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DESSI-Prozess: Empfehlungskatalog für ein sicheres Graz

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Der Verein „Sicher leben in Graz“ hat es sich zum Ziel gesetzt, die Stadt Graz wieder sicherer und wohnlicher zu gestalten. Und hat damit im Volksgarten begonnen, der nicht länger als Drogen-Hotspot wahrgenommen werden soll.

Monatelang haben Experten zusammen mit Anrainen und Interessenten darüber gebrütet, wie man diese Probleme lösen könnte. „DESSI-Prozess“ (Decision Support on Security Investment) nennen das die Leute vom Institut für Rechts-und Kriminalsoziologie (IRKS), die diesen Prozess erfunden und erstmals in Wels erprobt haben. Werner Miedl, Geschäftsführer des Vereins „Sicher Leben in Graz“ zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen, aber man müsse dennoch intensiv an der Situation arbeiten: „Von heute auf morgen ändert sich gar nichts, zuerst muss man den Leuten die Angst nehmen.“

Die Ergebnisse des Workshops, die der Stadt Graz vorgelegt werden, zielen vor allem darauf, die Kernprobleme des Volksgartens – Ruhestörung und Drogenhandel – zu lösen. „Die meisten Drogendealer im Volksgarten sind minderjährig ­ wir wollen dort ansetzen und Hilfe anbieten“, erklärt Werner Miedl. Hilfestellung soll es vor allem in Form von kostenlosen Sprachkursen und Arbeitsvermittlung geben. „Wir sind auch schon mit der Wirtschaftskammer und potentiellen Arbeitgebern im Gespräch. Ziel ist es, jugendliche Asylwerber in Lehrberufe zu vermitteln“, berichtet Werner Miedl über eine der geplanten Maßnahmen. Das könne ein erster Integrationsschritt sein. „Wichtig ist es, dass wir jungen Asylwerbern eine Chance geben und sie über eine längere Zeit begleiten“, so Werner Miedl.

Im Zuge von drei Workshops ist der Empfehlungskatalog entstanden.
Im Zuge von drei Workshops ist der Empfehlungskatalog entstanden. © SLG

Anneliese Kneissl, Bezirksrätin der Grünen im Bezirk Lend, hält diese Lehrstellenvermittlung auf Nachfrage ebenfalls für realistisch. Auch die meisten der übrigen Maßnahmen machen für sie Sinn. So ist auch eine sanfte Umgestaltung des Parks geplant, um den Volksgarten sicherer und freundlicher zu machen. „Die Integrationsidee soll durch Konzerte, Sportmöglichkeiten oder andere Kulturveranstaltungen gelebt werden“, erzählt der frühere Grazer Kulturstadtrat Miedl (ÖVP). Auch durch „Community Policing“ – das Zugehen der Polizei auf alle Gruppen, die sich im Volksgarten aufhalten, soll die Situation der Anrainer und auch der Parkbesucher verbessert werden. „Es geht um eine gelungene Zusammenarbeit zur Erkennung und Lösung von gemeinschaftlichen Problemen. Diese Herangehensweise halte ich für sinnvoll, damit sowohl Parkbesucher als auch Anrainer ein wohlwollendes Miteinander erleben können“, meint Anneliese Kneissl. Eine weitere Maßnahme, die im Zuge des DESSI-Prozess realisiert werden soll, sind Sprechstunden. Diese soll es in der Kreuzkirche geben, damit Anrainer, Besucher des Parks oder auch Asylwerber die Möglichkeit haben, sich zu informieren oder Rat zu holen.

„Die wichtigste Änderung für mich wäre es, dass sich jemand um die Asylwerber im Volksgarten kümmert und sie als Mitmenschen ansieht – dadurch würden sich viele Probleme von selbst erübrigen“, meint Werner Miedl.
Außerdem soll mit Hilfe der Stadt probeweise für ein Jahr eine Änderung der Parkverordnung verwirklicht werden. „Zwischen 22 und sechs Uhr sollen der Volksgarten und auch der Metahofpark Ruhezeit haben – Lärm soll im Interesse der Anrainer nicht mehr gestattet sein“, so der ehemalige Kulturstadtrat. Anneliese Kneissl hingegen sieht diesen Schritt als eher unwichtig an: „Wer soll die Nachtruhe kontrollieren und vor allem wie? Ich halte die anderen geplanten Maßnahmen für zielführender.“

Sowohl ExpertInnen als auch BürgerInnen haben sich mit ihren Ideen beteiligt.
Sowohl ExpertInnen als auch BürgerInnen haben sich mit ihren Ideen beteiligt.

Nach dem letzten DESSI-Workshop am 12. Jänner gab es erstes Feedback von Seiten der Politik: „Das Maßnahmenpaket wurde dem Bezirksrat präsentiert und anschließend wurden die Maßnahmen gemeinsam diskutiert“, erzählt Anneliese Kneissl. Viele der Maßnahmen, die in dem Empfehlungskatalog aufgeführt sind, kosten nicht viel, oder sind sogar kostenlos, wie die rechtliche Änderung der Parkverordnung. „Die Umgestaltung des Volksgarten wäre am teuersten – allerdings soll diese schrittweise geschehen“, so Werner Miedl.

Der wichtigste Schritt, um eine längerfristige Verbesserung der Sicherheit, auch im Volksgarten, zu gewährleisten sei Prävention. „Alle Maßnahmen, die man vorher zur Verhinderung von Verbrechen setzen kann, sind besser als Investitionen in die Reparatur“, zeigt sich Werner Miedl überzeugt.

[box]Heute, am 30.01 findet eine Stadtteilversammlung zu den geplanten Maßnahmen des DESSI-Prozess statt [/box]

Nicht nur das Schreiben, sondern auch das Kochen und das Reisen zählen zu den Interessen der aus Leibnitz stammenden Südsteirerin. Sie interessiert sich für Kultur, Kunst und auch verschiedene Sprachen. Auch Bücher und Zeitschriften sind ein wichtiger Bestandteil in in ihrem Leben. Für die Zukunft wünscht sie sich, möglichst viel herumzukommen und viel von der Welt zu sehen und irgendwann mal von Journalismus leben zu können.

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