jemand gesehen hat, waren jetzt ausverkauft. Das sind lauter Wiedergeburten gewesen.“ Den Großen Preis sehe er daher nicht nur als Auszeichnung für Über die Jahre, sondern auch für die anderen Filme, die gezeigt wurden. Geyrhalter zufrieden: „Man könnte es resümieren mit: Es war eine schöne Diagonale.“

[box]

Bis 29.03. kann man einige Geyrhalter-Filme gratis anschauen – unter diesem Link.

Über die Jahre läuft österreichweit in folgenden Kinos (Auswahl):

Stadtkino im Künstlerhaus Wien − ab 20.3.2015

Cinema Paradiso St.Pölten − ab 23.3.2015

Leokino Innsbruck − ab 24.3.2015

Waldviertler Kino Gmünd − ab 26.3.2015

Moviemento, Linz − ab 27.3.2015

Kino Freistadt − ab 27.3.2015

Das Kino, Salzburg − ab 28.3.2015

Programmkino Wels − ab 1.4.2015

Schrems Kulturhaus − 10.−14.4.2015

[/box]

Reist am liebsten auf zwei Rädern, liest Zeitung, Non-Fiction und Reisepass, jongliert mit Buchstaben, Keulen und Drumsticks. Prinzipiell skeptisch-interessiert. Kaffeegourmet.

Loading Facebook Comments ...

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

16 − sieben =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Das letzte von

Ganz schön oag!

Anfang Mai öffnete der Kulturverein oag seine Pforten am Grazer Lendplatz. Neben
Gehe zu Nach oben