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Mit Besen und Schaber zur Erleuchtung

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Der Friedensstupa im Volksgarten wurde als Ort der Stille und Meditation konzipiert. Monika Kokoschinegg sorgt seit zehn Jahren dafür, dass er das auch bleibt.

Stupa1
Monika Kokoschinegg geht ihrer Arbeit nach.

„Jede Woche ist was“, sagt Monika Kokoschinegg, während sie mit einem kleinen Besen behutsam Kies wegkehrt, den Kinder immer wieder auf die Stufen werfen. Jede Stufe des Stupa steht für eine Etappe des buddhistischen Wegs, der am Ende zur Erleuchtung führen soll. „Buddhisten legen großen Wert auf Sauberkeit“, erklärt die ältere Dame. Gerade deswegen sei es so wichtig, diese Sakralstätte rein zu halten.

Seit über zehn Jahren kommt Monika Kokoschinegg in den Volksgarten, um zu putzen. Sie betreut den Stupa, der 1998 vom Buddhistischen Zentrum in Graz als „Friedensstupa“ errichtet wurde. Damals war es der erste in ganz Österreich. Vor allem zu Voll- und Neumond finden hier religiöse Rituale statt. Man kann aber auch jederzeit vorbeikommen, um Mantras zu rezitieren und den Stupa anschließend im Uhrzeigersinn zu umrunden. Mindestens dreimal soll man das tun, damit das Ritual auch wirklich Glück bringt.

Monika geht zu einem kleinen Kästchen, das sich neben dem Stupa befindet. Sie holt einen Schaber heraus und beginnt, Kerzenwachs wegzukratzen, das irgendjemand auf die Stufen geschüttet hat. An den Lampen, in denen normalerweise Kerzen brennen, fehlen die Gläser. Zu Vandalenakten komme es hier leider immer wieder, erzählt Monika Kokoschinegg. Die Gebetsfahnen wurden bereits heruntergerissen, Teile des Bauwerks gewaltsam entfernt und Hundebesitzer lassen ihre Vierbeiner gegen den Stupa pinkeln. Der „wertvolle Buddha“ sei schon im ersten Jahr gestohlen worden. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass sich jetzt nur mehr ein Bild in der goldumrahmten Nische befindet.

Lampe
Opfer des Vandalismus.

„Ich bin ja ein bisschen eine Reinlichkeitsfanatikerin, eine Bilderrahmen-Zurechtrückerin“, sagt Kokoschinegg schmunzelnd. Diese Eigenschaften ließen sich gut mit ihrer Tätigkeit verbinden. Monika war auch schon im indischen Dharamsala, dem sogenannten „Klein-Tibet“, das auch Sitz der tibetischen Exilregierung ist. Schon dort sei ihr die Sauberkeit der Buddhisten aufgefallen. „Es darf nicht sein, dass irgendetwas so schmutzig und verkommen aussieht“, sagt Monika, während sie die letzten Wachstropfen beseitigt.

Der Dalai Lama höchstpersönlich war schon im Volksgarten, als er den Stupa im Rahmen seines zweiten Grazbesuches im Jahr 1998 einweihte. Monika Kokoschinegg hat ihn auch selbst erlebt, als er damals ein Friedensritual in der Messehalle abhielt. „Zum Buddhismus bin ich aber eigentlich über Yoga gekommen“, sagt sie. Im Anschluss an die Kurse, die das Buddhistische Zentrum in Graz anbietet, besteht die Möglichkeit, einer Meditation beizuwohnen. Monika ist geblieben und seither eine von circa 60 freiwilligen Mitarbeitern und Helfern des Zentrums. „Konvertiert“ ist sie nicht. „Ich bin ein Freigeist“, sagt sie. Was die Entstehung der Menschheit betreffe, glaube sie eher den Physikern. Am Buddhismus fand sie Gefallen, weil er „so offen und frei ist, keine Zwänge kennt“. Außerdem seien die Leute im Buddhistischen Zentrum so angenehm, fügt Monika hinzu.

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„Ich bin ein Freigeist“, meint Monika Kokoschinegg.

Routiniert schraubt Monika Besen und Stiel zusammen und beginnt, das angewehte Laub wegzukehren. Es stimme schon, sagt sie, dass ein anderer Standort vielleicht weniger mutwillige Zerstörung mit sich bringe. Den Volksgarten findet sie dennoch gut. Sie glaubt auch nicht, dass Videoüberwachung eine positive Wirkung hätte. Ab und zu gebe es Polizeikontrollen im Park. Diese konzentrieren sich aber eher auf die Dealer. Monika kennt auch schon deren Tricks. Sie zeigt auf einen Busch in der Nähe. „Da drüben bei dem Strauch, da haben sie es reingelegt, dann kommt der nächste und holt es wieder raus.“ Die Rede ist von den kleinen Marihuana-Säckchen, die Drogenhändler hier verstecken.

Monika wird auch in Zukunft immer wieder in den Volksgarten kommen, um den Stupa zu betreuen. Am liebsten wäre ihr, wenn der Platz um den Stupa herum gepflastert würde. Dann gäbe es keine Steinchen mehr, die Kinder auf die Stufen werfen könnten. Aber wie immer fehle das Geld für solche Projekte. Zwei Stunden braucht Monika an diesem Tag, bis alles sauber ist. Nächste Woche wird sie ihre Arbeit von Neuem beginnen.

Geboren in Niederösterreich, aufgewachsen in Tirol, jetzt in Graz. Schreibt, Fotografiert, filmt, läuft und radelt gerne. What else? Tierlieb, bevorzugt Katzen und Hunde.

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