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Der andere Princip

in KULTUR von

Gavrilo Princip, der Mörder – so kennen wir ihn. Doch die Schaubühne Graz zeigt ab 9. April mit dem Stück „Princip – Dieses Grab ist mir zu klein“ eine andere Seite des Attentäters, der am 28. Juni 1914 den österreichischen Kronprinzen erschoss.

„Wirf das Messer weg! Wirf es weg!“ Bedrohliche Töne dringen aus dem Hinterhof der Mohrenapotheke am Südtirolerplatz – doch findet hier kein Überfall statt, sondern eine Theaterprobe. Die Location ist nicht so ungewöhnlich, wie sie auf den ersten Blick scheint: Schließlich ist Christian Müller, der Inhaber und Geschäftsführer der Mohrenapotheke, der Regisseur.

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Christian Müller einmal nicht als Apotheker, sondern als Regisseur am Werk.

Geprobt wird für das Stück „Princip – dieses Grab ist mir zu klein“ von Biljana Srbljanović. Der Beginn des ersten Weltkriegs jährt sich heuer zum 100. Mal. Auslöser war damals die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gattin im Juni 1914 in Sarajevo. Sie wurden von Gavrilo Princip, einem 19-jährigen, bosnischen Serben, erschossen. Aber Christian Müller merkt an: „Es wäre nicht zu einem Krieg gekommen, bei dem 17 Millionen Menschen sterben, wenn es nicht schon zuvor gekriselt hätte“ – und er vergleicht das damalige Europa mit einem Druckkochtopf, der im Jahr 1914 jeden Moment zu explodieren droht.

Wer ist Princip?
Gavrilo Princip, in der Adaption der Schaubühnen Graz von Josef Mohamed gespielt, wirkt sehr sympathisch. Er ist Schüler, hat Freunde, mit denen er Billiard spielt – er ist ein Idealist, der von der Freiheit träumt, kein skrupelloser Mörder. Müller erklärt: „Durch Asip [einen Geheimdienstler, Anm.] werden die jungen, lebenslustigen Menschen verführt und benutzt.“

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Danilo (knieend) schwört Asip, die Organisation über seine Familie und Freunde zu stellen.

 Durch seinen Freund Danilo gerät Gavrilo schließlich in die Kreise nationalistischer Terroristen. Und am Ende ist es er derjenige, der den österreichischen Thronfolger erschießt. Das spaltet bis heute die Meinungen der Kulturen: Während er in Österreich als Kaisermörder und Attentäter gilt, wird Princip in Serbien teilweise als Held verehrt – für ihn soll dieses Jahr in Belgrad ein Denkmal errichtet werden.

Dadurch, dass in dem Stück auch serbische Lieder gesungen werden, wirkt das Setting sehr authentisch. Generell sorgen Dušan Simović und Vlada Vesić, zwei serbischstämmige Musiker, für die Klangkulisse: Sie sind nicht nur für das Cello bzw. das Schlagzeug verantwortlich, sondern auch wichtig um die Aussprache der serbischen Liedtexte abzuklären. Schließlich will Christian Müller mit dem Stück auch das serbischsprachige Publikum erreichen.

Fotocredits: (c) Beatrice Rümmele

[box]„Princip – Dieses Grab ist mir zu klein“

Premiere: 09. April 2014, 20:00
weitere Termine: 11. , 12.,13., 15., 16., 17., 25. und 26. April
Karten: 0664/170 29 70 oder hier
Ort: TTZ – Tanz & Theaterzentrum Graz
Kultur- und Veranstaltungszentrum
Viktor-Franz-Straße 9
8051 Graz
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